Haltungskosten steigen :Was tun, wenn die Liebe zum Haustier unbezahlbar wird?
von Svenja Dohmeyer
Tierarzt, Futter, Versicherung: Für viele Halter wird das Leben mit Hund oder Katze immer teurer. Tiertafeln und Tierheime warnen davor, dass Haustiere zum Luxusgut werden.
Für Menschen mit wenig Einkommen oder in finanziellen Notlagen kann eine Tierarztrechnung schnell unbezahlbar werden. Einige Unterstützungsangebote können helfen.
Quelle: dpaDie Erleichterung steht Andrea Fraustein ins Gesicht geschrieben. Beim Spaziergang trabt ihre Hündin Bailey munter neben ihr her. Dabei musste die 4-jährige Elo-Hündin erst vor wenigen Tagen notoperiert werden. Sie hatte Rattengift gefressen und drohte innerlich zu verbluten. Doch die Tierärzte konnten sie retten. Kostenpunkt: rund 5.000 Euro.
"Wenn ich die Nachversorgung mitrechne, landen wir am Ende bestimmt bei 7.000 Euro. Das ist schon ein Wahnsinnspreis", sagt Andrea Fraustein.
- Futter, Tierarztkosten und Co: Wer hilft Tierhaltern in Not?
Die 55-Jährige hat ihre Hündin zum Glück gut versichert und wird die Kosten nicht selbst tragen müssen. Doch trotzdem greift Baileys Frauchen für ihren Liebling jeden Monat tief in die Tasche: Versicherung, Steuer, Futter, Tierarzt, Medikamente, Spielzeug und Hundeschule summieren sich auf rund 260 Euro.
Haustiere gelten längst als Familienmitglieder. Warum Halter mehr Geld für Hunde und Katzen ausgeben, wie Unternehmen gezielt Bedürfnisse schaffen – und warum teuer nicht automatisch besser ist.
11.05.2026 | 7:42 minKosten für Haustiere für viele nicht bezahlbar
Für viele nicht zu bezahlen. In zahlreichen Städten unterstützen Tiertafeln die finanziell Schwächsten der Gesellschaft mit Futterspenden. Der Bedarf wächst, beobachtet Yvonne Wilke. Vor einem Jahr versorgte sie mit ihrer Braunschweiger Tiertafel etwa 14 Tierhalter, heute sind es rund 100 Haushalte mit etwa doppelt so vielen Tieren. Es dürfe nicht sein, dass Tiere zum Luxusgut werden.
Das ist oft der letzte Anker, den die Menschen haben. Der Grund, morgens aufzustehen und rauszugehen. Gerade bei älteren oder kranken Menschen, die sehr vereinsamt sind, ist es die Familie.
Yvonne Wilke, Tiertafel Braunschweig
Die Deutschen lieben ihre tierischen Freunde: Laut Zentralverband der Heimtierbranche lebt in 43 Prozent der Haushalte mindestens ein Tier. Mit mehr als 15 Millionen Samtpfoten rangiert die Katze auf Platz 1 der beliebtesten Haustiere, gefolgt von rund 10 Millionen Hunden.
Tierarztkosten können zu einer finanziellen Herausforderung werden. Wir sprechen mit Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund über Unterstützungen für Tierhalter in finanziellen Notlagen.
06.03.2026 | 5:47 minTierheime bundesweit am Limit
Viele Halter unterschätzen jedoch wieviel Zeit, Geld und Verantwortung ein Tier bedeutet. Bundesweit sind Tierheime nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes mit ihren Kapazitäten am Limit. Auch das Tierheim Hannover ist voll bis unters Dach und bekommt den finanziellen Druck der Menschen zu spüren.
"Wir bekommen immer häufiger Anfragen von Haltern, die verzweifelt sind, weil sie sich die tierärztliche Versorgung nicht mehr leisten können", berichtet Leiterin Ute Possekel.
Der Deutsche Tierschutzbund verklagt die Bundesregierung. Grund dafür seien überfüllte Tierheime und marode Gebäude. Der Staat müsse mehr investieren.
22.05.2026 | 1:44 minTierärzte bekommen den Druck zu spüren
Die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) war im November 2022 per Bundesgesetz erhöht worden. Tierärzte entscheiden dabei je nach Umfang und Schwierigkeitsgrad der Behandlung, ob sie den einfachen bis dreifachen Satz abrechnen. Im organisierten Notdienst ist der vierfache Satz erlaubt.
Die Höhe der Tierarztrechnung ist seitdem für mehr Halter ein Thema, bestätigt Christiane Bärsch, Geschäftsführerin der Tierarztpraxis Zuckerhaus und Präsidentin der Tierärztekammer Niedersachsen. Auch ihre Angestellten sehen sich in der Praxis häufiger Diskussionen ausgesetzt, die nicht gerade freundlich verliefen. Dennoch hält sie die Anpassung für gerechtfertigt.
Ob als Haustier, im Internet oder in der Kunst – Katzen sind allgegenwärtig und sorgen bei vielen für eine große Faszination. In Hamburg beschäftigt sich nun eine Ausstellung mit den Samtpfoten.
06.12.2025 | 1:32 minVersicherungen können helfen, decken aber nicht alle Kosten
So seien die Ausgaben für die Praxen deutlich gestiegen. Höhere Mieten, Energie- und Verwaltungskosten sowie gestiegene Löhne für ihre Angestellten müsse sie über die Einnahmen ebenso abdecken wie verbesserte medizinische Möglichkeiten, neue Medikamente und Fortbildungen. Sie rät den Haltern mindestens eine OP-, besser noch eine Vollversicherung abzuschließen.
Wenn dann Kunden zu mir sagen: 'Das ist aber ganz schön teuer, das kann ich mir nicht leisten', dann sag ich ehrlicherweise: 'Dann können Sie sich auch die Tierhaltung nicht leisten, denn diese Kosten können dann auf einmal auf Sie zukommen und wer soll dann das übernehmen?'
Christiane Bärsch, Präsidentin der Tierärztekammer Niedersachsen
Der Markt für Tierkrankenversicherungen ist riesig. Impfungen, Zahnbehandlungen und Medikamente sind in der Regel nicht enthalten. Außerdem können bereits kranke oder ältere Tiere von Versicherern abgelehnt werden. Wer sich ein Haustier anschafft, sollte sich vorab gut informieren.
Svenja Dohmeyer ist Reporterin im ZDF-Studio Niedersachsen.
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