Die giftigste Schlange der Welt:Der tödliche Weg zum Gegengift gegen den Taipan
von Rebecca Ricker
Wenn man heute von einer Giftschlange gebissen wird, gibt es in vielen Fällen ein Gegengift. Doch bis dahin war es ein langer Weg: Wer beim Taipan dafür sein Leben opferte.
Der Umgang mit tödlichen Substanzen wie Arsen, Schlangengift und Pestiziden kostete Forschende das Leben. Doch ihre Erkenntnisse leben weiter und prägen noch immer die heutige Wissenschaft.
24.09.2025 | 43:38 minFrüher konnten Ärzte bei einem giftigen Schlangenbiss wenig tun: Man versuchte, das Gift herauszusaugen oder amputierte im Extremfall das Körperteil. Erst im späten 19. Jahrhundert begann die Entwicklung von Gegengiften.
Das Prinzip: Man injiziert Schlangengift zum Beispiel in ein Kaninchen. Dort entstehen Antikörper. Diese Antikörper spritzt man dem Menschen, der gebissen wurde. Die Antikörper fangen das Gift ein.
"Plötzlich war der Biss einer Giftschlange kein Todesurteil mehr", sagt der Geschichtsjournalist James Ellis in der ZDFinfo-Doku "Wissenschaft extrem - Lautlose Killer". Doch um das Gift der Schlangen zu bekommen, musste man sie lebendig ins Labor bringen - ein gefährliches Unterfangen.
Tausende Menschen sterben jährlich in Kenia durch Bisse von Giftschlangen - die Gefahr ist real. Betroffene wählen zwischen traditioneller Heilkunst und moderner Medizin.
23.04.2026 | 3:36 minDer Taipan - die giftigste Schlange der Welt
In Australien gibt es eine Schlange, vor der sich die Menschen besonders gefürchtet haben: den Taipan. Die bräunliche Schlange wird bis zu zweieinhalb Meter lang und ist sehr scheu. Europäische Siedler hielten das Reptil zunächst für einen Mythos. Doch als sie ihre Zuckerrohrplantagen weiter ausbreiteten, kam es zu mehreren Todesfällen. In den 1940er-Jahren brach in Australien eine Taipan-Hysterie aus.
Denn der Taipan ist extrem tödlich: Die Giftmenge eines Bisses würde ausreichen, um 100 Menschen zu töten. Das Gift greift das Nervensystem an und kann innerhalb kurzer Zeit zu Lähmungen führen.
Je nachdem, wo man gebissen wurde, bekam man nach 30 Minuten Symptome, und nach 45 Minuten war man tot.
Elizabeth Koester, Wissenschaftshistorikerin
Hunderte Schlangen, teils sogar giftige, bedrohen eine Region in Südchina. Die Tiere sind nach heftigen Unwettern aus einer Zuchtfarm entkommen. Behörden raten: Die Tiere nicht selber einfangen.
08.07.2026 | 0:36 minIn Australien fehlte ein Gegengift beim Taipan-Biss
Ab 1930 gab es in Australien erstmals ein Gegengift gegen Schlangenbisse. Es war jedoch ausschließlich gegen das Gift der Tigerotter wirksam. Denn jedes einzelne Schlangengift braucht ein individuelles Gegengift.
Wenn man damals von einer Schlange gebissen wurde, hat man gebetet, dass es eine Tigerotter war, weil es nur dieses eine Gegengift gab.
Tony McMahon, Historiker
Für den Taipan-Biss gab es kein Gegengift. Denn niemand hatte es geschafft, die Schlange lebendig zu fangen. Das wollte ein junger Australier versuchen.
Sehen Sie die Doku "Extreme Wissenschaft - Lautlose Killer" am 16. August ab 9 Uhr bei ZDFinfo oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.
Der Schlangenfänger Kevin Budden
Kevin Budden wurde 1930 in New South Wales geboren. Schon als Teenager jagte er Schlangen - ausgerüstet nur mit Sandalen und einem Leinensack.
Die Leute haben diese gefährlichen Tiere ohne Schutzausrüstung gefangen. Es gab keine Sicherheitsstandards.
Emily Rondel, Biologin
Touristen müssen die ungiftige, aber bei Gefahr aggressive Hufeisennatter nicht fürchten. Die invasive Art breitet sich aber schnell aus und bringt das Ökosystem auf den Balearen durcheinander.
11.06.2026 | 2:04 minBudden war fest entschlossen: Er wollte einen Taipan fangen. 1950 fuhr er dafür nach Cairns, in den Nordosten Australiens. Auf einer Schutthalde außerhalb der Stadt war eine große, braune Schlange gesichtet worden. Stundenlang suchte Budden im Schutt. Dann entdeckte er sie.
Der Kampf von Budden mit dem Taipan
Budden trat auf den Taipan und hielt den Kopf der Schlange fest. Doch die Schlange wickelte sich um seinen Arm, sodass er sie nicht in den Beutel stecken konnte. Er lief zur Straße, hielt ein Auto an und ließ sich zu einem Schlangenforscher fahren.
Er musste den Kopf der Schlange mit aller Kraft festhalten, um nicht gebissen zu werden. Jeden Moment der Schwäche hätte die Schlange ausnutzen können.
Tony McMahon, Historiker
Als Budden erneut versuchte, den Taipan in den Beutel zu stecken, biss die Schlange zu. Die Wunde aufzuschneiden und das Gift auszusaugen, hielt Budden nicht für nötig, sagt der Geschichtsjournalist James Ellis: "Er glaubte, dass die Leute nicht an dem eigentlichen Schlangenbiss, an dem Gift, sterben, sondern an der Angst davor." Budden blieb ruhig. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, doch die Ärzte konnten den 20-Jährigen nicht retten.
Sein Einsatz war aber nicht umsonst: Mithilfe des Gifts dieses Taipans konnte ein Gegengift entwickelt werden. Dank Buddens Opfer muss ein Taipan-Biss heute kein Todesurteil mehr sein.
Wandernder Sand, eisige Meere, speiende Vulkane: In der Geschichte wagten sich tollkühne Entdecker in so manch unerbittliche Landschaft und riskierten dabei ihr Leben.
02.10.2025 | 44:21 minMehr zu Wissenschaft extrem
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