Buckelwal "Timmy": Transport läuft - was ist noch geplant?

FAQ

Routenplan, Gesundheitszustand, Prognose:Buckelwal-Transport läuft: Was steht "Timmy" noch bevor?

|

Der geschwächte Buckelwal wird Richtung Nordsee gebracht. Experten warnen vor Risiken und zweifeln am langfristigen Überleben. Wie geht es weiter? Ein Überblick über die Lage.

Weitere Entwicklung zum Buckelwal in der Ostsee

Der seit Wochen für Aufsehen sorgende Wal in der Ostsee ist inzwischen auf einem Lastkahn Richtung Nordsee unterwegs. Nach ersten Angaben verläuft die Aktion bislang planmäßig.

29.04.2026 | 1:18 min

In eine Art stählernes Aquarium wird der Poeler Buckelwal nach Wochen im Flachwasser Richtung Nordsee geschleppt. Dort soll er vom Kahn schwimmen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum weiteren Plan der Rettungsinitiative:

War die Rettung schon erfolgreich?

Jubel, Umarmungen, Tränen: Nachdem der Wal am Dienstag erfolgreich in die Barge getrieben war, konnte man den Eindruck gewinnen, die Aktion sei nun mit vollem Erfolg abgeschlossen. Tatsächlich war das Verladen aber nur ein Zwischenschritt: Noch muss der Wal den tagelangen Transport um die Nordspitze Dänemarks herum durch das Skagerrak überstehen - und vor allem muss er langfristig überleben.

Grafik: Transportroute für Buckelwal

Die geplante Transportroute des Buckelwals.

Quelle: ZDF

Was vermuten Experten zum Ausgang?

"In verschiedenen Regionen der Welt ist dokumentiert, dass Großwale bei ausgeprägter Erschöpfung vermehrt flache Küstengewässer mit weichem Untergrund aufsuchen", erklärte das Deutsche Meeresmuseum. Als der Poeler Buckelwal sich noch frei in den Gewässern von Mecklenburg-Vorpommern bewegt hat, suchte er bereits ausschließlich Küsten- und Flachwassergewässer auf.

Wal auf dem Weg in die Nordsee

Bei den meisten unserer Nachbarn scheint man mit Fällen wie dem gestrandeten Wal „Timmy“ und der Debatte um seine Rettung anders umzugehen. Entsprechend fällt die Berichterstattung in Europa aus.

29.04.2026 | 2:06 min

Anfang März war er erstmals in der Ostsee gesehen worden. In den etwa 60 Tagen seither lag er zu rund zwei Dritteln der Zeit in Flachwasserzonen. Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) betonte, von einer Rettung könne man erst sprechen, wenn:

  • sich der Wal zurück im Nordatlantik befindet und dort langfristig überlebt
  • sich seine Haut wieder vollständig erholt hat
  • er wieder eigenständig auf Nahrungssuche geht und an Gewicht zunimmt
  • er seinem natürlichen Verhalten nachgeht

Nach der langen Liegezeit sei fraglich, ob der Wal noch normal schwimmen und tauchen könne, sagte der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter. Auch die Frage nach der Nahrungsaufnahme stelle sich wegen der in seinem Maul gefundenen Netzteile. Nach WDC-Einschätzung hat der Wal keine langfristigen Überlebenschancen.

Weitere Entwicklung zum Buckelwal in der Ostsee

Es ist ein umstrittener Rettungsversuch, mit dem der gestrandete Buckelwal zurück ins offene Meer gebracht werden soll. Ein erster wichtiger Schritt ist jetzt gelungen.

28.04.2026 | 0:42 min

Wo soll der Wal freigesetzt werden?

Letzter Stand war nach Angaben aus dem Team der Privatinitiative, dass der Wal in der Nordsee ins Wasser gelassen werden soll - wo genau, stehe noch nicht fest.

Die WDC-Experten sind der Ansicht, dass mit dem Hinaustreiben die wirklich heikle Phase bevorsteht. "Uns ist nicht bekannt, wie die Freilassung und Wiedereingliederung des Wals in seinen eigentlichen Lebensraum genau geplant ist", hieß es.

Ohne weitere Informationen dazu wirkt es aktuell so - und hier verwenden wir ein Bild, um es zu veranschaulichen -, als würde man jemanden, der sich wochenlang im Hospiz befand, nun vor die Tür setzen und sich selbst überlassen.

Whale and Dolphin Conservation (WDC), Tierschutzorganisation

Nach der Rückreise vom Äquator zögen die Buckelwale, zu deren Population der Poeler Wal gehöre, in die kalten Gewässer des Nordatlantiks. "Wenn er in der Nordsee freigelassen wird, steht ihm somit noch eine Weiterreise in den Atlantik bevor, die er eigenständig schaffen muss", erklärte WDC. Insbesondere die Nordsee berge viele Gefahren wie Lärm, Fischerei und Schiffsverkehr.

