Wie in "Jurassic Park":US-Forscher wollen ausgestorbene Vögel neu zum Leben erwecken
von Oliver Klein
Die US-Firma Colossal Biosciences will längst ausgestorbene Tiere wie Dodos neu zum Leben erwecken und so den Artenschwund bekämpfen. Doch Experten warnen vor falschen Hoffnungen.
Die US-Firma Colossal Biosciences plant, ausgestorbene Vogelarten wiederzuerschaffen. Das Startup sagt, mit einer neuen Technologie kämpfe es gegen den Artenschwund.
19.05.2026 | 0:37 minEs klingt wie Science-Fiction, man wird unweigerlich an den Film "Jurassic Park" erinnert. Das Biotech-Unternehmen Colossal Biosciences aus den USA schreibt auf seiner Webseite: "Wir sind bestrebt, den uralten Herzschlag der Natur wieder in Gang zu bringen." Die Mission: Ausgestorbene Arten wieder zum Leben erwecken und so den weltweiten Artenschwund bekämpfen.
Dazu hat das Startup nun eine neue Technologie vorgestellt: ein künstliches Vogelei, in dem künftig Vögel gezüchtet werden sollen - auch solche, die es längst nicht mehr gibt, wie Dodos oder Riesenmoas. Beide Arten wurden von Menschen ausgerottet. Dodos lebten bis vor gut 300 Jahren auf Mauritius, Riesenmoas bis vor etwa 700 Jahren in Neuseeland.
So sah der vor rund 300 Jahren ausgestorbene Dodo aus.
Quelle: ImagoDie riesigen Eier der Vögel sollen nun nachgebildet werden. In Versuchen seien bereits erfolgreich Hühnerküken aus künstlichen Schalen geschlüpft, teilte das Unternehmen mit. In einem aufwändig produzierten Youtube-Clip erklärt Colossal, wie es einen Hühnerembryo aus einem echten Ei nahm und ihn dann in einem künstlichen Ei bebrütete, bis er schlüpfte.
Weltweit arbeiten Forscher daran, Urzeit-Giganten mit Gentechnik wieder zum Leben zu erwecken. Das Ziel: ausgestorbene Tierarten auswildern und so den Artenschutz revolutionieren.
02.01.2025 | 44:58 minUnternehmen will auch Mammuts neu erschaffen
In der Vergangenheit machte Colossal Biosciences bereits Schlagzeilen, etwa als es verkündete, mit moderner Gentechnik Mammuts zurückkehren zu lassen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Colossal-Chef Ben Lamm im ZDF erklärt:
Wir wollen ikonische Arten zurückbringen, bei deren Ausrottung der Mensch eine Rolle gespielt hat.
Ben Lamm, CEO von Colossal Biosciences
Damit sollen "die Sünden der Vergangenheit" rückgängig gemacht werden, so Lamm.
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13.09.2017 | 8:48 minExperten dämpfen die Euphorie
Wissenschaftler stehen den Ankündigungen jedoch skeptisch gegenüber. Der Naturschutzgenetiker Gernot Segelbacher von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg etwa hält den angepriesenen Beitrag zum Vogelschutz für eine "überhöhte Interpretation". Seiner Meinung nach lenken solche Projekte von den eigentlichen Problemen wie dem Verlust von Lebensräumen oder invasiven Arten ab. Segelbacher warnt:
Auch wenn wir im großen Stil züchten würden, beseitigen wir ja nicht die Ursachen für Rückgang und für das Aussterben der Arten.
Gernot Segelbacher, Naturschutzgenetiker der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Er bezeichnet den Grundgedanken, man könne Probleme im Nachhinein durch Wiederbelebung ausgestorbener Arten lösen, als "fatal".
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02.04.2017 | 43:40 minÄhnlich sieht es auch Michael Lierz, Direktor der Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Viele ökologische Nischen, die diese Tiere einst besiedelt haben, würden heute gar nicht mehr existieren, erklärt er. Das würde eine Auswilderung erschweren.
Colossal neigt dazu, seine Ergebnisse sehr überladen zu präsentieren.
Michael Lierz, Professur für Krankheiten der Vögel an der Justus-Liebig-Universität Gießen
Wie das Unternehmen nach außen auftrete, werde "im Feld manchmal als wenig seriös wahrgenommen", so Lierz. Zudem gibt er zu bedenken, dass die Firma keine echten ausgestorbenen Tiere wie den Riesenmoa produziert, sondern genetisch modifizierte Vögel auf Basis existierender Arten wie dem Emu schafft.
Trotz aller Kritik räumt der Experte jedoch ein, dass die Technik mit künstlichen Eiern an sich bereits funktioniere. Das technologische Know-how der Firma und die erzeugte Aufmerksamkeit könnten das Forschungsfeld insgesamt voranbringen, erklärt Lierz.
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