Nein, alte "Bild"-Meldungen widerlegen nicht den Klimawandel

Hitze in den 50ern und 70ern:Nein, alte "Bild"-Meldungen widerlegen nicht den Klimawandel

Oliver Klein

von Oliver Klein

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Alte "Bild"-Schlagzeilen aus den 50er- und 70er-Jahren sollen den Klimawandel widerlegen. Ein genauerer Blick zeigt: Die vermeintlichen Beweise halten einer Prüfung kaum stand.

Bild, Schlagzeile, 1975

Social-Media-Posting mit Schlagzeile der "Bild" von 1975.

Quelle: Screenshot X, 19. Juni 2026

Deutschland ächzt unter drückender Hitze - und in sozialen Medien werden wieder tausendfach Bilder alter Zeitungsschlagzeilen gepostet, die belegen sollen, dass es den Klimawandel so nicht gibt - weil es auch früher schon ähnlich heiß gewesen sei wie heute:

  • "37 Grad - es bleibt so heiß", titelte die "Bild"-Zeitung am 5. August 1975,
  • "40 Grad Hitze - jetzt wird das Wetter lebensgefährlich", hieß es bei "Bild" drei Tage später in der Bundesausgabe,
  • "56 Grad! Ganz Deutschland ein Brutofen!", titelte "Bild am Sonntag" am 7. Juli 1957.  

Unter etlichen der Postings steht der Zusatz, dass damals der Klimawandel "noch nicht erfunden" gewesen sei. "40 Grad schon 1975? Diese Schlagzeile bringt das Klima-Narrativ ins Wanken!", heißt es dazu gar beim rechtspopulistischen Boulevard-Portal "Exxpress".

Sind die Headlines der "Bild" echt? Was lässt sich daraus über den Klimawandel ableiten und was nicht? ZDFheute mit einem Faktencheck.

Die Sonne scheint hinter einem Thermometer, an dem eine Schwebefliege vorbeifliegt.

Nach dem bisher heißesten Wochenende des Jahres bleiben die Temperaturen weiter hoch. Besonders für ältere Menschen kann das zu einer Belastung werden.

22.06.2026 | 1:34 min

"Bild"-Schlagzeilen sind irreführend

Alle genannten "Bild"-Schlagzeilen sind echt. So findet man eine der Titelseiten etwa in einer Anzeige, in der die Zeitungen für Sammler angeboten werden, eine andere auf einer Archivseite. Auch der Axel-Springer-Verlag hat gegenüber Medien die Echtheit der Fotos bestätigt. 

Dennoch sind die Postings irreführend: So wurden etwa die 56 Grad im Juli 1957 nicht in der Luft, sondern im Inneren eines Uhrgehäuses gemessen. Das geht aus dem Text im Artikel hervor: "Bei 56 Grad im Gehäuse versagte die Bahnhofsuhr von Wanne-Eickel den Dienst", steht dort. Die höchste Temperatur, die jemals in Deutschland gemessen wurde, liegt bei 41,2 Grad. Aufgezeichnet wurde sie laut Deutschem Wetterdienst (DWD) 2019 in Duisburg-Baerl und Tönisvorst in Nordrhein-Westfalen.

Foto der Titelseite von "Bild am Sonntag" von Juli 1957

Irreführender Titel von "Bild am Sonntag" aus dem Jahr 1957: 56 Grad herrschten im Inneren eines Uhrgehäuses.

Quelle: Screenshot X (19. Juni 2026)

Die im Jahr 1975 von "Bild" genannten 40 Grad waren eine Prognose für die Stadt Essen. Das geht aus dem Artikel hervor: "Am Sonntag könnten es 40 Grad im Schatten werden", zitiert "Bild" einen Meteorologen.

Doch die Temperatur wurde damals nirgendwo in Deutschland erreicht, wie DWD-Daten zeigen: Am 10. August - dem Tag, an dem der Artikel erschien - und in den darauffolgenden sieben Tagen betrug die Höchsttemperatur in Deutschland 35,4 Grad, gemessen in Ahrensburg bei Hamburg. 40 Grad wurden in Essen erstmals am 25. Juli 2019 gemessen. Das bestätigen auch Wetterrückblick-Daten von Wetterkontor.

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Hitzephasen werden häufiger und länger

Obwohl es im August 1975 wirklich außergewöhnlich heiß war: Die Meldungen von damals widerlegen nicht, dass sich das Klima seitdem deutlich verändert hat. Der Vergleich zur aktuellen, frühsommerlichen Hitze hinkt allein schon deshalb, weil die Hitzewelle von 1975 im August war.

Klassische Hitzephasen - die sogenannten "Hundstage" - liegen üblicherweise zwischen Ende Juli und Ende August. Der Klimawandel sorgt dafür, dass ähnlich heiße Phasen nun häufiger und auch früher im Jahr auftreten können.

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Hitzetage, in denen die Temperaturen auf 30 Grad und mehr steigen, gab es natürlich auch schon früher. Die Frage ist aber: Wie oft? Wie lange und wie intensiv waren Hitzewellen im Vergleich zu heute? Ein Blick in Daten des DWD zeigt: Die Zahl der Tage, in denen es im Sommer über 30 Grad heiß war, ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich angestiegen. In den Jahren von 1951 bis 2000 gab es nur drei Sommer mit mehr als zehn solcher Hitzetage: 1976, 1994 und 1995.

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Immer mehr Hitzetage in Deutschland

Doch in den 25 Jahren seit der Jahrtausendwende gab es zwölf Sommer mit mehr als zehn Hitzetagen. Die meisten davon in der jüngsten Vergangenheit: Seit 2018 hatte bis auf eine Ausnahme jeder Sommer mehr als 10 solcher Tage. Spitzenreiter ist das Jahr 2018 mit rund 20 Hitzetagen im Durchschnitt - in Süddeutschland waren es örtlich sogar 35 Hitzetage, an der See waren es immer noch zehn.

Wo es die meisten Hitzetage gibt:

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In welchen Bundesländern gibt es in Deutschland die meisten heißen Tage? Vor allem im Osten und Süden steigt das Thermometer über 30 Grad.

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Der DWD, die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik und das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz stellten 2020 in einer gemeinsamen Auswertung fest, dass die Sommer in Deutschland, der Schweiz und Österreich immer heißer werden.

Fazit: Meldungen über einzelne Hitzewellen in den 50er- oder 70er-Jahren beweisen nicht, dass das Klima in Deutschland damals bereits ähnlich heiß war wie heute. Der Trend, dass die Temperaturen in Deutschland und der ganzen Welt ansteigen, ist hingegen gut belegt.

Mit Material von dpa

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