Haustiere als Milliardenmarkt: Warum die Pet Economy boomt

Die Pet Economy:Wie die Liebe zum Haustier für einen Milliarden-Markt sorgt

von Hannah Koch

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Anti-Aging-Futter, Osteopathie, Versicherung: Haustiere werden immer mehr vermenschlicht. Davon lebt ein Milliardenmarkt, auch weil viele Halter nichts falsch machen wollen.

In einem gut sortierten Fachgeschäft für Haustiere steht ein kleiner Hund im Vordergrund. Hinter ihm befinden sich mehrere Regale mit verschiedenem Zubehör wie Futternäpfen, Leinen, Spielzeugen und Transporttaschen in unterschiedlichen Farben und Größen.

Haustiere gelten längst als Familienmitglieder. Warum Halter mehr Geld für Hunde und Katzen ausgeben, wie Unternehmen gezielt Bedürfnisse schaffen - und warum teuer nicht automatisch besser ist.

11.05.2026 | 7:42 min

In Deutschland leben über 38 Millionen Haustiere, darunter rund 10,5 Millionen Hunde und rund 15,9 Millionen Katzen. Der Markt wächst deshalb vor allem dort, wo Halter pro Tier mehr ausgeben: bei Tiermedizin, Versicherung oder Bestattung.

Warum der Markt wächst

Renate Ohr, emeritierte Professorin der Universität Göttingen, beziffert in ihrer aktuellen Studie die Ausgaben der Deutschen für Heimtiere im Jahr 2024 auf mehr als 18 Milliarden Euro. Die Studie wurde vom Industrieverband Heimtierbedarf unterstützt. Der Markt profitiert davon, dass in den vergangenen Jahren besonders zur Corona-Zeit mehr Tiere in die Haushalte gekommen sind.

Volkswirtin Ohr nennt weitere Gründe für den Boom: gestiegener Wohlstand, kleinere Haushalte, mehr Singles und ältere alleinlebende Menschen. Haustiere übernehmen eine neue soziale Rolle. Vor allem Hunde und Katzen gelten zunehmend als Familienmitglieder.

Für Unternehmen ist diese Bindung entscheidend: Je wichtiger das Tier, desto größer ist die Bereitschaft, Geld auszugeben.

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Wenn teuer hochwertig wirken soll

Besonders sichtbar wird das beim Futter. 2024 gaben die Deutschen laut Ohrs Studie mehr als 7,5 Milliarden Euro für Heimtiernahrung aus - über 40 Prozent davon für Hunde. Diese Summe ist fast doppelt so hoch wie 2014. Das Angebot wird spezieller: teures Futter und Zusätze für bestimmte Rassen, empfindliche Mägen, Anti-Aging oder glänzendes Fell.

Ergänzungsfutter mache in Kombination mit Rohfleisch für Hunde und Katzen Sinn, ordnet Tierärztin Susan Kröger ein, bei ausgewiesenem Alleinfutter brauche man das dagegen nicht. Nicht alle Werbeaussagen würden zwangsläufig halten, was sie versprechen. Kröger betont: "Der Begriff Premiumfutter ist nicht geschützt."

Viele Halter könnten schwer beurteilen, was wirklich gut ist, erklärt Marketing-Experte Jan Landwehr den Mechanismus: "Dann wird der Preis zum Signal: teuer gleich hochwertig." Genau das könne täuschen.

Unternehmen setzen Preise nicht nach Herstellungskosten, sondern danach, was Kunden bereit sind zu zahlen.

Prof. Dr. Jan Landwehr, Professor für Marketing, Goethe-Universität Frankfurt am Main

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Auch Zubehör wird zum Geschäft

Nicht nur beim Futter wird das Angebot vielfältiger. Im stationären Handel wurden 2024 mit Zubehör mehr als 1,1 Milliarden Euro umgesetzt.

Soziale Netzwerke verstärken den Trend. Dort zeigen Halterinnen und Halter, welche Fellbürste oder welches Spielzeug den Hund glücklich macht.

Landwehr sieht im Social-Media-Trend einen Vorteil für Unternehmen: "Influencer können Aussagen treffen, die in klassischer Werbung stärker reguliert sind, besonders bei Gesundheitsversprechen."

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Gesundheit wird zum Wachstumsfeld

Der Gesundheitsbereich wächst besonders stark. Die Ausgaben für Tierkrankenversicherungen haben sich seit 2013 auf über 700 Millionen Euro versiebenfacht, die für tiermedizinische Behandlungen auf über vier Milliarden Euro verdoppelt. Ein Grund sind die gestiegenen Tierarztkosten seit 2022. Zugleich werden häufiger Behandlungen aus der Humanmedizin genutzt: MRT, CT, Operationen oder Osteopathie.

Das Haustier wird für viele Menschen immer mehr zum geliebten Familienmitglied und entsprechend versorgt. Das endet nicht bei Futter, Zubehör oder Vorsorge, sondern reicht bis zum Abschied. Immer mehr Hunde- und Katzenhalter wollen ihr Tier laut Ohr einäschern lassen und die Urne mit nach Hause nehmen. Auch daraus entsteht ein Markt - getragen vom Wunsch, bis zuletzt alles richtig zu machen.

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Über dieses Thema berichtete WISO am 11.05.2026 ab 19:25 Uhr.

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