Widerstand in Deutschland:Übernahmeangebot für Commerzbank: Unicredit macht Ernst
Das Ringen um die Commerzbank geht weiter. Unicredit hat ein Übernahmeangebot für die Bank vorgelegt. Die lehnt eine Übernahme aber weiter ab.
Die italienische Großbank Unicredit hat ein Übernahmeangebot für die Commerzbank vorgelegt. Das Management der Commerzbank und auch die Bundesregierung haben sich gegen die Pläne ausgesprochen.
16.03.2026 | 0:23 minDie italienische Großbank Unicredit will die Commerzbank kaufen. Sie legte den Aktionären der deutschen Privatbank ein offizielles Übernahmeangebot zum Erwerb aller Aktien der Commerzbank vor, wie die Unicredit in Mailand mitteilte. Die Eigner des Frankfurter Geldhauses würden demnach 0,485 neue Unicredit-Papiere für jede Commerzbank-Aktie erhalten.
Über die hierfür notwendige Kapitalerhöhung solle bis zum 4. Mai 2026 in einer außerordentlichen Hauptversammlung entschieden werden. Unicredit teilte mit:
Das Angebot zielt darauf ab, die im deutschen Übernahmerecht vorgesehene 30-Prozent-Hürde zu überwinden und in den kommenden Wochen einen konstruktiven Dialog mit der Commerzbank und ihren Stakeholdern zu fördern.
Mitteilung der Unicredit
Sie kontrolliert nach eigenen Angaben direkt oder über Termingeschäfte bislang 29,9 Prozent der Commerzbank-Anteile.
Commerzbank: Unicredit hat Beteiligung ausgebaut
Die Unicredit, die im deutschen Markt mit der Hypovereinsbank (HVB) bereits ein Standbein hat, wirbt seit Monaten für eine Übernahme der Commerzbank. Konzernchef Andrea Orcel sieht Chancen in einem kombinierten Geschäft mit Privat- und Mittelstandskunden und argumentierte immer wieder, Europa brauche im Wettlauf mit den starken US-Geldhäusern größere Banken.
Unicredit stockte vergangenes Jahr ohne Absprache ihre Anteile auf und wurde größter Aktionär der Commerzbank. Wie realistisch ist eine Übernahme? ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann berichtete.
09.07.2025 | 1:02 minDie Mailänder Großbank hatte im September 2024 den Teilausstieg des Bundes genutzt, um im großen Stil bei der Commerzbank einzusteigen. Die Unicredit baute ihre Beteiligung nach und nach aus und löste den deutschen Staat als größten Commerzbank-Aktionär ab.
Bundesregierung gegen "feindliche Übernahme" der Commerzbank
Der Bund, der die Commerzbank in der globalen Finanzkrise mit Steuermilliarden vor dem Kollaps bewahrt hatte, hält gut zwölf Prozent der Anteile und will die Beteiligung nicht verkaufen. Die Bundesregierung lehne eine "feindliche Übernahme" der Commerzbank weiterhin ab, erklärte ein Sprecher des Finanzministeriums in Berlin.
"Aktuell sehen wir eine Ankündigung, aber noch kein förmliches Angebot", so der Sprecher. Sollte in der Zukunft ein Übernahmeangebot vorliegen, sei es Sache von Vorstand und Aufsichtsrat, dieses zu prüfen. Gleichzeitig machte der Sprecher klar: "Der Bund unterstützt die Strategie der Eigenständigkeit der Commerzbank."
Eine feindliche Übernahme wäre insbesondere mit Blick darauf, dass die Commerzbank eine systemrelevante Bank ist, nicht akzeptabel.
Sprecher des Finanzministeriums
Bundeskartellamt hatte bereits grünes Licht gegeben
Dabei kommt das Übernahmeangebot der Italiener nicht überraschend: Schon im März 2025 erhielt die Unicredit die Erlaubnis der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB), ihren Anteil auf knapp 30 Prozent aufzustocken. Auch das Bundeskartellamt gab grünes Licht.
Nach der Ankündigung erklärte ein Sprecher der Bonner Behörde nun, dass auf Unicredit im Falle einer Übernahme der Kontrolle über die Commerzbank eine Prüfung durch die EU-Kommission zukomme:
Nach unserem aktuellen Verständnis muss bis zum Kontrollerwerb keine erneute Anmeldung erfolgen. Dann wäre aber die EU-Kommission zuständig.
Sprecher des Bundeskartellamts
Die Commerzbank kündigte vergangenes Jahr an, Tausende Stellen abbauen zu wollen. Weshalb die Gewerkschaft dem Plan zustimmte, erklärt Frank Bethmann.
15.05.2025 | 1:53 minCommerzbank lehnt Übernahme durch Unicredit ab
Allerdings sträubt sich auch das Management des deutschen Instituts gegen eine Übernahme. Die Offerte sei nicht mit der Commerzbank abgestimmt, erklärte das Frankfurter Geldhaus. "Darüber hinaus beinhaltet die Kommunikation der Unicredit keine weiteren Informationen bezüglich der Eckpfeiler einer wertstiftenden Transaktion. Das wäre die notwendige Grundlage für etwaige Gespräche", hieß es in der Mitteilung. Vorstandschefin Bettina Orlopp sagte:
Wir sind überzeugt von der Stärke und dem Potenzial unserer Strategie, die auf Eigenständigkeit und profitables Wachstum setzt.
Bettina Orlopp, Vorstandschefin Commerzbank
Commerzbank-Betriebsratschef Sascha Uebel nannte das Vorgehen der Unicredit "geschäftsschädigend". Mit der Ankündigung eines Übernahmeangebots setze Unicredit-Chef Orcel sein Taktieren fort - zulasten der Mittelstandskunden und der Belegschaft der Commerzbank. Uebel sagte der Deutschen Presse-Agentur:
Das ist die nächste Stufe der Unverschämtheit. Das ist nicht nur unabgestimmt, das ist feindlich.
Sascha Uebel, Vorsitzender von Konzern- und Gesamtbetriebsrat der Commerzbank
Uebel kündigte deutlichen Widerstand an: "Wir werden mit allen Möglichkeiten und Mitteln dagegen vorgehen", sagte der Betriebsratschef, ohne konkreter zu werden. Spätestens zur Commerzbank-Hauptversammlung am 20. Mai dürfte mit Aktionen der Belegschaft zu rechnen sein.
Ringen um die Commerzbank
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