Bericht des Medizinischen Diensts:2025 knapp 3.100 Behandlungsfehler in Deutschland bestätigt
2025 meldeten Versicherte bei den Krankenkassen mehr als 11.000 mögliche Behandlungsfehler. In 3.098 Fällen lag tatsächlich ein Fehler vor, wie eine Expertenorganisation mitteilt.
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20.08.2026 | 0:43 minDeutschlandweit sind im vergangenen Jahr knapp 3.100 medizinische Behandlungsfehler bestätigt worden. In 2.700 Fällen waren die Fehler ursächlich für Schäden, wie aus dem am Donnerstag in Berlin vorgestellten jährlichen Begutachtungsbericht des Medizinischen Diensts auf Bundes- und Länderebene hervorgeht.
In 97 Fällen waren Fehler demnach ursächlich für den Tod eines Menschen oder trugen wesentlich dazu bei. Der Medizinische Dienst ging ferner davon aus, dass die Dunkelziffer insgesamt hoch ist.
Behandlungsfehler: Rund 150 gravierende Fälle
Rund 150 Vorfälle aus dem vergangenen Jahr stuften die Gutachter als besonders schwerwiegend ein - in Fachkreisen werden solche Ereignisse auch als "never events" bezeichnet, die unbedingt zu vermeiden sind. Dazu zählen gravierende Medikationsfehler, im Körper vergessenes Operationsmaterial oder die Verwechslung von Patienten oder Körperseiten. Im Vorjahr 2024 hatte es 134 Fälle dieser Art gegeben.
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30.04.2026 | 12:01 minInsgesamt untersuchten die Gutachter bundesweit rund 11.700 vermutete Behandlungsfehler, von denen letztlich etwa ein Viertel oder 3.098 als solche offiziell bestätigt wurden. Zwei Drittel der vermuteten Fälle bezogen sich den Angaben zufolge auf stationäre Behandlungen vor allem in Krankenhäusern, etwa ein Drittel entfiel auf den ambulanten Bereich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden in Deutschland im Jahr 2024 allein 17,5 Millionen Menschen stationär in Kliniken behandelt.
... ist eine ursprünglich von den Krankenkassen gemeinsam eingerichtete Beratungs- und Begutachtungsorganisation. Seit einigen Jahren ist er auf Bundes- und Länderebene als eigenständige Körperschaft öffentlichen Rechts organisiert.
Neben dem Medizinischen Dienst veröffentlichen auch die Kassen sowie Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern Statistiken zur Zahl von Behandlungsfehlern. Auch diese stehen für mutmaßlich von Behandlungsfehlern Betroffene als Anlaufstellen bereit.
Medizinischer Dienst geht von hoher Dunkelziffer aus
Fast 30 Prozent der Vorwürfe betrafen 2025 Behandlungen aus dem Bereich Orthopädie und Unfallchirurgie, andere Fachkreise waren weit weniger vertreten. Rückschlüsse auf das Sicherheitsniveau lasse das aber nicht zu, betonte der Medizinische Dienst. Häufungen von Verdachtsmeldungen in einem Fachgebiet zeigten, dass Patienten auf Ergebnisse reagierten, die nicht ihren Erwartungen entsprächen. Bei chirurgischen Eingriffen seien Fehler für sie in der Regel leichter zu erkennen als in anderen Bereichen.
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25.01.2022 | 28:59 minWeiterhin rechneten die Prüfer mit einer hohen Dunkelziffer. Allgemein gingen Wissenschaftler davon aus, dass es bei zwei bis vier Prozent aller stationären Behandlungen zu "vermeidbaren Schadensereignissen" komme.
Übertragen auf Deutschland entspräche das einer Größenordnung von in etwa 350.000 bis 700.000 entsprechenden Vorfällen pro Jahr. Die Vermeidung von Behandlungsfehlern verhindere daher nicht nur unnötiges Leid, sondern vermeide auch erhebliche Folgekosten im Gesundheitssystem.
Behandlungsfehler verursachen hohe Kosten
Der Medizinische Dienst verwies auf Schätzungen der Organisation OECD, wonach in hochentwickelten Staaten rund 15 Prozent der Kosten für die stationäre Patientenversorgung für die Folgen von vermeidbaren Fehlern aufgewendet werden müssen.
Übertragen auf die Krankenhausausgaben der gesetzlichen Kassen in Deutschland ergebe sich eine Größenordnung von 16,7 Milliarden Euro. Der Vorstandschef des Medizinischen Diensts Bund, Stefan Gronemeyer, erklärte:
Mehr Patientensicherheit ist deshalb auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit unseres Gesundheitswesens.
Stefan Gronemeyer, Medizinischer Dienst
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07.10.2025 | 13:36 minKrankenhausgesellschaft kritisiert Schlussfolgerung der Experten
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft bezeichnete die Schlussfolgerungen des Medizinischen Dienstes als "unseriös". Vorstandsvorsitzender Gerald Gaß erklärte, die vom Medizinischen Dienst herangezogene OECD-Studie beruhe "auf nationalen Einzelstudien mit ganz verschiedenen Voraussetzungen in der Struktur der Gesundheitsversorgung, Demografie, Lebensweise und vielem mehr". Gaß betonte:
Vor allem: Die Studie hat Deutschland überhaupt nicht untersucht.
Gerald Gaß, Deutsche Krankenhausgesellschaft
Insgesamt verwies der Verband auf sinkende Zahlen. So hätten sich die Verdachtsfälle im Vergleich zum Vorjahr um 569 Fälle verringert. Auch sei der Anteil bestätigter Fälle "spürbar gesunken". Dennoch betonte Vorstandsvorsitzender Gaß: "Trotzdem bleibt für uns das Bekenntnis, dass jeder Behandlungsfehler einer zu viel ist. Wir müssen weiterhin alles tun, um Fehler zu reduzieren, denn hinter jedem dieser Fälle steht ein Mensch."
Gleichzeitig stünden den rund 1.900 bestätigten Behandlungsfehlern, die auf Behandlungen im Krankenhaus entfallen, "schätzungsweise 18 Millionen Behandlungsfälle insgesamt gegenüber".
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