Mehr als acht Tonnen in Wilhelmshaven:Riesen-Kokainfund: Wie die Schmuggler in die Falle tappten
von Theresa Freund
Zollfahnder machen in Wilhelmshaven einen der größten Kokainfunde der vergangenen Jahre: mehr als acht Tonnen. Zwei Hintermänner werden durch ein Täuschungsmanöver gefasst.
Dem Zoll gelingt in Wilhelmshaven einer der größten Kokainfunde der vergangenen Jahre: Mehr als acht Tonnen mit einem geschätzten Straßenverkaufswert von rund 500 Millionen Euro.
03.06.2026 | 0:28 minDem deutschen Zoll ist in Wilhelmshaven ein Schlag gegen die internationale Rauschgiftkriminalität gelungen. Mehr als acht Tonnen der Droge mit einem geschätzten Straßenverkaufswert von rund 500 Millionen Euro wurden sichergestellt, wie die Generalzolldirektion in Köln und die Staatsanwaltschaft Aurich an diesem Mittwoch mitteilten.
Der Fund im Jade-Weser-Port blieb aus ermittlungstaktischen Gründen bisher geheim und wurde bereits am 9. Februar gemacht. Die anschließende internationale Zusammenarbeit bei den Ermittlungen führte im Mai schließlich zur Festnahme von zwei Hintermännern in Spanien.
Durchleuchtung von Container aus Sierra Leone
Das Kokain fanden die Zollbeamten bei der Durchleuchtung eines Containers auf einem Schiff aus Sierra Leone. Dieses war in Wilhelmshaven lediglich auf der Durchreise - der Container wurde aber überprüft, da Westafrika ein bekannter Umschlagsort des Rauschgifthandels ist, vor allem für Kokain aus Südamerika.
24 zerstörte Drogenlabore, 85 Festnahmen, Tonnen an beschlagnahmter Ware: Europol ist nach jahrelangen Ermittlungen ein schwerer Schlag gegen den Handel mit synthetischen Drogen gelungen.
21.01.2026 | 1:44 minDabei gelang dem Zoll ein Volltreffer: Anstelle von Säcken voller Kakaobohnen fanden die Beamten 400 Pakete Kokain - in jedem von ihnen waren rund 20 hartgepresste Kokainblöcke. Die Täter hatten die Pakete mit GPS-Sendern versehen, um den Standort der Fracht jederzeit überwachen zu können.
Der Fund gehört zu den größten der letzten Jahre und übersteigt die Gesamtmenge des im Jahr 2025 sichergestellten Kokains.
"So viel Kokain birgt ein großes Risiko", sagt Monika Dennhart, Leiterin des Zollfahndungsamts Hannover, und erläutert das weitere Vorgehen der Beamten nach dem Fund:
Wir wollten unter allen Umständen verhindern, dass die international agierende Organisierte Kriminalität versucht, wieder in den Besitz des Kokains zu kommen.
Monika Dennhart, Leiterin Zollfahndungsamt Hannover
Bei dieser riesigen Menge Kokain sei anzunehmen, "dass die Gegenseite genau das versucht, wenn sie erkennt, dass die Ermittlungsbehörden darauf Zugriff genommen haben".
Beim größten Einsatz gegen synthetische Drogen hat Europol in mehreren Ländern 24 Drogenlabore ausgehoben. 85 Verdächtige wurden festgenommen, darunter die mutmaßlichen Anführer des Drogenrings.
21.01.2026 | 0:27 minKokainschmuggler mit Sandpaketen getäuscht
Darum ging die Reise des Containers erstmal wie geplant nach Spanien weiter. Statt des - in Deutschland vernichteten - Kokains enthielten die Pakete nun Sand und GPS-Tracker des Zolls. Täuschend echt verpackt, sodass die Täter den Zugriff des Zolls bis zuletzt nicht entdeckten. Gleichzeitig liefen gemeinsam mit den spanischen Behörden die Ermittlungen zu den Hintergründen des Drogenschmuggels.
Nach der Ankunft des Containers in Barcelona am 12. März hieß es abwarten, denn die Täter ließen sich mit dem Abholen ihrer Ware Zeit. Dies sei vermutlich eine Vorsichtsmaßnahme gewesen, die auf ein geringes Durchhaltevermögen der Behörden spekulierte, so Dennhardt. Wie nah die Ermittler ihnen bereits auf der Spur waren, ahnten die Täter nicht.
US-Präsident Trump hat die Staaten Lateinamerikas zu einem härteren Vorgehen gegen Drogenkartelle aufgerufen und sicherte US-Unterstützung zu. 17 Länder gründeten daraufhin eine Militärkoalition.
08.03.2026 | 0:19 minMehrere Monate auf Abholung des Containers gewartet
Der Leiter des Zollkriminalamts, Tino Igelmann, betont: "Von der Sicherstellung bis zur Festnahme der Hauptverdächtigen in Spanien vergingen mehrere Monate." In dieser Zeit habe es natürlich eine besondere Geheimhaltung geben müssen. "Nach meiner Einschätzung haben die Täter die Beharrlichkeit der Ermittlungsbehörden in Spanien und Deutschland erheblich unterschätzt."
Nach zwei Monaten verließ der Container schließlich den Hafen. Das Ziel war eine Lagerhalle im spanischen Almería. Dort verhafteten die spanischen Behörden zwei Männer. Einer von ihnen war bereits zuvor durch den Handel mit Kokain bekannt. Die Beschuldigten sitzen nun in Untersuchungshaft. Ihnen drohen mehrjährige Haftstrafen.
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09.04.2026 | 0:15 minDie Sicherstellung des Kokains und die anschließenden Festnahmen sei ein Erfolg in der Bekämpfung des internationalen Rauschgifthandels, so Dennhardt.
Wir haben bewiesen, dass das europäische Netzwerk des Zolls funktioniert und dass sich die Täter eben nicht hinter den Ländergrenzen verschanzen können und uns dort unsere Arbeit dann vereiteln.
Monika Dennhart, Leiterin Zollfahndungsamt Hannover
Finanzminister Klingbeil lobt Zugriff
Das würdigte heute auch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil, der den Zugriff als harten Schlag gegen den internationalen Drogenhandel bezeichnete und den Einsatzkräften dankte. Das Finanzministerium legte bereits im Februar gemeinsam mit dem Innenministerium und dem Justizministerium einen Aktionsplan gegen Organisierte Kriminalität vor.
Dieser soll die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch der Behörden verbessern. Unter anderem sollen Zoll und Kriminalpolizei zukünftig in einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe die internationale Rauschgiftkriminalität bekämpfen.
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