ZDF-Reporterin Anne Stadtfeld an einem Steg mit einer Bootsfähre im Hintergrund.

Helfer und Befürworter der privaten Rettungsinitiative hätten sich sehr über die geglückte Aktion gefreut, so ZDF-Reporterin Anne Stadtfeld. Die Rettung bleibe aber gefährlich.

28.04.2026 | 5:20 min

Wie geht es dem Tier aktuell?

"Pudelwohl" fühle der Wal sich in der Barge, verlautbarte Landesumweltminister Till Backhaus, nachdem das geschwächte Tier erfolgreich in das Stahlbecken getrieben war. So manchem Experten dürften ob dieser Bemerkung die Haare zu Berge gestanden haben.

Der Gesundheitszustand des Wals sei grundsätzlich schon nicht gut, sagte Meeresbiologe Ritter. "Das sagen alle, auch die Befürworter der Rettungsaktion." Es gebe eine lange, traumatische Vorgeschichte. Das Tier habe sich in Netzen verfangen, sei wochenlang herumgeirrt und habe fünf Selbststrandungen hinter sich. "Das sind deutliche Zeichen, dass der Wal alles andere als fit ist." Das beobachtete Verhalten des Tieres sei insgesamt stark passiv - anders als bei gesunden Bartenwalen, insbesondere Buckelwalen.

Nach dem anhaltenden Trubel direkt am Wal in den vergangenen zwei Wochen könnte der Transport das Tier noch einmal mehr stressen, ist Ritter überzeugt. Wale und Delfine lebten in einer Welt des Schalls. "Die sind da extrem empfindlich." Der mehrtägige Transport sei so, als würde man einem Menschen drei Tage lang eine helle Lampe ins Gesicht halten, sagte er.

ZDF-Reporter Mosebach am Strand. Im Hintergrund ist der Frachtkahn der Rettungsaktion auf dem Wasser zu sehen.

ZDF-Reporter Bernd Mosebach schildert, wie der Buckelwal auf die Barge gelangte. Man habe hören können, wie die Helfer den Wal mit einem Seilzug bewegten.

28.04.2026 | 24:31 min

Werden wir das weitere Schicksal verfolgen können?

Zunächst wurde der Wal mit einem Sender ausgestattet, der unter Wasser nicht funktioniert. Die Privatinitiative gab an, mit einem neuen GPS-Sender nachzubessern. Ohne funktionierenden Sender droht unbemerkt zu bleiben, würde das geschwächte Tier binnen Tagen oder Wochen nach dem Freisetzen verenden.

Die Informationen, wo sich der Wal befinde, würden aber nur den Teammitgliedern der Privatinitiative und dem Schweriner Umweltministerium zur Verfügung gestellt, sagte die Rechtsanwältin der Initiative, Constanze von der Meden. Es solle vermieden werden, dass Menschen losführen und nach dem Wal schauten.

Eine langfristige vollständige Dokumentation sei für die Einschätzung der gesamten Maßnahme essenziell, hieß es vom Meeresmuseum. "Insbesondere die öffentliche Verfügbarkeit der Trackerdaten in Echtzeit sowie Live-Videomaterial vom Wal während des Transports und während der Freilassung sind grundlegend für eine transparente Vorgehensweise und um wertvolle Erfahrungen für zukünftige Bergungen sammeln zu können."

Eine langfristig erfolgreiche Rettung ließe sich vermutlich daran festmachen, dass der Wal in den nächsten Jahren in seinen nördlichen Nahrungsgründen, südlichen Paarungsgebieten oder auch dazwischen, während seiner Wanderungen, gesichtet und mittels Foto-ID eindeutig identifiziert werde, hieß es von WDC. "Das wäre ein klares Indiz dafür, dass er seinem natürlichen Verhalten nachkommt."

Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen, etwa die heute-Nachrichten am 29.04.2026 ab 17:00 Uhr.

Mehr zu Buckelwal "Timmy"

  1. Eine von Greenpeace herausgegebene Drohnenaufnahme zeigt den Buckelwal in der Wismarbucht.

    Gestrandeter Wal in Ostsee:"Deutschlands Lieblingswal": Wie im Ausland berichtet wird

    mit Video2:48

  2. Buckelwal unter Wasser
    FAQ

    Walfang und Klimawandel:Warum der Mensch ein Problem für Wale ist

    mit Video36:11

  3. Medienvertreter beobachten die Arbeiten der Helfer direkt am festliegenden Buckelwal vor der Insel Poel.

    Ausnahmezustand auf Insel Poel:Viel Trubel wegen Wal: "Die Leute hier sind genervt"

    mit Video2:48

  4. Der gestrandete Buckelwal Timmy vor der Insel Poel in der Ostsee am 01.04.2026.

    Erste Sichtung Anfang März:Wal verirrt sich vor Ostseeküste: Chronologie der Ereignisse

    mit Video2:38