Wal Timmy zurück in der Nordsee - doch Fragen bleiben offen

Keine Filmaufnahme der Freilassung:Buckelwal zurück in der Nordsee - doch Fragen bleiben offen

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Timmy ist wieder in der Nordsee: Am Samstag meldete die Privatinitiative, der Buckelwal sei wieder im Meer. Wie er die Barge verlassen hat, ist weiter unklar.

Der Buckelwal ist nach Angaben aus dem Team der verantwortlichen Privatinitiative in der Nordsee freigesetzt worden.

Der in der Ostsee gestrandete Buckelwal ist nach mehreren Rettungsversuchen endlich in der Nordsee angekommen.

02.05.2026 | 1:38 min

Der aus einer Ostsee-Bucht an der Insel Poel geborgene Buckelwal Timmy ist am Samstagvormittag in der Nordsee freigesetzt worden. Das berichtete das Team der für den Transport verantwortlichen Privatinitiative. Der Wal sei gegen 9 Uhr nicht mehr im Lastkahn gewesen, sagte Jens Schwarck, Mitglied der Initiative und beim Transport mit dabei, der Deutschen Presse-Agentur. Von den finalen Momenten der Freisetzung existieren bisher keine öffentlich zugänglichen Videoaufnahmen. Es ist deshalb offen, wie der Wal aus dem Transportschiff bugsiert wurde.

Offenbar am Sonntag weiter Lebenszeichen von Wal

Die Position des Wals war am Sonntag unklar, angeblich wurden aber über einen Sender weiter Lebenszeichen des Tiers empfangen. Eine Initiatorin der Rettungsaktion, Karin Walter-Mommert, sagte am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP, der an dem Wal befestigte Peilsender funktioniere nur eingeschränkt. Daher lägen ihr keine aktuellen Standortdaten vor. Signale vom Samstagnachmittag deuteten jedoch darauf hin, dass das Tier zu dem Zeitpunkt in die richtige Richtung geschwommen sei.

Dies wäre Richtung Nordwesten, um die norwegische Atlantikküste zu erreichen. Vitalwerte des Tiers etwa zur Atmung nach Tauchgängen seien jedoch auch 24 Stunden nach dem Verlassen des Lastkahns weiter übermittelt worden.

Wal auf dem Weg in die Nordsee

Bei den meisten unserer Nachbarn scheint man mit Fällen wie dem gestrandeten Wal Timmy und der Debatte um seine Rettung anders umzugehen. Entsprechend fällt die Berichterstattung in Europa aus.

29.04.2026 | 2:06 min

Keine Peilsender-Daten trotz Vereinbarung

Zur Frage des Peilsenders äußerte sich Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Samstag beim Livestream-Anbieter News5:

Es war vereinbart, dass uns die Daten übermittelt werden, damit wir ihn auch begleiten können. (...) Uns sind bis heute keine Daten zur Verfügung gestellt worden.

Till Backhaus (SPD), Umweltminister Mecklenburg-Vorpommern

Im Übrigen sei auch abgemacht gewesen, dass ein Videosystem auf der Barge installiert wird, damit beauftragte Tierärzte den Wal weiter beobachten können - "auch das ist nicht erfolgt". Jens Schwarck von der privaten Initiative erklärte am Samstag, vorerst lägen ihm noch keine Daten vor.

Die Allgemeinheit wird den Weg des Wals ohnehin nicht verfolgen können: Die Informationen, wo sich der Wal befinde, würden nur den Teammitgliedern der Privatinitiative und dem Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung gestellt, hatte die Rechtsanwältin der Initiative, Constanze von der Meden, zuvor betont.

Wal auf dem Weg in die Nordsee

Der privaten Initiative ist es letztlich gelungen, den vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwal auf einen Schleppkahn zu leiten.

29.04.2026 | 1:41 min

Greenpeace: "Buckelwal wurde seinem Schicksal überlassen"

Die Umweltorganisation Greenpeace äußerte sich nach der Freilassung ernüchert gegenüber ZDFheute. Die Organisation hält den umstrittenen Rettungsversuch für gescheitert.

Am Ende dieses umstrittenen Rettungsversuchs findet sich ein todkrankes Wildtier lediglich an einem anderen Ort. Der Buckelwal wurde in einer der meistbefahrenen Schiffsrouten Europas ausgesetzt und seinem Schicksal überlassen.

Thilo Maack, Meeresschutzexperte bei Greenpeace

Die Überlebenschancen des Wals schätzt Greenpeace als äußerst gering ein. Zugleich fordert die Organisation mehr Transparenz - etwa durch die Veröffentlichung der Trackingdaten - und sieht im großen öffentlichen Interesse eine Chance, den Schutz von Walen und Meeren insgesamt zu stärken.

Weitere Entwicklung zum Buckelwal in der Ostsee

So kam Timmy in den Kahn.

28.04.2026 | 0:42 min

Kann der Wal normal tauchen und fressen?

Als gerettet gilt der Wal auch nach dem Freisetzen nicht. Nach der langen Liegezeit sei fraglich, ob der Wal noch normal schwimmen und tauchen könne, hatte der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter erklärt. Auch die Frage nach der Nahrungsaufnahme stelle sich wegen der in seinem Maul gefundenen Netzteile. Der Wal sei allen Anzeichen nach alles andere als fit.

Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) betonte:

Von einer Rettung kann man erst sprechen, wenn sich der Wal zurück im Nordatlantik befindet und dort langfristig überlebt; sich seine Haut wieder vollständig erholt hat; er wieder eigenständig auf Nahrungssuche geht und an Gewicht zunimmt; und seinem natürlichen Verhalten nachgeht.

Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation

Nach Einschätzung unter anderem von WDC und Internationaler Walfangkommission (IWC) hat der Wal kaum langfristige Überlebenschancen. Ohne funktionierenden Sender würde allerdings unbemerkt zu bleiben, wenn das geschwächte Tier binnen Tagen oder Wochen nach dem Freisetzen verende.

Könnte das Tier wieder stranden?

Nach Meinung von Experten könnte das geschwächte Tier wieder gezielt zur Küste schwimmen. "In verschiedenen Regionen der Welt ist dokumentiert, dass Großwale bei ausgeprägter Erschöpfung vermehrt flache Küstengewässer mit weichem Untergrund aufsuchen", hatte das Deutsche Meeresmuseum erklärt.

Das dänische Umweltministerium teilte in diesem Zusammenhang mit, dass man gestrandete Meeressäugetiere prinzipiell nicht rette. Strandungen seien "ein natürlich vorkommendes Phänomen" und Wale sollten generell "nicht durch menschliches Eingreifen gerettet oder gestört" werden.

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Quelle: dpa, ZDF, AFP
Über dieses Thema berichtete das ZDF in verschiedenen Sendungen, zuletzt die ZDFheute Xpress am 02.05.2026 um 11:16 Uhr.

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