Reformpläne: Wie sie sich auf die Jungen auswirken könnten

Vorhaben der Bundesregierung:Wie die Reformpläne junge Menschen treffen

von Christian Hauser

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Die Bundesregierung verspricht Reformen. Was junge Menschen entlastet und wo neue Kosten auf sie zukommen könnten. Ein Überblick über drei offene Baustellen.

Deutscher Bundestag

Die Bundesregierung plant umfassende Reformen. Welche Auswirkungen das auf die kommenden Generationen hat.

04.06.2026 | 0:44 min

Die Bundesregierung muss Prioritäten im Bundeshaushalt setzen und entscheidet aktuell über künftige Belastungen. Für junge Menschen entsteht ein schwieriger Dreisprung: höhere Abgaben, weniger Entlastung und eine unklare Zukunft.

1. Studium und Ausbildung: Was junge Menschen konkret entlasten würde

Beispiel WG-Zimmer: Die Durchschnittsmiete lag im vergangenen Jahr dem Institut der deutschen Wirtschaft zufolge bei gut 500 Euro. Im Bafög-Satz sind lediglich 380 Euro für Wohnen vorgesehen.

Es sei "kein Drama, wenn Studierende neben dem Studium jobben", sagte Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) jüngst den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Sie gehe nicht mehr von der eigentlich im Koalitionsvertrag vorgesehenen Bafög-Erhöhung aus.

Das Bafög-Beispiel zeigt: Wenn Reformen verschoben werden, dann ist dies keine abstrakte Haushaltsfrage. Es zeigt, wie unmittelbar das Leben der jungen Generation beeinflusst wird.

Für viele Studierende ist Arbeiten während des Studiums längst Alltag - nicht immer freiwillig. Wer viel dazuverdienen muss, hat weniger Zeit fürs Studium.

Der Ökonom Carl Mühlbach, Geschäftsführer der NGO FiscalFuture, die sich für eine Wirtschafts- und Finanzpolitik im Interesse junger Menschen einsetzt, warnt deshalb vor einem Ausbleiben der Bafög-Reform:

Das Bafög ist eines der wichtigsten Instrumente für mehr Bildungsgerechtigkeit.

Carl Mühlbach, Wirtschaftswissenschaftler, FiscalFuture

Auch Auszubildende leiden unter gestiegenen Kosten. Möglichkeiten zur Verbesserung der Situation vieler junger Menschen, die immer wieder diskutiert werden, sind: ein einfacherer Zugang zum Bafög und eine Erhöhung der Wohnkostenpauschale, höhere Mindestausbildungsvergütungen oder auch (höhere) Zuschüsse zur Mobilität.

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2. Rente: Wie junge Menschen eine mögliche Reform trifft

Im ersten Moment klingen 1,3 Prozentpunkte überschaubar. Um diesen Wert sollen nach Berechnungen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung im Jahr 2028 steigen.

Das macht für Arbeitnehmer bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von zum Beispiel 4.000 Euro jedoch eine Mehrbelastung von 312 Euro pro Jahr. In den kommenden Jahren soll der Satz weiter steigen.

In Deutschland wird die gesetzliche Rentenversicherung als Teil des Bruttolohns berechnet. Der Beitragssatz beträgt derzeit 18,6 Prozent des Bruttoeinkommens. Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen den Beitrag jeweils zur Hälfte. Der Beitrag zur Rentenversicherung gehört zu den Sozialabgaben und wird direkt vom Bruttolohn einbehalten.


Ökonom Mühlbach blickt trotz steigender Beiträge, die Berufseinsteiger noch über viele Jahre hinweg zahlen müssen, grundsätzlich optimistisch in die Zukunft:

Die gesetzliche Rente ist deutlich besser als ihr Ruf.

Carl Mühlbach, Wirtschaftswissenschaftler, FiscalFuture

Auch die junge Generation werde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die gesetzliche Rente erhalten, sagt Mühlbach.

Junge Erwachsene können jedoch nicht sicher sein, ob das Rentenniveau zu ihrem Arbeitsende noch ähnlich hoch sein wird wie heute. Unsicherheit gibt es auch über das Renteneintrittsalter.

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3. Schulden: Investition in die Zukunft oder Rechnung für später?

Einige Ökonomen sehen neue Schulden nicht als gleichbedeutend mit einer steigenden Last für künftige Generationen. Entscheidend sei, für welche Zwecke das Geld ausgegeben wird.

Bei Ausgaben des Staates kann zwischen konsumtiven und investiven Ausgaben unterschieden werden.

Konsumtive Ausgaben finanzieren aktuelle Ausgaben mit einem kurzfristigen Nutzen. Aktuelle Beispiele: Mütterrente, Tankrabatt.

Investive Ausgaben finanzieren Investitionen, die langfristig einen Nutzen bringen und Vermögenswerte schaffen sollen. Beispiel: Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Digitalisierung.


Von aktuell aufgenommenen Schulden könnten junge Menschen später profitieren, wenn das Geld für Schulen, Bahnstrecken oder auch Digitalisierung eingesetzt wird. Ökonom Clemens Fuest, Präsident des ifo-Instituts, kritisiert im Hinblick auf das 500 Milliarden schwere Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz bei ZDFheute live aber: "In der aktuellen Finanzplanung sehe ich nicht, dass Schulden zu 100 Prozent in Investitionen fließen."

Es bestehe die Gefahr, in ein paar Jahren mit höheren Schulden, aber ohne sanierte Infrastruktur dazustehen, so Fuest. In den kommenden Jahren wird immer mehr Geld im Bundeshaushalt für die Zahlung von Zinsen aufgewendet werden müssen. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft wird es im Jahr 2030 knapp jeder fünfte Euro sein, was den Spielraum einschränken wird.

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Im Juli plant die Bundesregierung den Entwurf für den Bundeshaushalt 2027 zu beschließen. Außerdem soll die Rentenkommission bis Ende Juni Reformvorschläge vorlegen. Dann dürfte klarer werden, wie groß der Teil der Rechnung ist, den die junge Generation tragen wird.

Christian Hauser ist Redakteur beim ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.

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Über dieses Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag "Wie Reformen die Jungen beeinflussen" am 04.06.2026 um 06:25 Uhr.

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