Stuttgarter Autobauer:Porsche baut bis 2035 weitere 5.000 Stellen ab
5.000 weitere Stellen will Porsche bis 2035 abbauen. Ein "Zukunftspaket" sieht gleichzeitig eine Verlängerung der Beschäftigungssicherung sowie Milliarden-Investitionen vor.
5.000 Stellen sollen bei Porsche sozialverträglich abgebaut, dafür zwei Werke nicht geschlossen werden. Das könne den Druck auf Mutterkonzern VW erhöhen, so Florian Neuhann.
27.07.2026 | 1:53 minDer Sportwagenbauer Porsche baut in der Region Stuttgart bis 2035 weitere 5.000 Stellen ab. Betroffen sind das Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen und das Entwicklungszentrum in nahen Weissach. Die Beschäftigungssicherung wird im Gegenzug bis Ende 2035 verlängert, wie Unternehmen und Gesamtbetriebsrat mitteilten.
Zusammen mit dem im vergangenen Jahr beschlossenen Wegfall werden damit rund 8.900 Stellen gestrichen. Bei Tochterunternehmen werden rund 500 Jobs gestrichen, wie schon angekündigt wurde.
Der Sportwagenbauer Porsche will mit einem "Zukunftspaket" zurück in die Spur finden.
Quelle: dpaGewerkschaften an Verhandlungen beteiligt
Der Stellenabbau soll den Angaben nach sozialverträglich erfolgen - vor allem über natürliche Fluktuation, demografische Effekte, Altersteilzeit und freiwillige Aufhebungsverträge. An den Verhandlungen waren auch die IG Metall und der Arbeitgeberverband Südwestmetall beteiligt. Ziel sei, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und dabei langfristig möglichst viele Arbeitsplätze abzusichern.
Porsche im Krisenmodus: Der Gewinn des Sportwagenbauers brach im vergangenen Jahr um 91,4 Prozent ein. Grund seien das China-Geschäft und Belastungen durch US-Zölle.
11.03.2026 | 0:44 minDas sogenannte Zukunftspaket sieht deshalb auch Investitionen von insgesamt 2,1 Milliarden Euro vor. Damit soll unter anderem sichergestellt werden, dass die zweitürigen Sportwagen weiterhin in Zuffenhausen vom Band rollen und die Entwicklungsarbeit in Weissach gebündelt bleibt. Finanziert wird das demnach durch ein umfassendes Maßnahmenpaket. "Es soll die Personalkosten deutlich senken und die Arbeit an den Standorten flexibler und produktiver machen", hieß es in der Mitteilung.
Weihnachtsgeld sinkt, Homeoffice-Regeln verschärft
Konkret bedeutet das unter anderem: Tariferhöhungen werden bis 2035 zum Teil einbehalten, das Weihnachtsgeld sinkt und der Mitarbeiterbonus orientiert sich stärker am Unternehmenserfolg.
Große Teile des Managements verzichten 2027 und 2028 auf Erhöhungen der Grundvergütung. Homeoffice soll zudem künftig nur noch an maximal acht statt zwölf Tagen im Monat möglich sein.
Die Zahl der Autos in Deutschland steigt weiter. 2026 kamen auf 1.000 Einwohner durchschnittlich 593 Autos, so das Statistische Bundesamt. Die höchste Pkw-Dichte hat das Saarland.
22.07.2026 | 0:33 minSparrunde folgt auf Sparrunde
Das nun beschlossene "Zukunftspaket" ist bereits die zweite große Sparrunde. Im Februar 2025 hatten sich Management und Betriebsrat auf den Abbau von rund 1.900 Stellen in der Region Stuttgart bis 2029 verständigt. Zusätzlich liefen die befristeten Arbeitsverträge von etwa 2.000 Mitarbeitern aus.
Aber nicht nur am Stammsitz wurde zuletzt gespart: Im Leipziger Werk hat Porsche ebenfalls Jobs abgebaut, auch drei Tochterfirmen mit zusammen rund 500 Beschäftigten wurden oder werden noch geschlossen. In Summe streicht der Sportwagenbauer in den kommenden Jahren mehr als jede dritte Stelle in seiner Heimat.
Ende 2024 hatte Porsche in der Region Stuttgart rund 22.200 Beschäftigte, ein Jahr später waren es noch ungefähr 20.600. Weltweit beschäftigte der Konzern Ende 2025 fast 41.800 Menschen. Leiters hatte bereits angekündigt, Porsche deutlich verschlanken zu wollen. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat liefen seit vergangenem Herbst - wegen des Wechselns an der Unternehmensspitze aber mit Unterbrechungen.
Die Autoindustrie ist angeschlagen, so wie der gesamte Industriestandort Deutschland. Auch Arbeitsplätze leiden unter der schlechten Lage der Industrie.
10.07.2026 | 2:32 minNötig sind die Sparmaßnahmen, weil Porsche bereits seit einiger Zeit in der Krise steckt. Der Konzernüberschuss des einstigen VW-Gewinnbringers brach 2025 um 91 Prozent auf 310 Millionen Euro ein. Im ersten Quartal setzte sich der Rückgang fort, wenn auch mit weniger Tempo.
Bringt das Porsche-Sparpaket den VW-Chef in die Bredouille?
Spannend wird sein, welche Folgen die Einigung in Wolfsburg haben wird. Denn VW-Vorstandsvorsitzender Oliver Blume - der bis Ende 2025 in Personalunion auch Porsche-Chef war - versucht dort gerade, ein eigenes, weitaus härteres Sparpaket durchzusetzen. Vier deutsche Standorte von VW und Audi sowie bis zu 50.000 Stellen weltweit stehen auf der Kippe - zusätzlich zu den 50.000 Jobs, die bis 2030 konzernweit abgebaut werden sollen.
Ein Geschenk an die Porsche-Mitarbeiter ist der Sparkompromiss zwar nicht. Und auch Vereinbarungen zur Beschäftigungssicherung sind in der deutschen Autoindustrie nicht unüblich. Bei Porsche fällt die Garantie bis Ende 2035 nun aber großzügiger aus als bei Volkswagen und Audi. Darüber hinaus stehen Werksschließungen nicht zur Debatte. Und das, obwohl die Fabriken von Porsche zu den teuersten im Konzern gehören.
Der VW-Gewinn ist im zweiten Quartal 2026 um ein Drittel eingebrochen. VW-Chef Oliver Blume will mit Sparmaßnahmen und innovativen Produkten wieder punkten.
24.07.2026 | 2:38 minDer Deal könnte daher auch Blume, der sein Sparpaket bis Ende des Jahres festzurren will, in die Bredouille bringen. Vor allem, weil in den Aufsichtsräten zum Teil dieselben Personen sitzen. Ganz vorn dabei: Vertreter der Familien Porsche und Piëch. Das wissen auch die Betriebsräte bei VW und Audi - und dürften jede Vereinbarung am Porsche-Kompromiss messen.
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