Amazon droht Millionen-Strafzahlung wegen Preiskontrollen

Mechanismen zur Preiskontrolle:Kartellamt verlangt Millionen-Strafzahlung von Amazon

|

Wegen zu weitreichender Preiskontrolle von Drittanbietern soll Amazon in Deutschland fast 59 Millionen Euro zahlen. Der Konzern kritisiert die Entscheidung als "beispiellos".

Das Logo und der Schriftzug vom Onlineversandhändler Amazon sind an der Fassade der Zentrale von Amazon Deutschland zu sehen.

Amazon soll wegen rechtswidriger Preiskontrollen 59 Millionen Euro zahlen, so das Kartellamt. Da der Konzern selber als Händler auftrete, dürfe er keinen Einfluss auf die Preise nehmen.

05.02.2026 | 0:35 min

Der US-Konzern Amazon soll in Deutschland fast 59 Millionen Euro wegen kartellrechtlicher Verstöße zahlen. Das Bundeskartellamt untersagte Amazon am Donnerstag die Preiskontrolle von Drittanbietern auf seiner Händlerplattform.

Da der Konzern auch selber als Händler auftrete, dürfe er nicht zugleich Einfluss auf die Preise nehmen, erklärte Kartellamtschef Andreas Mundt. Als Ausgleich für den auf diese Weise unrechtmäßig erlangten Vorteil soll Amazon zahlen. Der Konzern kündigte umgehend an, er werde das "entschieden" anfechten.

Ein Amazon-Go Geschäft in einer Mall in Manhatten am 28.01.2026 in New York.

Amazon hat weitere Stellenstreichungen angekündigt. 16.000 Jobs sollen weltweit wegfallen.

28.01.2026 | 0:35 min

Amazon-Mechanismen bewerten Preishöhe

Amazon setze zur Überprüfung der Preise von Dritthändlern, die auf dem sogenannten Amazon Marketplace ihre Waren verkauften, verschiedene Mechanismen zur Preiskontrolle ein, teilte das Kartellamt weiter mit. Bewerteten diese Mechanismen die Preise als zu hoch, würden die Angebote entweder ganz entfernt oder sie würden nicht in einem hervorgehobenen Einkaufsfeld angezeigt.

Wir gehen nicht gegen Amazons Ziel vor, den Endverbraucherinnen und -verbrauchern möglichst niedrige Preise anzubieten.

Andreas Mundt, Chef des Bundeskartellamts

Mundt betonte jedoch, Amazon dürfe zulässige Angebote nicht "in ihrer Sichtbarkeit beschränken oder sogar beseitigen, weil deren Preise den Vorstellungen von Amazon nicht entsprechen". Problematisch ist demnach auch, dass es für die Drittanbieter häufig nicht ersichtlich ist, wo Amazons Preisgrenzen liegen und wie diese zustande kommen.

Logo von Gemini und ChatGPT

Google will den Einkauf im Internet umkrempeln. Künftig sollen sogenannte Shoppingagenten wie Google Gemini nach Eingabe von Budget oder Lieferzeit eigenständig Käufe tätigen können.

13.01.2026 | 0:52 min

Kartellamt betont Amazons bedeutende Marktstellung

Die Behörde betonte zudem Amazons herausragende Stellung: Der Amazon Marketplace mache 60 Prozent des Umsatzes im Online-Handel in Deutschland aus. Wieder 60 Prozent dieser Umsätze entfallen auf Drittanbieter, der Rest auf Amazon selbst in seiner Funktion als Online-Händler.

Für die betroffenen Händler können die Eingriffe in die Preisgestaltung dazu führen, dass sie ihre eigenen Kosten nicht mehr decken können; mit der Konsequenz, vom Marktplatz verdrängt zu werden.

Andreas Mundt, Chef des Bundeskartellamts

Die Wettbewerbshüter sehen diese "systematischen Eingriffe" in die Preisgestaltung als "Missbrauch nach den besonderen Vorschriften für große Digitalunternehmen".

Kartellamt: Amazon muss Mechanismen einschränken

"Amazon darf Mechanismen zur Kontrolle der Händlerpreise künftig nur noch ausnahmsweise, insbesondere für Fälle des Preiswuchers, nach Vorgaben des Bundeskartellamtes einsetzen", erklärte die Bonner Behörde.

Mit der Strafzahlung von 59 Millionen Euro wird den Angaben nach der "wirtschaftliche Vorteil" abgeschöpft, "den Amazon durch das kartellrechtswidrige Verhalten erlangt hat".

SGS Börse

Deutschlands Online-Handel ist im Aufwind. Doch steigt so auch die Zahl der Retouren - 550 Millionen sollen es laut einer Studie der Uni Bamberg sein. Ein Problem für die Umwelt.

27.11.2025 | 1:27 min

Amazon kritisiert Kartellamtsbeschluss scharf

Amazon kritisierte den Beschluss als "beispiellose behördliche Entscheidung". Das Kartellamt habe "die Funktionsweise des wettbewerbsorientierten Einzelhandels" nicht verstanden, erklärte Amazon-Deutschland-Chef Rocco Bräuniger. Amazon arbeite "kundenorientiert": Diese könnten darauf vertrauen, "auf der Grundlage von Preis und Liefergeschwindigkeit zuverlässig das beste Angebot zu finden".

Bräuniger warf dem Kartellamt zudem vor, eine deutsche Einzelregelung in Europa zu schaffen. Die für die Entscheidung herangezogene Vorschrift "steht im direkten Widerspruch zu den verbraucherbezogenen Maßstäben des EU-Wettbewerbsrechts", erklärte er. Das Bundeskartellamt erklärte hingegen, das Verfahren "eng mit der Europäischen Kommission koordiniert" zu haben. Amazon kündigte an, Beschwerde gegen den Kartellamtsbeschluss einzulegen.

In der Zwischenzeit werden wir unseren Store wie gewohnt weiter betreiben, damit Kunden und Verkaufspartner keinerlei Beeinträchtigungen erfahren, während wir unsere rechtlichen Schritte vorbereiten.

Rocco Bräuniger, Amazon-Deutschland-Chef

Damit riskiert Amazon weitere finanzielle Auflagen: Das Kartellamt betonte, dass die 59 Millionen Euro Abschöpfung vorläufig seien, "weil der festgestellte Kartellrechtsverstoß nach wie vor andauert".

Quelle: AFP
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 05.02.2026 um 14:36 Uhr in dem Beitrag "Amazon soll 59 Millionen Euro zahlen".
Thema

Mehr zu Amazon

  1. Amazon Deutschland

    Mechanismen zur Preiskontrolle:Kartellamt verlangt Millionen-Strafzahlung von Amazon

    mit Video0:35

  2. Amazon Deutschland

    Wegen Preiskontrollen:Amazon soll 59 Millionen Euro zahlen

    Video0:35

  3. Symbolbild: Ein Mann verlässt am 4. 2. 2026 das Bürogebäude der Washington Post in Washington, D.C.

    US-Hauptstadtzeitung:"Washington Post" entlässt Hunderte Mitarbeiter

    mit Video0:23

  4. Mann hält eine Kreditkarte in der Hand und ist nebenbei am Laptop.