Behörden unterschätzen Gefahr: Fightclub-Netzwerk in Deutschland

Behörden unterschätzen Gefahr:Das Fightclub-Netzwerk in Deutschland

von Marcel Siepmann

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Bei Underground-Fightclubs kämpfen auf YouTube auch Hooligans und Neonazis vor einem Millionenpublikum. In Deutschland bleibt der Trend von den Behörden weitestgehend unbeachtet.

Das Fightclub-Netzwerk": Montage: Im Vordergrund liegt eine Kampfszene, in der ein in Mann mit geballter Faust beabsichtigt, einen liegenden Mann zu schlagen. Im Hintergrund befindet sich ein düsterer Raum mir roten Lichtpunkten. Dazwischen liegt die Abbildung eines tätowierten Rückens mit Nazisymbolik.

Auf YouTube prügeln sich Nazis und Hooligans bei "King of the Streets". Sie zeigen ihre Gesinnung bei brutalen Kämpfen. Wie gefährlich ist die Szene, die niemand im Griff zu haben scheint?

19.08.2026 | 28:45 min

Eines der erfolgreichsten Formate der Kämpfe im Untergrund ist der Fightclub "King of the Streets", kurz "K.O.T.S.", aus Schweden. Zwischen Bauzäunen und auf Betonboden treten dort seit Jahren Männer in alten Industriehallen oder Tiefgaragen gegeneinander an und lassen sich dabei filmen.

Bei den Kämpfen ist laut Veranstaltern alles erlaubt. Einige Kämpfer drücken dem Gegner in die Augen oder schlagen weiter auf ihn ein, wenn der schon am Boden liegt. Viele Videos erreichen bei YouTube Millionen Klicks.

Fightclub zur Bewegung stilisiert

Inzwischen wird in ganz Europa und an immer ausgefalleneren Orten gekämpft: Laut Recherchen von "Die Spur" waren darunter eine Eishockey-Halle in Schweden, ein Filmstudio in Frankreich und ein Hafengelände in Deutschland. "K.O.T.S." soll laut Recherchen von "Die Spur" aus der schwedischen Hooliganszene kommen und will mehr sein als nur ein Kampfsportformat.

Die Macher stilisieren den Fightclub zur Bewegung und wähnen sich im Abwehrkampf in einem vermeintlichen Krieg gegen Männlichkeit. Streetfighter und Hooligans treffen hier unter anderem auf gewaltbereite Rechtsextremisten. Das bekannteste Beispiel ist der Neonazi Tomasz aus Frankreich, Chef des rechtsextremen Labels "Pride France". Bei dem Fightclub stellt er seine Hakenkreuz-Tätowierungen offen zur Schau und wird dafür von Rechtsextremisten aus ganz Europa gefeiert.

Treffpunkt für Streetfighter, Hooligans und Rechtsextreme

Regelmäßig warnt das Bundesamt für Verfassungsschutz vor der Vernetzung von Hooligans und Rechtsextremisten im Kampfsport. Sie trage zur Professionalisierung der gewaltbereiten Szenen bei und biete ein zunehmendes Rekrutierungspotenzial besonders unter jungen Männern.

Auf Anfrage von "Die Spur" heißt es allerdings, bei "K.O.T.S." handele es sich "nicht um ein extremistisches Kampfsportformat" sondern um ein Format, bei dem "auch Kämpfer mit extremistischer Ideologie" angezogen würden. Weitestgehend unbeachtet von den deutschen Behörden scheint der Fightclub-Trend bereits in Deutschland angekommen zu sein.

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Häftling Kopf hinter den Kämpfern

Einer der wohl bekanntesten deutschen Kämpfer bei "K.O.T.S." ist Tom Neubert. Er präsentiert sich als Teil des Teams hinter King of the Streets. Und das, obwohl er in Nordrhein-Westfalen seit 2023 eine siebenjährige Haftstrafe wegen räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung absitzt. Im offenen Vollzug hatte er regelmäßig Freigang und scheint sich laut Recherchen von "Die Spur" weiter für den Fightclub engagiert zu haben.

Im August 2024 feiert er im Internet einen Kampf, der in Deutschland stattgefunden hat.

Es ist ein überwältigendes Gefühl, dass es @king.of.the.streets hier bis nach Deutschland geschafft hat.

Tom Neubert, Kämpfer und Häftling

Das schreibt Neubert auf Instagram. In einem Video auf YouTube erklärt er, dass er im Vorfeld an dem Event mitgewirkt habe.

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Kampf in Essen von Polizei unbemerkt

Über einen Abgleich von Bildern kann das Rechercheteam von "Die Spur" feststellen, dass der Kampf offenbar in Essen stattgefunden hat. Weder die Essener Polizei noch die verantwortliche Justizvollzugsanstalt haben davon offenbar etwas mitbekommen.

Auf Anfrage teilt das Justizministerium in Nordrhein-Westfalen mit, dass die Vollzugsgestaltung des Gefangenen aufgrund des Hinweises überprüft worden sei. Inzwischen sei der Freigang von Neubert aufgehoben worden. Auf Anfragen von "Die Spur" hat er bislang nicht reagiert.

Die Gefährlichkeit der Szene, die sich bei den Fightclubs trifft, scheinen die Behörden bislang zu unterschätzen. Kämpfe wie der in Essen finden hinter dem Rücken der Behörden statt. Die Essener Polizei schreibt, für Ermittlungen sei inzwischen zu viel Zeit vergangen. Einen Austausch mit der schwedischen Polizei habe es nicht gegeben. Die Kämpfer hingegen sind international bestens vernetzt.

Über diese Thema berichtet "Die Spur: Organisierte Gewalt: Das Fightclub-Netzwerk", am 19.08.26 um 22.45 Uhr

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