"Safer Internet Day" 2026:Wenn KI für Kinder zur Freundin wird
von Patrick Müthing
Immer mehr Kinder und Jugendliche nutzen KI im Alltag und manche sehen sie als Freund und Ansprechpartner. Am Safer Internet Day stehen die künstlichen Beziehungen im Vordergrund.
Beim "Safer Internet Day" steht in diesem Jahr KI im Fokus. Viele Schüler nutzen ChatGPT und Co. bereits im schulischen Alltag. Welche Chancen und Risiken bringt dies mit sich?
09.02.2026 | 3:14 minEin Besuch bei den Schülerinnen und Schülern der 7a der Freiherr-vom-Stein-Schule in Hessen. Schüler Johannes erzählt, er nutze KI nicht oft, es fasziniere ihn aber. Damit zu reden sei "wie mit einem Kumpel". Offen, immer nett, fast nie streng.
Fragen könne man alles: Was man kaufen soll, welchen Sport man machen kann, was zu Hause gegen Langeweile hilft.
Nach der JIM-Studie 2025 (Jugend, Information, Medien), gehört KI in der Jugend zum Alltag. 74 Prozent der 12- bis 19-Jährigen nutzen künstliche Intelligenz für Hausaufgaben oder zum Lernen. 70 Prozent nutzen KI zur Informationssuche - 27 Prozent mehr als 2024.
KI-generierte Videos fluten seit Monaten das Internet. Was harmlos beginnt, wird zur Herausforderung für Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Orientierung im Netz.
27.12.2025 | 3:02 minNach den klassischen Suchmaschinen ist ChatGPT das am zweithäufigsten genutzte Mittel für Recherche und Informationsbeschaffung. Die Informationen, die die KI bereitstellt, halten 57 Prozent der Kinder und Jugendlichen dabei für vertrauenswürdig.
Immer mehr Jugendliche verlassen sich auf KI
Maxima lässt sich von der KI Lernzettel erstellen und Rezepte zum Backen oder Kochen geben. Sie nimmt die KI als Freund wahr, auch wenn sie weiß, "dass es ihn eigentlich gar nicht gibt". Dass die KI ihr bei allem zustimmt, gebe ihr ein gutes Gefühl. Bei Bildern könne sie aber manchmal gar nicht erkennen "was real und was fake ist".
Luca ist fasziniert davon, wie schnell KI ist. Auch für ihn ist die KI ein Gegenüber, der immer nett und hilfsbereit ist - wie ein Kumpel. Ein Kumpel, der ihn manchmal auch aufregt, z.B. das eine Mal, als fast die ganze Hausaufgabe falsch war und das der Lehrerin auffiel.
Neuronale Netze sind der Schlüssel für Künstliche Intelligenz. Doch wie sind sie eigentlich aufgebaut? Philip Häusser hat dazu schlüssige Erklärungen parat.
14.02.2018 | 7:26 minCarolina nutzt KI für ihre Hausaufgaben. Abseits der Schule holt sie sich manchmal Tipps für den Alltag, zum Beispiel, wenn sie nicht gut einschlafen kann. Sie freut sich, wenn ChatGPT ihr mit Emojis antwortet. Wenn sie Stress in der Schule hat, fühle sie sich danach ein bisschen entspannter. Super findet sie:
Falls ich niemanden hab zum reden, dann ist der halt immer da.
Carolina, Schülerin 7a
Alle in der Klasse nutzen KI. Dass sie fehleranfällig sein kann, wissen fast alle. Was jedoch niemand in der Klasse beantworten kann: Wie kommt die KI eigentlich auf ihre Antworten?
Safer Internet Day 2026: Medientraining an Schulen
Zum "Safer Internet Day 2026" ist Maja Sommer für ein Medientraining in der Klasse zu Besuch. Zusammen mit den Schülerinnen und Schülern erarbeitet sie Grundlagen zur KI-Nutzung. Sie sprechen darüber, wie KI funktioniert, wann KI im Alltag helfen kann und wann es zur Gefahr wird. Dass die Simulation von Vertrautheit durch Chatbots besonders auf Kinder wirkt, beobachte sie häufig.
Chatbots möchten uns gefallen.
Maja Sommer, Medientrainerin
Diese Bestätigung wünschen sich Menschen auch in der echten Welt, sagt Sommer. Für sie ist wichtig, dass in der Diskussion auch darauf geguckt wird, wie viel Zeit Eltern für ihre Kinder einräumen und wie viel Zeit die Kinder mit ihren Freunden nutzen.
Liebe, ein urmenschliches Gefühl. Doch kann auch KI lieben oder hilft sie nur dabei, den richtigen Partner zu finden? Immer mehr Dating-Apps setzen darauf - mit Erfolg?
24.07.2024 | 2:17 minKinder wünschen sich Bestätigung im Alltag
Ähnliches beobachtet auch Klassenlehrerin Dorthee Dohm. Die Kinder wünschen sich "sehr viel Bestätigung im Alltag", sagt sie. Dies führt sie unter anderem darauf zurück, wie viel Zeit die Kinder zu Hause oder in Fremdbetreuungen verbringen, wie die Familienstrukturen sind und wie groß die Klassen sind.
Zu reflektieren, was im Hintergrund passiert, ist der große Schritt.
Dorthee Dohm
Die KI gäbe den Kindern das Gefühl, so Dohm, dass sie gesehen und gehört werden würden. Es sei ihre Aufgabe, als Lehrerinnen und Lehrer, das zu thematisieren.
Die Anbieter von KI-Modellen überbieten sich gegenseitig mit immer neuen Versionen. Dabei ist der Vergleich von KI-Modellen schwieriger als man vielleicht denkt.
30.03.2024"In künstlicher Beziehung"
In Deutschland steht der "Safer Internet Day" dieses Jahr unter dem Motto "KI and me - in künstlicher Beziehung". Martin Bregenzer, Referent für Medienbildung bei "klicksafe" erklärt, dass das Thema Beziehungen zu KI-Systemen gesellschaftlich noch nicht genug berücksichtigt werde.
Das ist gerade im Kinder- und Jungendalter, wo sich soziale Skills entwickeln, problematisch.
Martin Bregenzer, "klicksafe"
Eltern rät Bregenzer, zu versuchen, den Überblick zu behalten und KI nicht zu verteufeln. Er rät, den Umfang der Nutzung und die sozialen Kontakte im Blick zu behalten. Problematisch sei die Nutzung, wenn die sozialen Kontakte abnehmen.
Auch Tanjev Schulz von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz rät Erwachsenen und Eltern dazu, sich dem Thema anzunähern.
Aus seiner Sicht geht es darum, "sowohl die guten als auch die schlechten Seiten und Möglichkeiten der KI gemeinsam zu erkunden".
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