Sohn von Prinz Reuß im Interview: "Mein Vater ist kein Terrorist"

Exklusiv

Sohn von Prinz Reuß:"Mein Vater ist kein Terrorist. Er wollte Thüringen zurück"

von Julia Friedrichs

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Vom Schloss auf die Anklagebank: Prinz Reuß hat sich im Kampf um enteignete Besitztümer radikalisiert. Sein Sohn schildert im ZDF-Interview, wie es so weit kommen konnte.

Jochen Breyer im Vordergrund, Schauspielerin Katja Riemann als Hausdame und eine Braut (Statistin), im Hintergrund Schloss Ebnet."

Jochen Breyer recherchiert in einer Welt, die es offiziell seit über 100 Jahren nicht mehr gibt - und dennoch erstaunlich lebendig ist: die Welt des deutschen Adels.

28.04.2026 | 43:48 min

In einem exklusiven Interview für die ZDF-Dokumentation "Die geheime Welt des Adels" hat sich der Sohn von Heinrich XIII. Prinz Reuß, Heinrich XXVII. Prinz Reuß, zum ersten Mal zu den Vorwürfen gegen seinen Vater geäußert. Er zeichnet das Bild eines Mannes, der sich im Kampf um die verlorenen Schlösser und Ländereien seiner Familie stark verändert habe.

Heinrich XXVII. Prinz Reuß sitzt mit dem Rücken zur Kamera. Im Hintergrund ist Jochen Breyer unscharf zu sehen, der den Sohn von Prinz Reuß interviewt.

Heinrich XXVII. Prinz Reuß, der Sohn von Prinz Reuß, will sich nicht in der Öffentlichkeit zeigen und dreht insofern auch im ZDF-Interview den Rücken zur Kamera.

Quelle: ZDF

Prinz Reuß hat laut Sohn Gewalt immer abgelehnt

"Mein Vater wurde aufgezogen als Fürst oder Prinz Reuß", sagt Heinrich XXVII. Prinz Reuß.

Wenn man sich überlegt, wenn man 50 Jahre vorher geboren wäre, hätte einem halb Thüringen gehört, inklusive Länder und Schlösser. Aber von der Welt, die damals existiert hat, war nichts mehr übrig.

Heinrich XXVII. Prinz Reuß, Sohn von Heinrich XIII. Prinz Reuß

Das hätte ihn, so sieht es sein Sohn, empfänglich für die Versprechen der Mitverschwörer gemacht. "Ich glaube, er hat sich auf die falschen Leute eingelassen. Dem wurde irgendetwas versprochen, was er gerne hören wollte. Er wollte immer nur sein Thüringen zurück." In einem Punkt aber sei er sich sicher:

Mein Vater ist kein Terrorist.

Heinrich XXVII. Prinz Reuß, Sohn von Heinrich XIII. Prinz Reuß

Prinz Reuß habe Gewalt immer abgelehnt.

Seit der Abschaffung der Monarchie 1919 ist der Adelsstand rechtlich bedeutungslos. Und doch prägen adelige Familien bis heute Teile des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens in Deutschland.

Der Film von Jochen Breyer und Julia Friedrichs beobachtet diesen Spagat zwischen Tradition und Moderne. Sie können die Doku "Die geheime Welt des Adels" am 28. April um 20:15 Uhr im ZDF sehen oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.


Reichsbürgerprozess: Ex-Elitesoldat Maximilian Eder vor Gericht, formt ein Herz mit den Händen

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Seit April 2024 steht Heinrich XIII Prinz Reuß in Frankfurt vor Gericht. Der sogenannte Reichsbürger-Prozess ist einer der größten Terrorprozesse in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Bundesanwaltschaft wirft Reuß und seinen Mitangeklagten vor, einen bewaffneten Umsturz geplant zu haben. Die Anklage bezeichnet Reuß als Rädelsführer. Seine Verteidiger weisen diesen Vorwurf zurück.

Im Interview mit Jochen Breyer beschreibt Reuß' Sohn, der wie sein Vater Heinrich heißt, Prinz Reuß als eigentlich weltoffenen, liberalen Mann. "Mein Vater war Immobilieninvestor, war davor Rennfahrer, hat sein Leben gelebt." Der Kampf gegen die Regierung habe sein ganzes Leben komplett verändert.

Heinrich XIII. Prinz Reuß im Gerichtssaal in Frankfurt

Heinrich XIII. Prinz Reuß ist im Prozess gegen die mutmaßliche Reichsbürger-Gruppe einer der Hauptverdächtigen.

Quelle: dpa

Kampf gegen Folgen der Bodenreform nach dem Zweiten Weltkrieg

Der Kampf gegen die Regierung - damit meint der Sohn von Prinz Reuß die Folgen eines für viele Familien des historischen Adels zentralen Kapitels der deutschen Geschichte: die sogenannte Bodenreform.

Familie Reuß war nach dem Zweiten Weltkrieg wie die meisten adeligen Familien im Gebiet der ehemaligen DDR von den sowjetischen Besatzern enteignet worden. Nach der Wiedervereinigung hatten sie diesen Besitz nicht wie erwartet zurückbekommen.

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Prinz Reuß von der Familie ausgewählt

Reuß' Sohn sagt, sein Vater sei von der Familie ausgewählt worden, die Rückgabe der Besitztümer zu erkämpfen. "Mein Großvater hatte ihm auf dem Sterbebett gesagt, dass er der Beauftragte der Familie sei."

Dieser Auftrag habe alles geändert. Prinz Reuß klagte mehr als 30 Jahre lang gegen die Bundesrepublik - vergeblich.

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Planten sie einen Anschlag auf den Bundestag? Das LKA Bayern hat drei Verdächtige festgenommen. Sie sollen zur mutmaßlichen "Reichsbürger"-Gruppe um Prinz Reuß gehören.
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Mehrere Adlige zweifeln an der Bundesrepublik Deutschland

Die Empörung darüber, dass die enteigneten Güter nicht zurückgegeben wurden, auch das zeigt die Dokumentation, sitzt bei vielen Familien des alten Adels tief. "Viele haben dadurch an der Bundesrepublik gezweifelt", sagt der Historiker Jobst Graf von Wintzingerode. Manche Adelige hätten sich "zurückgezogen in die Resignation. Einige wenige haben sich radikalisiert und die Systemfrage gestellt." Sie seien zu adeligen Wutbürgern geworden, so von Wintzingerode.

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Motive von Prinz Reuß unklar

War Heinrich XIII. Prinz Reuß also einfach nur ein enttäuschter Mann, den der Schmerz über den verlorenen Besitz empfänglich für Verschwörungen machte? Ein Mitläufer, der in etwas hineingeraten ist?

Daran lässt eine öffentlich einsehbare Rede zweifeln, die Prinz Reuß bereits im Jahr 2019 hielt: Es ist eine Rede voller Verschwörungstheorien, wie man sie auch aus der Reichsbürger-Szene kennt. Prinz Reuß scheint überzeugt, dass Deutschland kein souveräner Staat ist, sondern eine Art Unternehmen, das seinen Besitz gestohlen hat. Er sagt: "Die Firma Bundesrepublik Deutschland hat weitere Firmen gegründet, die mit unseren gestohlenen Grundstücken bis heute handeln."

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Über dieses Thema berichtet die Sendung "Die geheime Welt des Adels", online verfügbar am 27.04.2026 um 6 Uhr, im ZDF am 28.04.2026 ab 20:15 Uhr.

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