Verein "Wirtschaft für ein weltoffenes Deutschland" startet

Initiative aus der Wirtschaft:Warum sich Unternehmen für Weltoffenheit einsetzen

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Rund 2.500 Firmen gründen in Berlin den Verein "Wirtschaft für ein weltoffenes Deutschland". Initiatorin Sylvia Pfefferkorn erklärt im ZDFheute-Interview Ziele und Motive.

Gründungsveranstaltung

Mit einer Gründungsveranstaltung in Berlin startet heute der Verein "Wirtschaft für ein weltoffenes Deutschland".

01.09.2026 | 1:46 min

Der Verein "Wirtschaft für ein Weltoffenes Deutschland" soll die Bemühungen der Wirtschaft für Demokratie bündeln. ZDFheute hat mit Initiatorin Sylvia Pfefferkorn über Motive und Ziele gesprochen.

ZDFheute: Frau Pfefferkorn, heute gründet sich ein neuer Verein: "Wirtschaft für ein weltoffenes Deutschland". Was möchten Sie mit diesem neuen Verein bewirken?

Sylvia Pfefferkorn: Wir möchten, dass sich unternehmerische Initiativen strukturell vernetzen. Vor zehn Jahren haben wir "Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen" gegründet. Damit waren wir viele Jahre die alleinigen Rufer im Land. Seit zwei Jahren gibt es in unterschiedlichen Regionen Nachahmerverbände. Und dass diese sich nun alle zusammentun, freut uns unheimlich.

ZDFheute: Was ist das Ziel?

Pfefferkorn: Unternehmen haben eine große Vorbildfunktion. Rund 74 Prozent der Menschen sagen, sie vertrauen ihrem eigenen Arbeitgeber am meisten. Mehr als der Politik und den Medien. Daraus folgt, dass Unternehmen durchaus ein Recht, aber auch eine Verantwortung haben, sich hier einzumischen.

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ZDFheute: Wie helfen Sie Unternehmen dabei, Verantwortung im demokratischen Sinne zu übernehmen?

Pfefferkorn: Zum einen bieten wir den Unternehmen ein großes Netzwerk und die Sicherheit, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Zum anderen haben wir klare Bildungsformate. Unternehmen merken selbst, dass sich die Polarisierung, die wir in der Gesellschaft erleben, auch im Unternehmen widerspiegelt.

Da ist ein vernünftiger Diskurs wichtig - täglich an der Kaffeemaschine, in der Kantine. Denn wenn Menschen miteinander gut arbeiten wollen, dann müssen sie in der Lage sein, auch unterschiedliche Meinungen auszuhalten und mit unterschiedlichsten Menschen zusammenzuarbeiten.

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ZDFheute: Sie haben vor zehn Jahren mit "Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen" gestartet. Warum?

Pfefferkorn: Der große Auslöser waren die Ausschreitungen, die wir in Sachsen erlebt haben. Die sind weltweit durch die Presse gegangen. Dann haben sich ein paar wenige Unternehmen zusammengeschlossen, weil sie ein anderes, gastfreundliches Bild von Sachsen zeichnen wollen. Uns war damals schon klar, dass das keine kurzfristige Kampagne sein kann, sondern dass wir tatsächlich langfristig an diesem Thema arbeiten müssen, weil rechtsextreme Ausschreitungen und Rassismus nicht einfach weggehen.

Rund 2.500 Unternehmen aus ganz Deutschland setzen mit der Gründung des Vereins "Wirtschaft für ein weltoffenes Deutschland" ein Zeichen für Demokratie und Weltoffenheit. Damit entsteht erstmals in Deutschland eine strukturierte Vernetzung unternehmerischer Initiativen. Ziel: klare Position zu beziehen für ein demokratisches, vielfältiges und wirtschaftlich starkes Deutschland im Zentrum Europas.


ZDFheute: Aber vielen Unternehmen ist ein Engagement auch zu heikel, oder?

Pfefferkorn: Anfangs hatten die Unternehmen die Befürchtung, dass ihnen die Fachkräfte wegrennen. Das ist heute vollkommen anders. Heute ist man sich bewusst, dass man sich für die demokratischen Grundwerte einsetzen muss. Investition in die Demokratie ist auch immer eine Investition in das Gelingen des eigenen Geschäftserfolgs.

Sylvia Pfefferkorn
Quelle: ZDF

... ist 61 Jahre alt und Unternehmerin aus Dresden. 2016 hob sie den Verein "Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen" aus der Taufe, in dem sich viele sächsische Unternehmen für Toleranz und Vielfalt einsetzen. Aus diesem Engagement heraus gründet sich nun "Wirtschaft für ein weltoffenes Deutschland". Pfefferkorn ist die Vize-Vorstandssprecherin des Vereins.


ZDFheute: Wie können Unternehmen agieren, wenn Teile Ihrer Belegschaft die freiheitlich-demokratische Grundordnung infrage stellen?

Pfefferkorn: Es ist wichtig, dass man mit allen Menschen spricht - welche Einstellungen sie auch immer haben. Wir müssen Weltoffenheit und die Vorteile von Demokratie in die Belegschaft kommunizieren. Unternehmen können Vielfalt fördern. Sie können Bildungsangebote machen und sie können sich ganz klar pro Demokratie positionieren. Das erwartet auch die Mehrzahl der Mitarbeitenden. Wenn man sich nicht positioniert, dann hat man eigentlich schon einer anderen Position zugestimmt.

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ZDFheute: Welche Rolle spielt Ihre eigene Biografie in Ostdeutschland für Ihr heutiges Engagement?

Pfefferkorn: Eines der ersten Länder, was ich nach der Wende besucht habe, waren die USA. Das Sehnsuchtsland der Freiheit. Seitdem hat Demokratie, Freiheit und Verantwortung für mich ganz viel miteinander zu tun. Wir dürfen uns nicht umschauen und fragen: Wer rettet die Demokratie? Wer soll denn jetzt mal für Freiheit einstehen? Wer soll weltoffen sein? Wir dürfen uns nicht nach anderen umschauen, sondern wir schauen einfach in den Spiegel. Und das ist das Wichtigste.

Das Interview führte Cornelia Schiemenz.

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Quelle: ZDF
Über das Thema berichtete heute in Deutschland am 01.09.2026 um 14:00 Uhr.

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