US-Unternehmen setzt auf Einwegflaschen:200.000 Flaschen am Tag: Coca-Cola und das Plastikproblem
von Christian Bock
Plastikmüll ist ein globales Problem. Meist lässt sich die Herkunft der Stoffe nicht mehr nachvollziehen. Doch wenn, dann sind es oft Produkte von Coca-Cola.
Multinationale Lebensmittelkonzerne bestimmen unseren Alltag. Sie liefern Produkte für Milliarden Menschen und dominieren globale Märkte. Doch ihre Macht ist meist unkontrolliert.
24.08.2026 | 44:03 minJames Quincy, bis vor kurzem der CEO von Coca-Cola, verkündete im Januar 2018: "Die Welt hat ein Verpackungsproblem - und wie alle Unternehmen tragen wir eine Verantwortung, es zu lösen." Doch der Konzern gilt seit Jahren als größter Plastiksünder der Welt.
Jede Minute produzieren Anlagen des Konzerns rund 200.000 Plastikflaschen. In der Werbung hingegen erscheinen oft Glasflaschen - offenkundig, weil sie "frischer" und authentischer wirken. Obwohl der Konzern schon 1971 in eigenen Studien feststellte, dass Glasflaschen robust und gut wiederverwertbar sind, setzt die Firmenleitung seit Jahrzehnten vermehrt auf Plastik. Und wo es geht ohne konkrete Rücknahmeverpflichtung.
2024 wurde das Unternehmen zum sechsten Mal in Folge von der Organisation "Break Free From Plastic" als der weltweit größte Plastikverschmutzer identifiziert. Coca-Cola-Produkte machen weltweit mehr als zehn Prozent des identifizierbaren Plastikmülls aus.
Um zusätzliche Einnahmen für den Haushalt zu generieren, will die Bundesregierung die Alkohol- und die Tabaksteuer erhöhen. Neu hinzukommen sollen eine Plastiksteuer und eine Zuckersteuer.
06.07.2026 | 1:41 minMilliarden für das Image von Coca-Cola
Heute erwirtschaftet der Konzern mit über 4.000 Produkten in fast jedem Land der Erde einen Jahresumsatz von insgesamt rund 46 Milliarden US-Dollar. Ein erheblicher Teil dieses Erfolgs basiert auf massiven Marketingausgaben.
Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Olivier de Schutter, sieht darin eine gefährliche Entwicklung: "Ein Unternehmen wie Coca-Cola hat die Macht, Konsumverhalten zu steuern, indem es seine Produkte begehrenswert macht. Coca-Cola ist eine globale Marke, die wirklich jeder kennt."
Coca-Cola, Kellogg's, Maggi: Sebastian Lege deckt die Tricks der größten Lebensmittelkonzerne auf. Wie hat Coca-Cola es geschafft, so unendlich beliebt zu werden?
10.03.2024 | 43:32 minDie Prioritäten sind bei Coca-Cola ungleich verteilt. Allein im Jahr 2019 betrug das Budget für Werbung und globales Marketing 4,24 Milliarden US-Dollar. Dagegen flossen in drei Jahren gerade mal elf Millionen US-Dollar in Initiativen zur Reinigung von verdreckten Flüssen und Ozeanen.
Sehen Sie die dreiteilige Doku-Reihe "Die unheimliche Macht der Konzerne" am 9. September ab 20:15 Uhr bei ZDFinfo oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.
Widerstand gegen Mehrwegflaschen
Trotz offizieller Nachhaltigkeitsversprechen wie der Initiative "World Without Waste" wirft die Deutsche Umwelthilfe (DUH) dem Konzern aus den USA vor, ökologische Lösungen systematisch zu bremsen. Historisch habe der Kampf gegen das Mehrwegsystem bereits in den 80er-Jahren begonnen, als Coca-Cola mehr und mehr Glasflaschen durch Einwegplastik ersetzte, so die Deutsche Umwelthilfe.
"Das Problem, das Coca-Cola beim Mehrweg hat, ist, dass sie einen höheren Aufwand bei der Logistik haben", erklärt Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH, in der ZDFinfo-Doku "Die unheimliche Macht der Konzerne: Giganten des Konsums". Weshalb sie auf Einwegflaschen setzten, so Metz.
Ökologisch gesehen ist das ein absolutes Desaster.
Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe
Plastik schadet der Gesundheit stärker als gedacht. Eine Studie zeigt, dass Emissionen aus dem Plastik-Lebenszyklus weltweit immer mehr gesunde Lebensjahre kosten könnten.
27.01.2026 | 0:27 minRecycling als Lösung?
Die Getränkeindustrie bewirbt Recycling als Allheilmittel. Doch Wissenschaftler warnen, dass gesammeltes Plastik wegen der unterschiedlichen Materialien nur "Downcycling"-Produkte ergebe.
Vermeiden ließe sich dies nur durch strikte Vorgaben und ein funktionierendes Mehrwegsystem, in dem die Hersteller die Verantwortung für die Qualität der Materialien tragen. Zudem haben bei weitem nicht alle Länder der Erde verbindliche Recyclingvorgaben oder Anlagen zur sachgerechten Verarbeitung von Plastik.
Fernab jeglicher Zivilisation - in der arktischen Tiefsee - sammelt sich immer mehr Mikroplastik an. In einem Tiefsee-Observatorium wird geforscht, wie stark die Vermüllung voranschreitet.
08.06.2026 | 1:25 minCoca-Cola schwächt Recycling-Vorgaben ab
Der Coca-Cola-Konzern selbst hat bis Redaktionsschluss nicht auf Fragen geantwortet und einen angekündigten telefonischen Kontakt nicht weiterverfolgt. In ursprünglich ehrgeizigen Statements von 2022 zur Recyclingstrategie heißt es unter anderem: "Wir streben im Rahmen unserer 'World Without Waste'-Initiative an, bis 2030 für jede verkaufte Flasche eine gleichwertige Verpackung zu sammeln und zu recyceln."
In späteren Berichten hat der Konzern dieses Vorhaben deutlich abgeschwächt. Im "2025 Sustainability Update" ist für 2035 nur noch von einer Quote von 70 bis 75 Prozent die Rede.
Seit August 2026 gelten in der EU einheitliche Regeln für Verpackungen. Das Ziel: Abfälle zu reduzieren und die Recyclingfähigkeit zu verbessern. Was bedeutet das für Unternehmen und Verbraucher?
14.08.2026 | 2:05 minMehr zum Thema Plastik und Recycling
Biologisch abbaubar und kompostierbar:Wie gut ist Bioplastik für die Umwelt?
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Kritik an Umweltministerium:Programm für mehr Recycling bleibt hinter Erwartungen zurück
von Johannes Liebermit Video2:34 Forschungsprojekt in Edinburgh:Bakterien machen aus Plastikflaschen Schmerzmittel
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