Inflation im Euroraum:EZB erhöht Leitzins auf 2,5 Prozent - was das bedeutet
Die Europäische Zentralbank bietet der hartnäckigen Inflation mit einem höheren Leitzins Paroli. Was die Entscheidung der Währungshüter bedeutet.
Die Europäische Zentralbank in Frankfurt.
Quelle: Boris Roessler / dpaDie Europäische Zentralbank bietet der hartnäckigen Inflation mit einem höheren Leitzins Paroli. Der zum Steuern der Geldpolitik maßgebliche Einlagensatz wurde um einen Viertelpunkt auf 2,50 Prozent angehoben, wie die EZB am Donnerstag auf einer auswärtigen Sitzung in Berlin beschloss. Höher lag das Zinsniveau zuletzt im Februar 2025 mit damals 2,75 Prozent.
Zuvor war bereits erwartet worden, dass die EZB ihre Zinssätze erneut anheben würde, um die durch steigende Energiepreise angefachte Inflation abzuschwächen. Die Währungshüter um EZB-Chefin Christine Lagarde hatten die Zinszügel bereits im Juni angezogen und damit auf die vom Iran-Konflikt angetriebene Teuerung im Euroraum reagiert.
Nun strafften sie den geldpolitischen Kurs weiter, da die Inflationsrate mit 3,3 Prozent deutlich über das Ziel von 2,0 Prozent hinausgeschossen war. Der EZB-Rat bleibt auf der Hut:
Der heutige Beschluss unterstreicht die Entschlossenheit des EZB-Rats, seine Geldpolitik so auszurichten, dass sich die Inflation auf mittlere Frist beim Zielwert von zwei Prozent stabilisiert.
aus dem Begleittext zum Zinsentscheid
Der Konflikt im Nahen Osten erzeuge weiterhin Inflationsdruck, und die Inflation dürfte für einen längeren Zeitraum deutlich über unserem Zielwert bleiben.
Kerinflation ebbt ab
An den Terminmärkten stellt man sich darauf ein, dass eine weitere Zinserhöhung bereits im Dezember kommen wird.Der Ölpreis war Mitte der Woche wieder über die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar je Barrel gesprungen. Anleger befürchten wegen der eskalierenden Angriffe im Nahen Osten eine Unterbrechung der Öllieferungen aus der Region.
Die EZB will verhindern, dass der Ölpreisschock das Preisgefüge im Euroraum nachhaltig verändert: Denn die vom Iran-Krieg hochgetriebenen Energiekosten für Konsumenten und Firmen bergen die Gefahr, dass eine Lohn-Preis-Spirale in Gang kommt und sich die starke Teuerung so verfestigt.
Bundesbankchef Joachim Nagel betonte unlängst, es gebe dafür noch keine Anzeichen. Er verwies auf das Abebben der sogenannten Kerninflation, in der die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Nahrungsmittel ausgeklammert werden. Diese von der EZB stark beachtete Kennziffer ging zuletzt auf 2,4 Prozent zurück, von 2,5 Prozent zuvor.
Das Leben in Deutschland hat sich weiter verteuert. Vor allem fürs Tanken und Heizen mussten Verbraucher tiefer in die Tasche greifen. Und die Inflationsrate könnte weiter steigen.
31.08.2026 | 1:34 minWas die EZB entscheidet
Die Preisstabilität im Euroraum ist die wichtigste Aufgabe der EZB. Alle sechs Wochen berät sie darüber, was zu tun ist, um die Inflation auf dem Niveau von zwei Prozent zu halten oder wieder in Richtung dieser Zielmarke zu bringen - mit den Leitzinsen als Hauptinstrument.
Von diesen Zinssätzen legt die EZB gleich drei fest. Den auch für Sparer wichtigen Einlagenzins erhalten Banken, wenn sie überschüssiges Geld über Nacht bei der EZB parken. Ist er hoch, können Banken dies in Form von höheren Zinsen beispielsweise an ihre Festgeldkunden weitergeben. Ist er niedrig, gilt dies andersherum.
Wie die EZB beim Leitzins steuert
Das traditionell wichtigste Steuerungsinstrument - früher oft als klassischer "Leitzins" bezeichnet - war lange der sogenannte Hauptrefinanzierungssatz. Er bestimmt, zu welchen Konditionen sich Geschäftsbanken Geld bei der EZB leihen können und gibt damit auch den Korridor für den Geldumlauf in der Wirtschaft vor. Inzwischen gilt der Einlagenzins aber als bedeutsamer, da die EZB im Zuge der Finanzkrise gewaltige Mengen Geld in die Märkte gepumpt hat und sich die Banken deshalb deutlich weniger Geld als früher bei der EZB leihen müssen.
Mit dem Leitzins versucht die EZB indirekt, die Inflation zu beeinflussen. Er gilt für Banken, wirkt sich aber auch auf Verbraucher und Unternehmen aus.
30.04.2026 | 1:32 minAls dritten Zinssatz schließlich gibt es den Spitzenrefinanzierungssatz. Mit diesem können sich Banken kurzfristig Geld bei der EZB beschaffen, was allerdings meist nur in Ausnahmesituationen vorkommt. Denn der Spitzenrefinanzierungssatz liegt höher als der Hauptrefinanzierungssatz. Zugleich verschafft er aber auch Sicherheit, denn er definiert die Obergrenze der Zinskorridors. Teurer wird es für Banken also selbst im Notfall nicht, wenn sie von der EZB möglichst schnell Liquidität brauchen.
Einlagezins zuletzt auf selbem Niveau belassen
Bei ihrer vorangegangenen Sitzung im Juli hatte die EZB den Einlagenzins auf dem derzeitigen Niveau von 2,25 Prozent belassen, nachdem sie ihn im Juni zum ersten Mal seit September 2023 um 0,25 Punkte angehoben hatte.
Zum ersten Mal seit knapp drei Jahren hat die Europäische Zentralbank den Leitzinzs auf nun 2,25 Prozent angehoben. ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller mit einer Einordnung.
11.06.2026 | 1:03 minDie Teuerungsrate der Verbraucherpreise erreichten in der Eurozone im August mit 3,3 Prozent den höchsten Stand seit fast drei Jahren. Höhere Zinsen können die Inflation dämpfen, zugleich aber auch die Wirtschaft abkühlen.
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