"Überaggressive Wortwahl":BaFin verbietet Schmutzkampagne gegen Commerzbank
Die Bankenaufsicht BaFin untersagt der italienischen UniCredit kritische Werbung gegen die Commerzbank und droht mit Bußgeld. Hintergrund ist der Übernahmekampf um die Commerzbank.
Die italienische Großbank Unicredit erhöht im Übernahmekampf um die Commerzbank den Druck und spricht dem Frankfurter Institut in seiner jetzigen Form die Zukunftsfähigkeit ab.
20.04.2026 | 0:56 minDie Finanzaufsicht BaFin fährt der italienischen Großbank UniCredit bei ihrer Kampagne zu einer Übernahme der Commerzbank in die Parade. Die Bundesanstalt untersagte UniCredit in einem am Freitag veröffentlichten Bescheid Negativ-Werbung in LinkedIn-Anzeigen gegen die Commerzbank, aber auch kritische Aussagen zu dem Übernahmeziel, wie sie UniCredit-Chef Andrea Orcel am Montag in einer Telefonkonferenz getätigt hatte.
Sie verweist dabei auf das Wertpapier-Übernahmegesetz (WpÜG), das derartige Werbeaussagen während einer Übernahme untersage. Wenn die UniCredit sich nicht daran halte, drohe ihr ein Bußgeld. Die italienische Bank räumte eine "zweideutige Formulierung" ein, kritisierte aber zugleich eine "überaggressive und persönliche Wortwahl" der Gegenseite. Die BaFin rügte:
Die UniCredit hatte als Bieterin im Übernahmeverfahren Werbeanzeigen in reißerischer und unsachlicher Aufmachung in den sozialen Medien veröffentlicht. Diese enthielten Mutmaßungen zur wirtschaftlichen Lage der Commerzbank AG.
BaFin-Erklärung
In den Anzeigen wird die Commerzbank als "vernachlässigt", "unsicher" und "kurzfristig orientiert" bezeichnet, kontrastiert mit UniCredit, die als "stark", "wettbewerbsfähig" und "führender Anbieter" dargestellt wird. Die Online-Anzeigen waren parallel zu der Telefonkonferenz mit Orcel veröffentlicht worden, der dort für eine Übernahme der Commerzbank geworben und deren Führung ebenfalls stark angegriffen hatte. Inzwischen hat UniCredit die Posts entfernt.
Die italienische Großbank Unicredit erhöht im Übernahmekampf um die Commerzbank den Druck und spricht dem Frankfurter Institut in seiner jetzigen Form die Zukunftsfähigkeit ab.
20.04.2026 | 0:56 minUniCredit spricht von Missverständnis in der Übersetzung
Die Bank erklärte in einer Stellungnahme am Freitagabend, sie habe mit der Anzeige für ihre "positive Vision" für die Commerzbank werben wollen. Ein Wort habe aber in der Übersetzung aus dem Englischen falsch interpretiert werden können. Aber auch die Gegner der Transaktion hätten von Anfang an verbal ausgeteilt. Die Mailänder Bank erklärte:
Es wäre im besten Interesse aller Beteiligten, sich in der Wortwahl zu mäßigen, so dass sich alle auf die Substanz des Themas konzentrieren können.
Erklärung der UniCredit
Es gehe um die beste Zukunft für die Commerzbank. "Das ist die einzige Frage, die von Bedeutung ist".
Die italienische Großbank Unicredit hat ein Übernahmeangebot für die Commerzbank vorgelegt. Das Frankfurter Geldhaus und die Bundesregierung sprechen sich gegen eine Übernahme aus.
16.03.2026 | 2:30 minBafin sieht in Anzeigen unzulässige Beeinflussung
Die BaFin sieht in den Anzeigen und Äußerungen von UniCredit aber eine unzulässige Beeinflussung der Aktionäre der Commerzbank. "Unsachliche Äußerungen, die Verbreitung irreführender Analysen und Prognosen sowie Werbung, die mehr auf die Suggestivkraft der Aussagen als auf deren wirtschaftlichen Kern abstellt, sind in Übernahmeverfahren nicht erlaubt", hieß es in der Mitteilung.
Das Verbot solle "sicherstellen, dass Anlegerinnen und Anleger nicht durch unklare oder irreführende Werbung getäuscht werden". UniCredit hat ein Übernahmeangebot für die Commerzbank angekündigt, das Anfang Mai beginnen soll. Damit will UniCredit primär die Hürde von 30 Prozent überspringen, um danach freie Hand bei der Aufstockung seiner Anteile zu haben. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp stemmt sich gegen einen Verkauf der Bank.
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