Parallelwelt in Deutschland:Welche Regeln im Adel noch immer gelten
von Julia Friedrichs
In vielen Schlössern und Gutshäusern in Deutschland haben die Sonderrechte der männlichen Nachkommen bis heute überlebt. Wer etwas daran ändern könnte.
Jochen Breyer recherchiert in einer Welt, die es offiziell seit über hundert Jahren nicht mehr gibt - und dennoch erstaunlich lebendig ist: die Welt des deutschen Adels.
28.04.2026 | 43:48 minRein rechtlich gibt es den Adel in Deutschland nicht mehr. Mit der Weimarer Verfassung von 1919 sind seine Vorrechte abgeschafft worden. Trotzdem sind die Traditionen und Strukturen nach wie vor lebendig. Um den Stand zu erhalten, haben die Mitglieder des historischen Adels in Deutschland eine Art eigenes Parallelrecht geschaffen. Für sie bestehen die Adelsgesetze fort.
Im Adel gilt noch das Mannesstammprinzip
Nach diesen Adelsgesetzen gilt nur als adelig, wer, so heißt es, "als eheliches, leibliches und legitimes Kind von einem adeligen Vater" geboren wird. Mannesstammprinzip nennt man diese Regel.
Im Adelsrecht sind weder Frauen noch die gleichgeschlechtliche Ehe vollkommen gleichgestellt. Heiratet eine adelige Frau einen nicht-adeligen Mann verliert sie - nach den Regeln des historischen Adels - ihren Status. "Ausheiraten" nennen das einige. Umgekehrt behält aber ein adeliger Mann Stand, Titel und Besitz, wenn er eine Bürgerliche heiratet.
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05.02.2026 | 43:36 minJunge Adelige hat sich mit Regeln abgefunden
"Ich kann meinen Kindern leider keinen Titel geben, aber dafür mein Bruder", sagt Annabel Clanner von Engelshofen. "Früher als Kind fand man das schon ein bisschen unfair", meint die studierte Biologin. Aber mit der Zeit werde man erwachsen. "Ich finde es okay, sagen wir: Ich habe mich damit abgefunden."
Marburg ist mit dem Deutschen Adelsarchiv so etwas wie die heimliche Hauptstadt des historischen Adels. Hier wird über die Regeln des historischen Adels gewacht, unter anderem von Albrecht Prinz von Croӱ und Gottfried Graf Finck von Finckenstein.
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05.02.2026 | 29:15 minNur ein Monarch kann das Adelsrecht reformieren
Prinz von Croӱ versteht "den Wunsch vieler Familien, auch vieler, vor allen Dingen Töchter in unseren Familien", die jahrhundertalten Regeln anzupassen und zum Beispiel die Frauen endlich gleichzustellen. Das Mannesstammprinzip sei "vielleicht ungerecht". Aber das sei eindeutig nicht zu ändern.
Niemand kann dieses Adelsrecht reformieren, außer ein - ich sage jetzt mal: Monarch.
Albrecht Prinz von Croӱ
Graf Finck von Finckenstein bestätigt, dass das Adelsrecht auf dem alten Stand bleiben müsse, weil es keinen König mehr gibt: "Das ist eingefroren. Das ist versteinert. Das ist nicht mehr änderbar."
Seit der Abschaffung der Monarchie 1918 und Inkrafttreten der Weimarer Verfassung 1919 ist der Adelsstand rechtlich bedeutungslos. Und doch prägen adelige Familien bis heute Teile des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens in Deutschland.
Der Film von Jochen Breyer und Julia Friedrichs beobachtet diesen Spagat zwischen Tradition und Moderne. Sie können die Doku "Die geheime Welt des Adels" am 28. April um 20:15 Uhr im ZDF sehen oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.
Adel will Besitz zusammenhalten
In vielen Familien hat der Vorrang der männlichen Nachkommen auch Auswirkungen auf das Erbe. Ein Ziel vieler Dynastien ist es, den Kern des Besitzes - die Schlösser, die Ländereien, die Wälder - zusammenzuhalten und nicht zu zerstückeln und unter vielen Nachfahren zu verteilen. Deshalb gibt es einen Haupterben. Beim historischen Adel ist das meist der älteste Sohn. Die anderen Erben weichen, so nennt man das - soweit sich das mit geltendem deutschen Recht vereinbaren lässt.
Die Familie Von der Schulenburg-Wolfsburg besitzt 5.000 Hektar Wald in drei Bundesländern. "Den Wald und den Gesamtbetrieb bekommt mein Sohn", erklärt Günther Graf von der Schulenburg-Wolfsburg. Seine Tochter sei in dem Fall die weichende Erbin. Auch sie bekäme einen Anteil, aber eben nicht vom Wald. "Weil wir immer der Meinung sind, dass man den Betrieb zusammenhalten soll", sagt von der Schulenburg-Wolfsburg.
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