Streit um Nahost-Aktivistin:Regisseure verweigern Grimme-Online-Preis
Die zurückgenommene Auszeichnung einer Nahost-Aktivistin sorgt beim Grimme-Online-Award für einen Eklat: Zwei Preisträger lehnen ihren Preis ab - und fordern eine Aufarbeitung.
Die Regisseure Moritz Riesewieck und Hans Block verweigerten ihre Grimme-Auszeichung am Mittwochabend.
Quelle: dpaDie seit Wochen umstrittene Aberkennung einer Ehrung für die junge Nahost-Aktivistin Judith Scheytt hat für einen Eklat beim Grimme-Online-Award gesorgt.
Zwei Preisträger der Auszeichnung für Netzjournalismus, die Regisseure Moritz Riesewieck und Hans Block, nahmen den Preis am Mittwochabend bei der Gala-Veranstaltung nicht an. Die Regisseure sollten einen Sonderpreis für ihren Report "Eternalyou" über KI-generierte Angebote zur fiktiven Kommunikation mit Verstorbenen bekommen.
Neben dem Sonderpreis wählte die GOA-Jury aus 26 nominierten Beiträgen acht weitere Formate aus. Der Festakt zum 25. GOA fand erstmals im ehemaligen Colosseum-Musical-Theater in Essen statt.
Im Mittelmeer sind Schiffe der privaten Gaza-Hilfsflotte von Israel gestoppt worden. Greta Thunberg und andere Aktivisten wurden im Anschluss an Land gebracht.
02.10.2025 | 0:26 minPreis bleibt auf Rednerpult stehen
Wir hoffen auf eine reflektierte Aufarbeitung, damit wir weiter an diesen Preis glauben können.
Moritz Riesewieck, Regisseur
"Solange wir das nicht können, stellen wir diesen Preis hier hin und hoffen, uns vielleicht irgendwann wiederzusehen und uns irgendwann wieder richtig zu freuen", sagte Riesewick und stellte den Preis auf das Rednerpult. Dann verließen beide die Bühne. Ein Grimme-Mitarbeiter nahm den Preis an sich.
In Israel haben am Abend mehr als 30.000 Menschen an die Opfer des Hamas-Terrors vor zwei Jahren erinnert. Organisiert wurde die Gedenkfeier von Familien der israelischen Geiseln.
08.10.2025 | 1:42 minDie Ehrung für Scheytt hatte nicht das Grimme-Institut, sondern der vom Institut unabhängige Förderverein "Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises" ausgesprochen.
Als Kritik und Antisemitismus-Vorwürfe gegen Scheytt laut geworden waren, hatte der Förderverein die Ehrung aber wieder zurückgenommen, obwohl Teile der Jury dem widersprachen. Das sorgte für heftige Proteste, die sich auch gegen das Grimme-Institut selbst richteten.
Mehr als 100 Schulen haben sich für den Deutschen Schulpreis 2025 beworben. Am Ende konnte sich eine Berliner Schule als Siegerin durchsetzen und erhielt 100.000 Euro.
30.09.2025 | 1:36 minGrimme-Chefin Uzunoğlu verspricht "offene Debatte"
Die neue Grimme-Chefin Çiğdem Uzunoğlu hatte den Konflikt zu Beginn des Festaktes selbst angesprochen. Die Entscheidung des Vereins zur Aberkennung sei "formal betrachtet ein Fehler", sagte sie.
Das Institut habe auf den Vorgang keinerlei Einfluss genommen. Sie wolle nun eine offene Debatte zu dem Thema führen, versprach sie. Die Unabhängigkeit von Jurys werde bei Grimme ohne Ausnahmen respektiert. Uzunoğlu kündigte außerdem an, dass das Institut sich künftig organisatorisch vom Förderverein komplett trennen werde.
Die Ankündigung von Uzunoğlu reiche nicht aus, sagte Block. Die Aberkennung der Ehrung sei ein massiver Angriff auf die Unabhängigkeit einer Juryentscheidung durch Druck von Außenstehenden. Die Grimme-Chefin habe sich demgegenüber versteckt, warf Riesewieck ihr vor.
Israel und die Hamas konnten sich auf die Umsetzung vom Anfang des Friedensplans von US-Präsident Trump einigen. Die Geiseln sollen freikommen und Israels Armee sich zurückziehen.
09.10.2025 | 1:34 minPreise für Angebote zu Gesundheit und Lifestyle
Unter den weiteren ausgezeichneten Online-Angeboten befassen sich mehrere mit Themen rund um Gesundheit, Lifestyle und Ernährung. Den GOA erhielten etwa der Instagram-Kanal "Little Monsters" (WDR) zum Trend-Thema mentale Gesundheit.
Ausgezeichnet wurde auch der TikTok-Kanal "Know & Grow" (SWR für funk). Mit aufwendig produzierten Videos würden Fitness- und Gesundheitsmythen entlarvt. Das Angebot erreiche eine Zielgruppe, an die klassische Medien kaum noch herankommen, teilte die Jury mit.
Einen weiteren Preis erhielt der Instagram-Kanal "Gynaekollege" des Arztes und Journalisten Mertcan Usluer. Er bietet Aufklärung über den menschlichen Körper, insbesondere zum Thema "gynäkologische Gesundheit".
Auszeichnungen gingen an den Instagram-Kanal "Femizide stoppen", der Morde an Frauen dokumentiert, und an das Social Media-Angebot "Barrierebrecher" - einer Gruppe von Menschen mit Behinderung. Sie nutzten die Möglichkeiten des Internets "um hautnahe und aufrüttelnde Einblicke in den Alltag von Menschen mit verschiedensten Behinderungen zu geben", lobte die Jury.
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