95 Jahre Camping in Deutschland:Vom ersten Zeltplatz am Rhein zum Urlaubsgefühl
von Dominik Müller-Russell
Vor 95 Jahren gründete Jakob Berger den ersten Zeltplatz in Deutschland. Seitdem ist Camping nicht mehr wegzudenken und hat im Lauf der Jahrzehnte immer neue Anhänger gefunden.
1931 eröffnete Jakob Berger den ersten Campingplatz Deutschlands, im Kölner Stadtteil Rodenkirchen direkt am Rhein. 95 Jahre später wird der Platz in vierter Generation betrieben.
05.05.2026 | 12:19 minDie Idee war einfach, aber genial: Warum nicht einen kleinen Platz für Zelte einrichten, mit einer kleinen Verpflegungsbude dazu, dachte sich der Kölner Bootshausbetreiber Jakob Berger im Jahr 1931.
Schließlich war Wassersport auf dem Rhein zu dieser Zeit sehr beliebt, und Kanuten paddelten tagelang den Fluss hinunter und hatten ein Zelt für die Nacht im Boot verstaut. Etwas Infrastruktur kam da wie gerufen. Mit seiner Wiese neben dem Bootshaus hatte Jakob Berger den ersten Campingplatz Deutschlands geschaffen.
Am 5. Mai 1931 hat hier in Köln-Rodenkirchen, am Bootshaus Berger, das erste Zelt gestanden. Das war quasi der Startschuss zum Camping.
Bernd Berger, Enkel des Gründers
Den Campingplatz bei Rheinkilometer 681 betreibt die Familie Berger mittlerweile in vierter Generation - mit Stellplätzen für Dauercamper, Wohnmobile, Wohnwagen und nach wie vor natürlich auch mit Zeltplätzen für Fluss- und Radwanderer.
Pionier des Campings in Deutschland: Jakob Berger schuf in der Nähe von Köln den ersten Campingplatz.
Quelle: Camping Berger KölnWie Camping in Deutschland in den 1930ern begann
Gründer Jakob Berger traf damals den Nerv der Zeit: sich in der freien Natur zu bewegen und zu übernachten war schon in den 1930er-Jahren sehr populär. Zeitgleich entwickelte der Allgäuer Unternehmer Arist Dethleffs die ersten Reiseanhänger fürs Automobil, also Wohnwagen. Mit diesen überquerten schon damals reiselustige Camper die Alpen und fuhren bis Italien.
Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte diese Form des Reisens dann richtig Fahrt aufnehmen - im Inland, aber zunehmend auch Richtung Südeuropa, wie Tourismussoziologin Kerstin Heuwinkel erklärt:
Einerseits, um die Sonne zu genießen und fremde Länder zu entdecken, andererseits aber auch, um fernab kriegerischer Aktivitäten eben als Freund, als Freundin zu kommen.
Prof. Kerstin Heuwinkel, Tourismussoziologin
Je beliebter Camping wurde, desto mehr änderte sich allerdings der Charakter. Was einst als großes Abenteuer begonnen hatte, nahm zumindest an manchen Orten überhand. Dicht an dicht standen auf den großen Plätzen Zelte und Wohnwagen - von Freiheit und Natur war nicht mehr viel zu spüren.
Camping - ein Lebensgefühl
In den 1960er-Jahren brach die junge Generation aus und fand auch beim Camping neue Wege: Übernachten unter freiem Himmel am Strand von Kreta, mit dem VW-Bulli losfahren bis Indien - so reisten Aussteiger, auf der Suche nach Freiheit. "Über das Unterwegssein konnte man so seine eigene Philosophie ausdrücken und sich gegen das Spießige abgrenzen", sagt Kerstin Heuwinkel.
Zum ersten Mal ein mehrere Tonnen schweres Wohnmobil zu fahren, ist gar nicht mal so einfach. Ein Fahrsicherheitstraining ist da eine gute Vorbereitung.
09.07.2025 | 2:57 minIn der DDR war Camping ebenfalls sehr beliebt - als vergleichsweise freier Raum innerhalb der Grenzen, in denen man sich bewegen konnte. Auf Usedom lag in den 1980er-Jahren einer der größten Campingplätze Europas, so beliebt war Camping. Und das Improvisieren, das beim Zelten oder Reisen mit Wohnwagen oft dazugehört, konnten viele Menschen im Osten vielleicht sogar besonders gut.
Man zeigte beim Camping also: Ich bin in der Lage, auch abseits des Stroms zu schwimmen. Auch so ließ sich Freiheit finden und ausdrücken.
Kerstin Heuwinkel, Tourismussoziologin
Warum Camping seit Corona wieder boomt
Aus der Mode ist Camping nie gekommen, aber seit der Corona-Pandemie erlebt es einen neuen Boom - ob im Luxus-Liner oder im Zelt: "Alltägliche Dinge werden beim Camping plötzlich zum Abenteuer", sagt Kerstin Heuwinkel. "Das mögen Menschen."
Ende Mai möchten Bernd Berger - der Enkel - und Benedikt Berger, der Urenkel des Gründers, den 95. Geburtstag des ersten deutschen Campingplatzes feiern. Retro-Campingwagen und Wohnmobile aus lange vergangenen Jahrzehnten erwarten sie dann auf ihrem Platz, von Campingenthusiasten aus ganz Europa. Denn die Idee, die ihr Großvater beziehungsweise Urgroßvater einst hatte, hat ihre Anhängerschaft gefunden - bis heute.
Dominik Müller-Russell ist Reporter im ZDF-Landesstudio Nordrhein-Westfalen.
2025 haben laut Statistischem Bundesamt 44,7 Millionen Menschen auf deutschen Campingplätzen übernachtet - ein Allzeitrekord. Im Vor-Corona-Jahr 2019 waren es noch gut 25 Prozent weniger.
30.03.2026 | 0:30 minWichtiger Hinweis in eigener Sache
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