Verlorene Fischernetze im Meer:WWF-Taucherin erklärt: So gefährlich sind "Geisternetze"
Verlorene Fischernetze werden immer wieder zur tödlichen Falle. Auch der gestrandete Wal in der Ostsee hat offenbar mit Netzresten zu kämpfen. Was kann dagegen getan werden?
ZDFheute live in voller Länge.
27.04.2026 | 12:43 minDer gestrandete Buckelwal vor Poel lenkt den Blick auf ein selten sichtbares Problem: verlorene oder zurückgelassene Netze in den Meeren. Auch Timmy hat wohl Reste von Fischernetzen in sich. Sie gefährden Tiere und Ökosysteme weltweit.
Im Interview mit ZDFheute erklärt WWF-Forschungstaucherin Gabriele Dederer, welche "Geisternetze" besonders problematisch sind, warum die Zusammenarbeit mit den Fischern so wichtig ist und wie die Bergung eines solchen Fanggeräts abläuft.
Sehen Sie das Interview in voller Länge oben im Video und lesen Sie hier eine Zusammenfassung.
Forschungstaucher Hubert Pinto de Kraus birgt zusammen mit einer Gruppe von Freiwilligen ""Geisternetze"" aus dem Meer. Bei den Einsätzen trägt de Kraus viel Verantwortung.
20.03.2023 | 28:32 minDas sagt Forschungstaucherin Gabriele Dederer von der Naturschutzorganisation WWF zu der Frage ...
... wie gefährlich "Geisternetze" sind
"Geisternetze" seien besonders gefährlich, weil sie "weiterfischen, oft über Jahre, ohne dass sie geborgen werden", sagt WWF-Taucherin Dederer. Dadurch könnten sie Meerestiere töten und Lebensräume zerstören. Die Fischerei selbst habe kein Interesse daran, die Netze zu verlieren, denn sie seien ihr Handwerkszeug und kosteten viel Geld. Wettertücken, Steine oder zu viele Algen würden aber dennoch dazu führen, dass die Netze manchmal verloren gingen, sagt Dederer.
Berechnungen hätten ergeben, dass das weltweit auf zwei Prozent der gesamten Fischereiausrüstung zutreffe, so Dederer. Jedes Jahr verschwänden rund "75.000 Quadratkilometer Netz" sowie "740.000 Kilometer Langleine", die zum Beispiel für den Thunfischfang genutzt würden, betont Dederer. Das entspreche etwa der Entfernung von der Erde "einmal zum Mond und zurück".
Der erneut gestrandete Buckelwal Timmy spaltet das Land. Rettungsversuch oder "in Frieden lassen"? Meeresbiologe Fabian Ritter meint: An oberster Stelle "sollte das Tierwohl stehen".
27.04.2026 | 5:38 min... wie "Geisternetze" aus den Meeren geholt werden
Bei der Bergung von "Geisternetzen" werde der Meeresboden zunächst mit Sonartechnik abgesucht, um verlorene Netze genau zu lokalisieren. "Das Seitensichtsonar funktioniert im Prinzip so, wie eine Fledermaus oder auch ein Delphin im Wasser kommuniziert. Es wird Schall ausgestoßen und dieser Schall kommt zurück", sagt die Expertin. So könnten Steine, Wracks, Seegras, aber auch verlorene Fischereigeräte gefunden werden.
Danach werde die entsprechende Stelle von Tauchern oder Unterwasserrobotern nochmals abgesucht, um etwa zu erkennen, wie lang das Netz ist, wo es verhakt ist und ob Tiere noch befreit werden müssten. Ist das Netz vorbereitet, werde es an einer Boje befestigt und anschließend häufig gemeinsam mit Fischern geborgen, die mit ihrem Gerät die "Geisternetze" besonders effizient bergen könnten.
""Geisternetze"" zu bergen ist eine Mammutaufgabe.
06.06.2021 | 28:38 min... ob "Geisternetze" auch Wal Timmy zusetzen
Dederers Einschätzung zufolge hat sich der gestrandete Wal vor Poel nicht in einem "Geisternetz" verfangen: "Was ich gesehen habe, ist, dass ein aktives Stellnetz von ihm runtergeschnitten wurde." "Geisternetze" hingegen lägen am Meeresboden, weshalb es für Wale schwer sei, dort hineinzuschwimmen. Dennoch zeige der Fall aus ihrer Sicht die Gefahr von aktiven Stellnetzen für die heimischen Schweinswale in der Ostsee.
... wie die Problematik in Zukunft reduziert werden kann
Die Bergung von "Geisternetzen" sehe der WWF als eine "gesellschaftspolitische Aufgabe", denn "sehr viele von uns konsumieren Fisch und da muss man eben das auch wegräumen, was da hängen bleibt. Wir können die Fischer nicht darauf sitzen lassen", sagt Dederer.
Verlorene und illegal entsorgte ""Geisternetze"" treiben durch die Ozeane und stellen eine tödliche Gefahr für die Meeresbewohner dar. Sie zu bergen ist eine Mammutaufgabe dar.
20.02.2023 | 1:58 minDie Fischerei sei bemüht, zu helfen, dennoch könnten die Bemühungen auch noch größer sein, sagt Dederer. Wichtig sei eine bessere Prävention, damit Netze gar nicht erst verloren gingen sowie eine schnelle Zusammenarbeit, sollte es dennoch dazu kommen. Es müsse dann eine eindeutige Meldekette geben, "so dass auch jeder Partner weiß, von der Fischerei, von den Behörden, von den mitarbeitenden Tauchbetrieben, was zu tun ist und was die schnellste Möglichkeit ist, dieses Netz dann aus dem Meer zu entfernen", sagt Dederer.
Das Interview bei ZDFheute live führte Jessica Zahedi. Zusammengefasst hat es Caroline Kleine-Besten.
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