Italien nach Olympia: Was bleibt, wenn die Welt wieder abreist

Mehr als Medaillen:Italien nach Olympia: Was bleibt, wenn die Welt abreist

von Valerie Braig

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Nicht nur Medaillen prägen das Ende der Olympischen Winterspiele. Zwischen Ehrenamt, Handwerk und kultureller Identität zeigt sich, was bleibt, wenn die Welt wieder abreist.

Italian ballet dancer Roberto Bolle (unseen) dances with 2000 students of dance schools at Piazza Duomo on the occasion of the OnDance dance festival (Ballo in Bianco), in Milan, Italy

Am Sonntag findet in Verona die Abschlussfeier der Olympischen Winterspiele statt. Balletttänzer Roberto Bolle ist mit wichtiger Message dabei: Spürt eure Körper, lasst die Smartphones liegen.

19.02.2026 | 2:05 min

16 Tage lang bestimmten Sprachen aus aller Welt das Bild rund um die Wettkampfstätten in Mailand, Cortina und Livigno. Nun reisen nicht nur Kamerateams und Athleten ab. Auch Tausende "Volontari" aus 98 Nationen treten die Heimreise an.

Einsatz der Freiwilligen hinter den Kulissen

Die freiwilligen Helfer empfingen Medienvertreter, wiesen Zuschauern den Weg und sorgten dafür, dass Sportler rechtzeitig an den Start kamen. Silvia Marchetti, Volunteer Engagement Manager, lobte ihren Einsatz gegenüber ZDFheute: "Die Freiwilligen sind die Freude der Olympischen Spiele. Wir setzen auf ihre Energie, auf ihr Lächeln und auf die Idee, alle, die zu den Spielen kommen, willkommen zu heißen."

Olympische Winterspiele 2026

Die Aufgaben der jungen Freiwilligen aus aller Welt sind vielfältig. Vor allem sollen sie helfen, den Ablauf der Winterspiele zu optimieren und Olympia zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen.

06.02.2026 | 3:45 min

Für den 18-jährigen Freiwilligen Michele aus Brescia bei Mailand war sofort klar, dass er Teil der Winterspiele in seiner Heimat sein wollte: "Auch wegen der Werte, die diese Spiele in die Welt tragen."

Frieden, Gleichheit und Brüderlichkeit. Werte, die wir so dringend brauchen.

Michele, Freiwilliger

Vom Zufall zur Innovation

Abseits der Arenen arbeitet im Antholzer Tal ein Handwerksbetrieb an Biathlon-Gewehren. Holzbauer Rudolf Bachmann fertigt Gewehrschäfte, detailgenau angepasst an Profis wie an Amateursportler. Er steht exemplarisch für regionales Know-how, bei dem Erfahrung auf Innovation trifft. Zum Biathlon kam er eher zufällig: "Bei den Rennen passieren auch manchmal Stürze und dann war niemand im Dorf, der reparieren wollte. Und dann kam die Frage: Warum baust du nicht selbst einen Schaft?"

Philipp Nawrath beim Biathlon in Aktion am 08.02.2026 in Antholz.

Rudolf Bachmann ist Gitarrenbauer. Doch seit ein Athlet vor seinen Augen stürzte, sein Sportgerät zerbrach und Bachmann es in seiner Gitarrenwerkstatt reparierte, baut er "Biathlonstöcke".

13.02.2026 | 2:10 min

So entwickelte der Tüftler Gewehrschäfte aus Carbon - einem besonders leichten und sehr stabilen Hightech-Material - und beliefert inzwischen Athleten aus aller Welt, darunter auch Olympia-Teilnehmer. Bei den Olympischen Winterspielen wurde seine Arbeit nun erstmals auf der größten Bühne des Biathlons sichtbar.

Zwischen Tradition und Weltbühne

Die Olympischen Spiele fanden in einer Region statt, die seit Jahrhunderten kultureller Schnittpunkt ist. In fünf Dolomitentälern leben ladinische Gemeinden - eine sprachliche Minderheit mit eigener Tradition und Geschichte. "Im Jahr 1000 beschlossen einheimische Familien, ihre privaten Grundstücke zu einem gemeinsamen Besitz zusammenzufassen, in dem alle Pflichten und Rechte hatten, um in dieser Bergregion gut überleben zu können", sagt Elsa Zardini, Präsidentin der "Union de i Ladis de Anpezo", im Gespräch mit ZDFheute.

Diese Regeln gelten bis heute - inzwischen nicht mehr zum Überleben, sondern zum Schutz der Region. Die Vereinigung setzt sich auch für den Erhalt der ladinischen Sprache ein, die älter ist als die italienische.

Nach eigenen Angaben wurden die Ladiner vom italienischen Komitee nicht in die Organisation der Spiele einbezogen. Deshalb haben sie in ihren Tälern ihre Flagge gehisst, um ausländische Journalisten auf sich aufmerksam zu machen. Zardini betont, dass ein kleiner Hinweis des italienischen Olympia-Komitees genügt hätte, um die Rolle ihres Volkes in der Region sichtbar zu machen. Da dies jedoch nicht geschah, haben sie selbst ein kleines Wörterbuch mit allen olympischen Begriffen in mehreren Sprachen erstellt, darunter auch Ladinisch - als Zeichen ihrer Präsenz.

Ladinische Gemeinde in Cortina

Blau-weiß-grüne Flaggen weisen auf die ladinische Gemeinde in Cortina hin. Sie nutzt Olympia, um Aufmerksamkeit auf ihre Werte zu lenken, etwa die Bewahrung der Natur sowie die ladinische Sprache.

17.02.2026 | 2:03 min

Große Bühne zum Grande Finale

Zum Abschluss der XXV. Olympischen Winterspiele bietet die Arena von Verona der klassischen Kunst eine große Bühne. Eine zentrale Rolle übernimmt dabei der italienische Star-Tänzer Roberto Bolle, der bereits 2006 in Turin die Spiele eröffnet hatte. Er fühle sich dem olympischen Geist verbunden, so Bolle gegenüber der ZDFheute.

Sein Auftritt in Verona zeigt den Anspruch des Gastgeberlandes, Sport als Teil eines umfassenden kulturellen Ereignisses zu präsentieren. Italien sei nach Russland und Frankreich eines der Heimatländer des klassischen Balletts, so Bolle. "Tanz kann wirklich jedem helfen. Alle können von der Interaktion zwischen Bewegung und Musik profitieren. Das ist sehr wichtig für die Jugendlichen von heute" - einer Generation, die oft auf ihr Smartphone schaue.

Was bleibt, sind nicht nur Medaillenspiegel und Rekorde. Die Athleten ziehen weiter, doch die Region bleibt: mit ihrer Kultur, ihrem Handwerk und den Menschen, die dieses Weltereignis möglich gemacht haben.

Über dieses Thema berichtete die Sendung Heute in Europa am 19.02.2026 um 16 Uhr.

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