Nur Mut: Wir dürfen auch 2026 Fehler machen | Terra-X-Kolumne

Kolumne

Die Wissens-Kolumne von NANO und Terra X:Für Transformation kämpfen - auch mit Fehlern

von Maja Göpel

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Transformation, Nachhaltigkeit, Entwicklung: Anno 2026 sind das eher sperrige Begriffe. Doch es lohnt sich, dafür zu kämpfen - auch und gerade mit dem Risiko, Fehler zu machen.

Terra X - Die Wissens-Kolumne: Maja Göpel

Quelle: Linda Schäffler

Die Trump-Administration versucht gerade unser Menschenbild und unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit zu verändern: Als ob Naturwissenschaften nicht mehr gelten würden. Als ob es Klimawandel nicht gäbe. Als wäre es völlig normal, grausam zu reagieren anstatt zu kooperieren.

In der Wissens-Kolumne von NANO und Terra X auf ZDFheute beschäftigen sich ZDF-Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten wie Harald Lesch, Mirko Drotschmann und Jasmina Neudecker sowie Gastexpertinnen und Gastexperten jeden Sonntag mit großen Fragen der Wissenschaft - und welche Antworten die Forschung auf die Herausforderungen unserer Zeit bietet.


Warum gerade in akuten Krisen an Transformation denken?

Es gibt eben Zeiten, wo die Art, wie wir Abläufe vorher organisiert haben, unter Druck geraten, also nicht mehr die gewünschten Ergebnisse bringen. Dann stellt sich die Frage: Ab wann sollten wir bewusst versuchen, eine andere Form zu finden - zu trans-form-ieren -, noch bevor die Krise so doll wird, dass Abläufe implodieren und wir ohnehin etwas anderes finden müssen? Das ist "Transformation by Design" statt "by Disaster".

Annahme versus Tatsache: Wer sagt denn, wir wollen das nicht?

Es wird vielfach angenommen, dass die Leute nichts mehr von Nachhaltigkeit hören wollen. Mehrere Studien aus dem Jahr 2025 zeigen aber, dass 55 bis 80 Prozent der Menschen - sei es in Deutschland, Europa oder weltweit befragt - mehr Klimaschutz wollen als jetzt.

Sie sorgen sich nur gleichzeitig durch direkt spürbar steigende Lebenshaltungskosten. Daraus werden schnell unauflösbare Zielkonflikte gemacht, anstatt dass die Politik aufzeigt, wie beispielsweise Energiewende oder Ernährungswende auf beides einzahlen kann, wenn die Maßnahmen klug verbunden werden.

Die ökologische Transformation der Wirtschaft

Die ökologische Wende wird für Deutschlands Unternehmen zur Bewährungsprobe. Die Politik muss die Weichen richtig stellen, damit Klimaschutz und Konkurrenzfähigkeit vereinbar sind.

02.11.2025 | 2:58 min

Alles persönlich zu nehmen, hält uns gefangen

Um mit dem Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun zu argumentieren: Wir können mit verschiedenen Ohren zuhören - also etwas auf sachlicher Ebene hören, auf Beziehungsebene oder auf Appell-Ebene.

Ich glaube, dass unser Appell-Ohr in letzter Zeit zu viel trainiert wurde. Wir fassen sachliche Argumente, zum Beispiel zum Thema Klima, inzwischen allzu schnell als persönlichen Angriff auf, dass wir selbst etwas ändern müssten. Und das wird von Populisten geerntet - dort werden Lebensstilkämpfe hochgepitcht, emotionalisiert, Schuld verteilt.

Das Bild zeigt eine Person im Computerraum die vor einem Bildschirm sitzt. (Symbolfoto)

Maja Göpel ist Transformationsforscherin. Im Interview mit ZDFheute erklärt sie, warum die digitale Unabhängigkeit für Europa so wichtig ist und was dafür getan werden muss.

04.12.2025 | 1:45 min

Man wird ja wohl noch seine Meinung … ändern dürfen!

Dabei gehört es zur offenen Gesellschaft dazu, die eigene Position ändern zu dürfen. Der Ökonom Michael Hüther hat zum Beispiel erklärt, wie er am Anfang für die Schuldenbremse war und dann unter sich verändernden Umständen gesagt hat, jetzt wirke das Instrument in die falsche Richtung: Der Kontext ist jetzt ein anderer und da sollte der Staat mehr Geld ausgeben dürfen.

Schauen wir auf den Kontext, entlastet er uns auch ein Stück von persönlichen Fehlern - weil wir in Rahmenbedingungen oder Pfadabhängigkeiten eingebettet sind, die uns Entscheidungen leichter oder schwerer machen.

