Sachsen-Anhalt: Berlinerin startet Wohnprojekt im Dorf Billberge

Wohnprojekt in Sachsen-Anhalt:Warum eine Berlinerin ein fast verlassenes Dorf kauft

Annette Pöschel, Redakteurin im ZDF-Landesstudio Sachsen-Anhalt.

von Annette Pöschel

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Billberge ist hübsch gelegen an der Elbe, im Norden von Sachsen-Anhalt. Marlene Brühl will es neu beleben. Ihre Vision: gemeinsam wohnen, gemeinsam arbeiten - ganz unideologisch.

Käuferin des Dorfes Billberge: Marlene Brühl

Marlene Brühl kaufte ein ganzes Dorf in der Altmark. Sie beschließt daraus einen neuen, nachhaltigen Lebensort zu entwickeln, mit sanierten Häusern, Tiny Houses und gemeinsam genutzter Infrastruktur.

06.06.2026 | 5:07 min

Es ist eine der schönsten Ecken von Sachsen-Anhalt. Die Elbe schlängelt sich durch die östliche Altmark, vorbei an saftigen Wiesen und üppigen Bäumen. Und an Billberge. Mit einem weißen Gutshaus in der Mitte, daneben ein klassischer Vierseitenhof, eine verwaiste Kapelle, ein traditionsreicher Reiterverein.

Die Ruhe, das Grün, hier fühlt sich Marlene Brühl wohl, hier kann sie durchatmen.

Ich bin naturbegeistert, ich möchte am liebsten nur draußen sein - und ich habe mich über die Jahre in die Altmark verliebt.

Marlene Brühl

Die Berlinerin pendelt schon lange zwischen ihrem Job als Geschäftsführerin und Entschleunigung auf dem Land, zwischen der großen Millionenstadt und ihrer kleinen Holzhütte in der Nähe ein paar Dörfer weiter.

Billberge lernt sie kennen und lieben, als sie hier ihr Pferd im Reitverein einstellt. Zu dieser Zeit gehört das Dorf dem Christlichen Jugenddorfwerk (CJD), das hier eine Ausbildungsstätte betreibt.

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Billberge: Dorfgemeinschaft 2.0

Als das verkaufen will, bewirbt sie sich beim Landkreis um die Nachfolge und veräußert dafür ihre Eigentumswohnung in Berlin.

Ich hatte immer ein bisschen die Vision der alten Dörfer, wo man in größeren Gruppen mehr oder weniger verbunden gelebt hat.

Marlene Brühl

In diesem Sinn möchte Brühl das Fleckchen Land zu einem besonderen Ort machen, gemeinsam mit Menschen, die Lust darauf haben, neue Wege zu gehen:

Es soll keine Kommune werden, sondern wirklich im alten Stil eine Dorfgemeinschaft, aber 2.0. Mit schnellem Internet, mit ökologischen Häusern, mit Naturschutz.

Marlene Brühl

Käuferin des Dorfes Billberge: Marlene Brühl

Marlene Brühl will Billberge zu einem besonderen Ort machen.

Quelle: ZDF

Ein Dorf kaufen, das klingt nach Großgrundbesitz und feudalem Adel. Tatsächlich ist es so, erklärt Steffen Schilm, Bürgermeister von Tangermünde (wozu Billberge gehört), dass Marlene Brühl die meisten Anliegergrundstücke gekauft habe, jedoch keine Straßen oder Gehwege. Er hofft, dass ihr Konzept aufgeht und neue Einwohner hierher ziehen.

Das ist für mich das Lebenslabor schlechthin. Eine Möglichkeit, mal was Neues auszuprobieren, Gemeinschaft neu zu denken.

Steffen Schilm, Bürgermeister Tangermünde

17 Wohnungen sind in den drei gelben Mietshäusern, die noch aus DDR-Zeiten stammen, geplant. Sie sollen saniert werden, mit neuem Zuschnitt und Balkonen. Und 22 kleine Holzhäuser. Für den herrschaftlichen Mittelpunkt des Dorfes gibt’s noch keine konkreten Pläne. Vielleicht eine Arztpraxis.

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Wer hier leben möchte, muss Miteigentümer werden - in Form einer Genossenschaft. Anteile erwerben und Startkapital einbringen: 50.000 Euro für das kleinste Tiny House, 175.000 Euro für die größte Wohnung.

Getragen wird das Projekt von "vielleben eG". Diese Genossenschaft mit Sitz in München hat bereits mehrere solcher gemeinschaftlichen Wohn- und Lebensorte im ländlichen Raum entwickelt, zum Beispiel Wiesenburg in Brandenburg oder Erndtebrück in Nordrhein-Westfalen.

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Sie freut sich auf einen Neuanfang mit anderen Genossenschaftlern und all ihren Interessen und Vorstellungen:

Ich träume davon, dass man drüber diskutiert und einfach zusammenfindet, dass es einen wunderschönen Kompromiss gibt. Das ist mein Traum, den ich schon lange träume, weshalb ich überhaupt in so eine Gemeinschaft ziehen möchte.

Anneliese Ergenzinger

Gemeinsam wohnen und arbeiten

Eine tragende Säule: teilen statt besitzen. Gemeinsames Arbeiten in Werkstätten oder Co-Working-Spaces etwa. Oder auch Werkzeuge und Fahrzeuge. Wer möchte, könnte auch die Freizeit zusammen verbringen. Eine Gemeinschaftsküche ist geplant, mit einer langen Tafel. So braucht der einzelne nicht viel private Fläche, wenn alle eine große gemeinsame Fläche nutzen können, erklärt Marlene Brühl.

All diese Ideen und deren genaue Ausgestaltung sind noch im Werden und Wachsen mit der Gruppe. In ein paar Monaten sollen die ersten Bagger loslegen - und schon in wenigen Jahren das Dorf mit neuem Leben gefüllt sein: Billberge 2.0.

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Annette Pöschel ist Reporterin im ZDF-Landesstudio in Sachsen-Anhalt.

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Über dieses Thema berichtete der Länderspiegel am 06.06.2026 ab 17:05 Uhr.

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