Nepal: Dammbruch schürt Angst vor neuer Sturzflut

Dammbruch in Nepal:Angst vor neuer Welle: "Einwohner schrien und rannten los"

|

Im Flut-Katastrophengebiet zwischen Nepal und China ist offenbar ein Damm gebrochen - die Angst vor einer Sturzflut wächst. Die Rettungsarbeiten wurden vorübergehend gestoppt.

Sturzflut im Himalaya

Zwei Tage nach der Sturzflut an Nepals Grenze zu China ist die Zahl der Vermissten weiterhin unklar. Bislang sind 472 Opfer bestätigt. Die Identifizierung der Toten ist laut Polizei schwierig.

28.08.2026 | 1:27 min

Im Flut-Katastrophengebiet zwischen Nepal und China sorgt eine Warnung vor einer möglichen neuen Flut für Unruhe. "Wir haben Informationen erhalten, dass auf der tibetischen Seite ein Damm gebrochen ist", teilte die nepalesische Polizei mit.

Das Sicherheitspersonal, Rettungskräfte und die Bevölkerung in der betroffenen Gegend seien gebeten worden, wachsam zu bleiben und sich unverzüglich an einen sicheren Ort zu begeben, hieß es. Laut Berichten unter Berufung auf die Armee stellten die nepalesischen Rettungskräfte vorübergehend die Arbeit ein. Auch die Rettungskräfte auf der chinesischen Seite in Tibet zogen sich laut Staatsmedien vorübergehend in sichere Gebiete zurück.

ZDF-Korrespondentin: Militär räumte "plötzlich das Flussufer"

Die Lage im nepalesisch-tibetischen Grenzgebiet sei äußerst angespannt, berichtet ZDF-Korrespondentin Miriam Steimer aus der von der Flut schwer zerstörten Stadt Bidur. Das Militär habe "plötzlich das Flussufer geräumt" und die Einheimischen aufgefordert, einen Berg hoch zu laufen, so Steimer. Die Reaktion der Anwohner habe gezeigt, wie groß die Angst vor einer erneuten Welle sei: "Sie schrien und rannten los."

Hintergrund der erneuten Welle sei wahrscheinlich das angestaute Wasser auf tibetischer Seite, so Steimer. Dort hätten sich schon am gestrigen Tag mehrere Kubikmeter Wasser angestaut. "Und diese Stauung soll jetzt übergelaufen sein."

ZDF-Korrespondentin Miriam Steimer berichtet aus Nepal

In Nepal sorgt eine Warnung vor einer möglichen neuen Flut für Unruhe. Das Militär habe ein Flussufer geräumt, die Angst bei Einheimischen sei groß, so ZDF-Korrespondentin Miriam Steimer.

28.08.2026 | 1:13 min

Sorge wegen Lage an aufgestautem See

Das Überlaufen eines durch Geröllmassen aufgestauten Sees an der Grenze zwischen Nepal und China hatte bereits am Donnerstag für Bedenken bei den chinesischen Behörden gesorgt, weil dort bereits zwei Millionen Kubikmeter Wasser eingeflossen seien und weiteres Wasser eindringe. Chinas Staatschef Xi Jinping sagte bei einer Sitzung der Kommunistischen Partei, die Stabilität am See müsse eng beobachtet werden.

Infokarte: Nepal

Lage des Kastastrophengebiets im Himalaya.


Prognosen des chinesischen Wasserministeriums zufolge könnten die Zuflüsse zu dem See angesichts anhaltender Regenfälle in den nächsten drei Tagen rund drei Millionen Kubikmeter erreichen, wie chinesische Medien am Freitag berichteten. Das erhöhe das Risiko eines Dammbruchs, durch den Wassermassen flussabwärts strömen und weitere Schäden verursachen könnten.

Flutwelle verwüstet Dörfer - nach wie vor Hunderte Menschen vermisst

Die Flut-Katastrophe war am Mittwoch durch den Einsturz eines Gletschers ausgelöst worden. Die Zahl der bestätigten Todesopfer in Nepal stieg am Freitag auf 472, nachdem China bislang 3 Opfer vermeldet hatte. Fast 1.000 weitere Menschen werden in Nepal und Tibet noch vermisst. Polizeisprecher Abi Narayan Kafle sagte der Deutschen Presse-Agentur:

Es wird noch einige Zeit dauern, bis wir einen vollständigen Überblick über die Vermissten haben, da wir derzeit noch kein klares Bild haben.

Polizeisprecher Abi Narayan Kafle

Nach dem Gletschereinsturz hatte sich eine gewaltige Lawine aus Geröll, Eis und Schlamm durch die Flusssysteme des Himalayas ergossen. Das Geröll bildete in der Folge einen natürlichen Staudamm, der nun die flussabwärts gelegenen Ortschaften bedroht.

Die Flutwelle verwüstete Dörfer und Täler und zerstörte Kraftwerke, Straßen und Brücken auf der Strecke zwischen Kathmandu und Lhasa in Tibet, die bei Wanderern und Pilgern beliebt ist. Unter den Vermissten befinden sich mindestens 540 Ausländer, darunter laut nepalesischen Angaben auch acht Deutsche. Das Auswärtige Amt in Berlin wollte diese Zahl bislang nicht bestätigen.

Schlammlawine in Nepal

Nach der Sturzflut in Nepal werden laut Behörden mindestens acht Deutsche vermisst, Behörden vor Ort sprechen von über 800 vermissten Ausländern. Bislang wurden 165 Tote geborgen.

27.08.2026 | 4:06 min

Dutzende Leichen geborgen

Zuvor hatten nepalesische Rettungsteams Hubschrauber eingesetzt, um nach Überlebenden zu suchen und Hilfsgüter für Tausende von der Außenwelt abgeschnittene Menschen abzuwerfen.

Einsatzkräfte bargen zudem Dutzende Leichen im Flachland. "Alle meine Angehörigen sind weg. Sie sind tot", sagte Dibga Tamang, die am Donnerstag aus Rasuwa gerettet worden war.

Ich habe niemanden mehr, der auf mich wartet. Alles und jeder ist weg. Es ist vorbei.

Dibga Tamang, gerettete Einwohnerin aus Rasuwa

Laut Polizeiangaben wurden Dutzende Leichen noch nicht identifiziert, auch weil viele Körper von der gewaltigen Wucht der reißenden Sturzflut aus Wasser, Schlamm und Geröll völlig entstellt oder in Teile gerissen wurden.

Spendenaufruf ZDF Notfallhilfe Nepal

Spendenaufruf ZDF: Notfallhilfe Nepal

Quelle: ZDF
Quelle: Reuters, dpa, ZDF
Über dieses Thema berichteten verschiedene Sendungen, unter anderem das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 28.08.2026 ab 05:30 Uhr sowie die heute Xpress am 28.08.2026 ab 9:00 Uhr.
Thema

Mehr zu Nepal

  1. Polizeikräfte retten am 27. August 2026 im nepalesischen Distrikt Nuwakot (Trishuli) eingeschlossene Bewohner aus einem von Schlamm verschütteten Haus.
    Liveblog

  2. Sturzflut in Nepal

    Gründe für die Katastrophe:Wie es zu der verheerenden Sturzflut in Nepal kam

    mit Video0:32

  3. Menschen beobachten von einem Hausdach aus die von Schlamm überfluteten Häuser nach Sturzfluten in Trishuli im nepalesischen Distrikt Nuwakot am 27. August 2026.

  4. Schlammlawine in Nepal

    Sturzflut an Grenze zu China:Nepal: Hunderte Touristen vermisst - Dutzende Tote

    mit Video2:46