Experiment in den Niederlanden:In der Freizeit auf Mörderjagd
von Saskia Weinert
Tausende Fälle liegen auf Eis, die Polizei kommt nicht weiter. In den Niederlanden will ein Ex-Polizist mit einem Netzwerk von Hobby-Detektiven solche Cold Cases knacken.
Peter de Kock ist ehemaliger Polizist und hat in den Niederlanden das Recherchekollektiv Bureau Dupin gegründet.
Quelle: ZDF und Stefan SpooKann Schwarmintelligenz von vielen Menschen mehr erreichen als die Polizei alleine? "Wenn die Polizei einen Fall über einen längeren Zeitraum hinweg nicht aufklären kann, hat die Gesellschaft fast schon das Recht, andere Wege auszuprobieren", sagt der Niederländer Peter de Kock. Er hat 2020 das Recherchekollektiv Bureau Dupin gegründet, nach dem fiktiven Ermittler des Schriftstellers Edgar Allen Poe.
Ich wollte herausfinden, was passiert, wenn wir die Schwarmintelligenz der Bevölkerung nutzen, um einen Cold Case zu lösen.
Peter de Kock, Ex-Polizist
Seine Begründung: "Die Polizei hat begrenzte Ressourcen und Zeit, weil ständig neue Fälle dazukommen. Das Besondere an uns ist jedoch: Wir, die Öffentlichkeit, hören nicht auf."
Morde, Einbrüche, Vermisstenfälle: Die Polizei kommt der vielen Arbeit nicht immer hinterher. Sie setzt auf die Hilfe von Freiwilligen. Wie helfen Bürger und Bürgerinnen bei Ermittlungen?
02.08.2026 | 43:28 minRevolutionäres Experiment: Bureau Dupin
Die niederländische Polizei und Staatsanwaltschaft wagen ein Experiment, das in Europa wohl einmalig ist: Sie stellen Informationen aus ihren Ermittlungen zur Verfügung - anonymisiert. Die neue "Einsatzzentrale" ist die Website des Bureau Dupin, auf der sich Tausende von Interessierten anmelden.
Der Einsatz von Schwarmintelligenz, wissenschaftlichen Fortschritten und KI oder neue Wege angesichts von Personalmangel: Polizeiarbeit wird in vielen Bereichen neu gedacht. In der zweiteiligen Reihe "Verstärkung für die Polizei" zeigt die Sendung plan b innovative Ansätze mit überraschenden Polizeihelfern - vom Bürger bis zum DNA-Forscher. Teil eins "Spezialkräfte im Einsatz" am 26.7. und Teil zwei am 2.8. "Die neuen Fahnder" sind jeweils um 15:30 Uhr im ZDF zu sehen. Oder beide Teile jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.
Der Fall Marja Nijholt
Sie alle verfolgten einen Fall: das Gewaltverbrechen an Marja Nijholt. Sie nennen es den "Neujahrsmord". Denn es war der Morgen des 1. Januar 2013, an dem die 48-Jährige im niederländischen Ort Oss tot aufgefunden wurde.
Ein Spaziergänger entdeckte die Frau in einer Hauseinfahrt, übersät mit Messerstichen. Die Polizei bildete eine Sonderkommission, doch sie konnte keinen Verdächtigen überführen. Die Ermittlungen wurden eingestellt - ein Cold Case.
Unterbesetzte Behörden, ungelöste Fälle: Für manche Ermittlungen fehlen der Polizei Zeit und Mittel. Ehrenamtliche springen ein und suchen Vermisste, analysieren Daten und klären Cold Cases.
30.07.2026 | 43:30 minBis das Bureau Dupin aktiv wurde. Jahrelang tauschten sich die Hobby-Ermittler auf der Plattform aus, wälzten sich durch Ermittlungsberichte, Dokumente und Telefondaten von Polizei und Staatsanwaltschaft, recherchierten in Sozialen Medien, spürten neue Zeug:innen auf. Alles freiwillig und unentgeltlich.
Seit 25 Jahren fehlt von Bianca Blömeke jede Spur. Die Polizei ermittelt immer noch in dem Cold Case. Für Mutter Erika Schneider ein letzter Hoffnungsschimmer - und eine emotionale Belastung.
06.08.2025 | 3:29 minRätsel um die letzten Tage von Marja Nijholt
Das Opfer lebte in Enschede in den Niederlanden. Drei Tage vor ihrem Tod fuhr Marja Nijholt von dort nach Gronau in Deutschland. Sie checkte in ein Hotel ein und sprach immer wieder von Verfolgern, wirkte ängstlich auf das Personal. Als der Hotelier sie über einen mysteriösen Anruf informierte, reiste sie am Silvestermorgen überstürzt ab
Warum sie nach Oss fuhr, ist eines von vielen Rätseln. Sie wurde dort von mehreren Zeuginnen und Zeugen gesehen, auf der Straße, in Cafés. Den Koffer, den Marja bei sich trug, wollen sie zu verschiedenen Zeitpunkten an unterschiedlichen Orten gesehen haben, mal geöffnet, mal geschlossen.
Später zeigten Überwachungskameras, wie sich Marja nachts an einer Tankstelle aufhielt. Gegen 10:20 Uhr am Neujahrsmorgen wurde sie tot aufgefunden.
Der Angeklagte hat zum Prozessauftakt in Aschaffenburg 41 Jahre nach dem Tod seiner Ex-Freundin Maria Köhler ein Geständnis abgelegt. Aktenzeichen XY hatte 2025 über den Cold Case berichtet.
07.05.2026 | 6:15 minEin neuer Schlüsselzeuge
Sechs Jahre nach dem Start von Bureau Dupin hatten die Hobby-Ermittlerinnen und -Ermittler um Peter de Kock eine neue heiße Spur: "Wir glauben zu wissen, was passiert ist", sagt er.
Und wir sind überzeugt, eine Person identifiziert zu haben, die mehr über diesen Fall weiß.
Peter de Kock, Ex-Polizist
Sie haben der niederländischen Polizei ihre neuen Hinweise und Spuren nun übergeben. Denn für weitere Schritte fehlen den Hobby-Detektiven die Befugnisse. Echte Ermittlungshoheit hat nur die Polizei. Sie sichtet nun die neuen Beweise und hat einen Zeugen-Aufruf gestartet.
Der Mord an der Studentin Amy Lopez war über 30 Jahre ein Cold Case. Nun gibt es neue Entwicklungen in dem Fall: Ein 81-jähriger Deutscher wurde festgenommen. Er soll Amy vergewaltigt und getötet haben.
25.02.2026 | 5:07 minDie Zukunft: Mit KI alte Fälle knacken
Peter de Kock hat bereits neue Cold Cases im Blick - und wieder eine revolutionäre Idee: Mit Studierenden der Universität Saxion in Enschede will er eine Künstliche Intelligenz mit Infos zu alten Fällen füttern. Das Ziel: das Beste aus menschlicher Schwarmintelligenz und modernster Technik herausholen, um fast vergessene Fälle doch noch zu lösen - damit den Opfern doch noch Gerechtigkeit widerfährt.
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