Wenn ein Steuersystem beispielsweise bei der Mehrwertsteuer die pflanzlichen Produkte höher besteuert als die tierischen, dann wird es die Preisentscheidung im Zweifel in Richtung der tierischen Produkte drücken. Dann habe ich natürlich trotzdem die Freiheit, entgegen der Preissignale zu kaufen.

Aber konsequenter wäre ein Update, gerade weil Preise so stark beeinflussen: die Nachkriegszeit, wo Milch und Fleisch für alle erschwinglich gemacht werden mussten, ist vorbei, wir essen jetzt zu viel davon. Dann macht doch die pflanzlichen Lebensmittel günstiger, macht die Mehrwertsteuer auf Null.

BMW Autos in einer Reihe

Der Umbruch bei der Autoindustrie samt den Zulieferern trifft die Wirtschaft massiv. Während Massenentlassungen und Werkschließungen drohen, kommen einzelne Firmen besser durch die Krise.

21.01.2026 | 20:44 min

Vier Jahre Legislatur sind zu wenig, um Erfolg zu messen

Die Nachhaltigkeitsforschung hat zu der Frage, warum es so schwer ist, politische Rahmenbedingungen zu verändern - neben der sozial und ökologisch blinden ökonomischen Interpretation der Welt - die Kurzfristigkeit als größte Blockade ausgemacht. Wir wissen, dass Transformationsprozesse kurzfristig anstrengend sind und erst mittelfristig Verbesserungspotenzial zeigen. Dafür gibt es in kurzen Wahlzyklen aber kaum Zuspruch, gerade wenn die Opposition immer von ungerechtfertigten Zumutungen spricht, um Regierende unbeliebt zu machen.

Wirtschaftssystem aktualisieren

Wir sprechen seit 50 Jahren davon, dass unser Wirtschaftssystem so nicht mit Planetaren Grenzen zusammenfindet und damit große Risiken einhergehen. Der heutigen Ökonomie würde ich gern die Bitte aussprechen, das nicht weiter so konsequent aus den Modellrechnungen und Kennzahlen auszublenden: Wir leben nicht mehr im 19. Jahrhundert, der Kontext von Adam Smiths Überlegungen existiert nicht mehr.

Scheitern als Chance

Jeder ist schon mal gescheitert. Fehler gehören zum Leben dazu. Trotzdem ist Scheitern für viele mit Scham, Trauer und Schmerz verbunden. Wie kann man das als Chance nutzen?

15.10.2023 | 26:57 min

Parameterwandel: Zeit und Lebensqualität wichtiger als Geld

Zu dem veränderten Kontext gehört auch, dass viele Menschen längst genug haben. Trotzdem schauen wir bei Verzicht immer nur, dass du etwas loslassen sollst und messen Fortschritt in Geldsummen, anstatt nach Wohlstand zu fragen: Wie erlebe ich den Alltag, was ist mein Zugewinn an Lebensqualität?

Harald Lesch steht vor Kleeblatt mit Marienkäfer.

Glück ist kein Zufall, wir können es selbst gestalten. Was passiert im Körper, wenn wir glücklich sind? Lässt sich das Gefühl künstlich erzeugen? Die Forschung zeigt: Viele Wege führen zum Glück.

12.01.2026 | 28:33 min

Gegen die Ohnmacht: Was können wir alle tun?

Vor allem gilt es, die positive Zukunftsvision zu verteidigen. Sich nicht in diese Defensive drängen zu lassen. Als wäre das jetzt vorbei, nur weil es gerade schwerer wird zu erreichen. Die positive Vision, wie wir auf einem Planeten langfristig für möglichst viele Menschen ein gutes Leben anbieten können, ist weiterhin wissenschaftlich fundiert. Und wenn der eine Weg nun verstellt ist, versuchst du einen anderen, vielleicht musst du auch mal drei Tage chillen. Und dann hast du wieder ein bisschen mehr Energie.

Das beste Mittel gegen Ohnmacht ist, selbst aktiv zu werden. Und da gehört Veränderungsbereitschaft ebenso mit dazu wie eine Willkommenskultur für Fehler.

Maja Göpel auf einem Panel in Köln.
Quelle: action press

… ist Politökonomin, Transformationsforscherin und Nachhaltigkeitsexpertin. Sie ist Professorin an der Leuphana Universität Lüneburg. Göpel ist Mitbegründerin von "Scientists4Future" und hat zahlreiche Bücher veröffentlicht.


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Über dieses Thema berichtete Terra X in dem Beitrag "Deep Talk mit Lesch: Wofür kämpfen wir?" am 14.01.2026 ab 18 Uhr.

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