Vorwürfe von Tierschützern an Hermès:Krokodile leiden offenbar für die Birkin Bag
von Christian Bock
Handtaschen von Hermès sind das Luxusaccessoire schlechthin. Doch für sie und andere Produkte werden zehntausende Krokodile offenbar unter fragwürdigen Bedingungen gezüchtet.
Luxuskonzerne verkaufen mehr als nur ihre Produkte. Es geht um Status und Exklusivität. Hinter den Kulissen dreht sich aber viel um Gewinnmargen, Billigarbeit und fragwürdige Rohstoffe.
24.08.2026 | 44:15 min"Luxus geht immer". Obwohl dieses Börsenmantra gelitten hat, sind zumindest einige der großen Marken nach wie vor stabil am Markt. Wie etwa Hermès. Gegründet 1837 als Sattlerei rühmt sich die Manufaktur bis heute ihrer handwerklichen Tradition.
Das begehrteste Objekt der Marke ist die Birkin Bag. Benannt nach der Schauspielerin Jane Birkin kostet eine Tasche in der Basisversion knapp 10.000 Euro. Wenn man sie überhaupt bekommt, die Wartelisten sind lang.
Sonderanfertigungen der Birkin-Handtasche aus exotischem Leder erzielen Preise von bis zu 300.000 Euro. Um die Nachfrage nach makellosem Kroko-Leder zu bedienen, nutzt der Konzern im großen Stil Krokodilfarmen.
Warum geben so viele ein Vermögen für Luxuswaren aus? Pia Osterhaus testet, mit welchen Tricks die Edel-Marken selbst Normalverdiener verführen.
03.06.2025 | 43:39 minKrokodilfarmen: Massentierhaltung in Australien
Mitten im australischen Northern Territory kontrolliert Hermès inzwischen mehr als die Hälfte der dortigen Produktion von Salzwasserkrokodilen. Die Zucht gleicht einer Fabrik: In der Wildnis gesammelte Eier werden in klimatisierten Laboren ausgebrütet, um die Jungtiere anschließend für die Lederproduktion zu mästen.
"Hermès gilt, mit vielen anderen Luxusunternehmen, als schlechtes Beispiel beim Thema Tierschutz", erklärt Thomas Pietsch, Tierschutz-Experte bei Vier Pfoten e.V., in der ZDFinfo-Doku "Die unheimliche Macht der Konzerne: Giganten des Luxus".
Das hängt vor allem damit zusammen, dass Hermès noch sehr viele Wildtiermaterialien nutzt oder nicht aktiv ausschließt.
Thomas Pietsch, Tierschutz-Experte
Multinationale Lebensmittelkonzerne bestimmen unseren Alltag. Sie liefern Produkte für Milliarden Menschen und dominieren globale Märkte. Doch ihre Macht ist meist unkontrolliert.
24.08.2026 | 44:03 minAuf den Hermès-Farmen werden vermutlich zehntausende Krokodile gehalten. Zahlen veröffentlicht Hermès nicht, die Schätzungen beruhen auf Abwasseruntersuchungen. Die Tiere leben unter Bedingungen, die von Experten massiv kritisiert werden. Aufnahmen von Tierschutzorganisationen zeigen die offensichtlich nicht artgerechte Haltung.
Sehen Sie die dreiteilige Doku-Reihe "Die unheimliche Macht der Konzerne" am 9. September ab 20:15 Uhr bei ZDFinfo oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.
Leid für Leder
Videos zeigen: Auf Farmen werden die Reptilien in engen Betonbecken gehalten. Um zu verhindern, dass die wertvolle Bauchhaut durch Kämpfe oder Interaktionen mit Artgenossen Kratzer bekommt, leben die Tiere in einem späteren Stadium oft vollständig isoliert.
Bilder aus einer Krokodilfarm in Australien, heimlich aufgenommen von einer Tierschutz-Initiative.
Quelle: Farm Transparency Projekt"Die Tiere werden auf engstem Raum gehalten, die haben eigentlich keinen Platz", sagt Pietsch. Es gebe keinerlei Enrichment oder Beschäftigung für die Tiere.
Alles in allem ist es einfach Tierquälerei und sollte nicht passieren.
Thomas Pietsch, Tierschutz-Experte
Hermès verweist bei der Beurteilung von Krokodilfarmen auf Zertifikate, die häufig offenbar von der Industrie selbst mitformuliert wurden. "Das heißt, die Krokodilfarmer können sich selber Vorgaben geben", erklärt Thomas Pietsch. Da spielten natürlich kommerzielle Interessen und die Einfachheit der Handhabung sowie das Sparen von Geld für die Produktion eine maßgebliche Rolle, ergänzt der Tierschutz-Experte.
Trotz engagierten Tierschutzes gibt es sie noch immer in Europa: Nerzfarmen. Norwegen ist ab dem 1. Februar 2025 die 14. europäische Nation, die Pelztierzucht verbietet.
31.01.2025 | 1:51 minWer vom Geschäft mit Luxusleder profitiert
Während die Preise für die fertigen Taschen in Paris oder New York tausende Euro oder Dollar kosteten, profitiere die lokale Bevölkerung oder die Arbeiter auf den Farmen kaum von diesem Reichtum. Nur ein Bruchteil des Verkaufspreises bleibe am Anfang der Wertschöpfungskette hängen, meint Thomas Pietsch.
"Wenn man sich bewusst macht, wie der Gewinn über die Wertschöpfungskette verteilt ist, hat man vielleicht schon den Eindruck, dass das teilweise auch ein bisschen obszön ist", sagt Pietsch.
Was sie abbekommen von dem Preis einer Handtasche, die vielleicht 30.000 Euro kostet, ist ein Bruchteil.
Thomas Pietsch, Tierschutz-Experte
Hermès selbst streitet die Verwendung von Krokodilleder aus australischen Farmen nicht grundsätzlich ab, hat aber, soweit bekannt, keine unabhängigen Prüfungen durch Tierwohlorganisationen durchführen lassen. Auf Anfragen der Redaktion hat sich der Konzern nicht geäußert.
Multinationale Transportunternehmen kontrollieren die Warenströme der Weltwirtschaft. Sie beherrschen die Wege auf See und Land oder die Reisen von Millionen Flugpassagieren.
24.08.2026 | 44:18 minMehr zum Thema Luxus
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