Wollnashorn: Giganten der Urzeit konnten Eiszeit nicht überleben

Gigant der Urzeit:Warum das Wollnashorn die Eiszeit nicht überlebte

von Bettina Blaß

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Bis zu 80 Kilo Futter am Tag, ein Horn wie ein Schwert, ein Fell wie Kaschmir: Das Wollnashorn war perfekt an seine Umwelt angepasst. Und verschwand dennoch vor etwa 14.500 Jahren.

Computergeneriertes Bild: Eine Gruppe Wollnashörner streift durchs ewige Eis. An der Seite dahinter liegt die graphische Abbildung einer blauen DNA-Doppelhelix.

Das Wollnashorn - ein Gigant der Eiszeit. In einer Höhle im südenglischen Somerset findet ein Team von Paläontologen Hinweise darauf, warum dieses eindrucksvolle Tier ausgestorben ist.

13.11.2025 | 43:47 min

Zwei Meter Schulterhöhe, drei Tonnen Gewicht, zwei spitze, lange Hörner: Das Wollnashorn war ein Gigant der Eiszeit. Vor 50.000 Jahren durchstreiften diese Kolosse die Tundra - von Sibirien über Skandinavien bis zum heutigen Großbritannien. Damals bedeckten riesige Eismassen die Polarregionen und die Meeresspiegel waren niedriger.

In Großbritannien war es zur Zeit der Wollnashörner rund 20 Grad kälter als heute. In der savannenähnlichen Landschaft lebten Millionen von Pflanzenfressern wie Bisons, Rentiere und Wildpferde.

Puzzle aus Knochen aus der Eiszeit

Knochenfunde aus der späten Eisenzeit sind Zeugnisse dieser Zeit. In der Höhle "Gully Cave" in Südwestengland untersucht Paläontologin Danielle Schreve mit ihrem Team seit 2006 außergewöhnlich gut erhaltene bis zu 50.000 Jahre alte Knochen.

Es ist das reinste Puzzle. Man muss alles freilegen, den Knochen bergen und dokumentieren, bevor man mit dem nächsten weitermachen kann.

Danielle Schreve, Paläontologin

Die Wissenschaftler fanden in der Höhle Knochen von Urzeit-Wölfen, Auerochsen, Polarfüchsen und von einem Wollnashorn.

Computergeneriertes Bild: Eine kleinen Gruppe von Triceratops steht auf einer Waldlichtung. An der Seite liegt die grafische Abbildung einer blauen DNA-Doppelhelix.

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13.11.2025 | 43:54 min

Wollnashorn: Ein Fell wie Kaschmir

Die Anatomin Joy Reidenberg vergleicht das Fell der Giganten in der ZDFinfo-Doku "Lost Beasts: Das Wollnashorn" mit dem von Waschbären. Lange, spitze Deckhaare bildeten eine isolierende Schicht über einer weichen, kaschmirartige Unterwolle.

Die Haut bildete spezielle Öle, damit der Pelz wasserabweisend war. Dadurch war das Tier bei Regen geschützt. Vermutlich wechselten Wollnashörner - ähnlich wie die sogenannten Weißwedelhirsche - zwischen dichtem Winter- und dünnerem Sommerfell.

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01.07.2025 | 43:48 min

Wie ein tonnenschwerer Rasenmäher

Ein ausgewachsenes Wollnashorn brauchte täglich rund 80 Kilogramm Grünfutter. Mit gesenktem Kopf zog es wie ein tonnenschwerer Rasenmäher durch die Steppe. Dabei rupfte es die Gräser mit seinen extrem kräftigen Lippen aus dem Boden, denn es besaß keine Vorderzähne.

Aber die Backenzähne der Tiere waren eine biologische Meisterleistung. Im Ober- und Unterkiefer zermalmten je sechs mächtige Zähne harte Steppenpflanzen. Deren Zellwände waren mit Siliciumdioxid verstärkt - dem Hauptbestandteil von Sand. Das Wollnashorn entwickelte deshalb besonders dicken Zahnschmelz.

Sehen Sie die Doku "Lost Beasts: Das Wollnashorn" am 4. August 2026 um 19:30 Uhr bei ZDFinfo oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.


Zwei Hörner als Waffen auf dem Kopf des Wollnashorns

Außerdem hatte das Wollnashorn zwei Hörner: Das größte Horn saß auf der Schnauze und konnte über einen Meter lang werden. Es war flach und geformt wie ein gebogenes Schwert. Ein zweites, etwa 60 Zentimeter langes Horn ragte über den Augen empor.

Computergeneriertes Bild: Ein massiges schwarzes Wollnashorn mit dunklem Fell steht in einer Graslandschaft. Auf seinem Kopf sitzen zwei spitze Hörner, hinten ein kleineres und vorn ein größeres. Auf seinem Rücken ist deutlich ein Fetthöcker zu erkennen.

Wollnashörner starben vor etwa 14.500 Jahren aus. Grund dafür war nicht nur ein sich veränderner Lebensraum, sondern auch die Jagd des Menschen auf die Tiere (Computergenerietes Bild).

Quelle: ZDF

Beide Hörner bestanden wie auch bei heutigen Nashörnern aus Keratin - demselben Material wie menschliche Haare oder Fingernägel. Darum verrotten sie schnell und sind sehr selten als Fossilien erhalten.

Mit ihrem massigen Körper und den Hörnern hatten Wollnashörner kaum natürliche Feinde. Vermutlich fielen vor allem Jungtiere Raubtieren zum Opfer: Sie hatten noch kein Horn.

Computergeneriertes Bild: Ein ausgewachsener Ankylosaurus steht in einem Wald. An der Seite hinter ihm liegt die graphische Darstellung einer blauen DNA-Doppelhelix.

Ein abgelegenes Tal im Süden Chiles: Dort macht ein Forscherteam eine erstaunliche Entdeckung - die Fossilien eines Dinosauriers. Sein ungewöhnliches Aussehen erstaunt die Paläontologen.

13.11.2025 | 43:13 min

Doch das Ende vom Wollnashorn kam

Obwohl das Wollnashorn also nahezu perfekt an seine Umwelt angepasst war, ist es ausgestorben. Denn vor rund 25.000 Jahren breiteten sich Gletscher und tiefer Schnee aus. Ihre kurzen Beine und die massiven Körper waren dafür nicht gemacht. Außerdem fanden sie unter Schnee und Eis kaum Nahrung.

Die Wollnashörner zogen daher in die Steppe Sibiriens zurück. Als dort vor rund 14.500 Jahren die Temperatur anstieg, veränderte sich ihr Lebensraum. Wälder verdrängten die offenen Steppen. Wieder fanden die Wollnashörner kaum Nahrung.

Zudem machte der Mensch Jagd auf die riesigen Steppentiere. Die Speerspitzen aus Feuerstein waren, sowohl auf kurze Distanz als auch über 30 bis 40 Meter geworfen, tödlich.

Letztlich sind viele der riesigen Säugetiere aus zweierlei Gründen verschwunden: Mensch und Klimawandel.

Steve Brusatte, Paläontologe

Riesenfaultier

Während der Eiszeit vor Tausenden Jahren gab es noch den gewaltigen Verwandten des heutigen Faultiers: das Riesenfaultier.

25.01.2021 | 4:53 min

Über dieses Thema berichtete ZDFinfo in der Sendung "Losts Beasts: Das Wollnashorn" am 18.07.2026 ab 01:25 Uhr.

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