DIW-Studie:Wohnungen in Deutschland werden kleiner, aber günstiger
von Henning Behrens
Vor allem in Großstädten wird Wohnen immer teurer. Daran änderte auch die Mietpreisbremse wenig. Doch das DIW sieht eine Trendumkehr: Kleiner, aber günstiger wird demnach gebaut.
Seit den 1960er-Jahren ist die durchschnittliche Wohnfläche pro Person stark gestiegen. Seit etwa 2005 nimmt sie bei Neubauwohnungen laut einer DIW-Studie wieder ab.
07.01.2026 | 0:28 minIn Deutschland werden wieder finanzierbare Wohnungen gebaut - allerdings kleinere als bisher. Das hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer aktuellen Studie herausgefunden.
Kleinere Haushalte und hohe Immobilienpreise
Ein Grund dafür, dass die Wohnungen kleiner werden, ist laut DIW das Schrumpfen der Haushalte. Immer mehr Menschen benötigen keine vier Zimmer mehr und haben stattdessen lieber weniger Aufwand.
Der massive Anstieg der Immobilenpreise seit 2010 hat dazu beigetragen, dass sich viele Familien eine große Wohnung oft nicht leisten können. "Über Jahrzehnte haben steigende Einkommen und der Wunsch nach mehr Komfort dazu geführt, dass unsere Wohnungen immer größer wurden", sagt Konstantin Kholodilin vom DIW.
Hohe Mieten bringen immer mehr Menschen in Schwierigkeiten. Laut Mieterbund befürchten 12,8 Millionen, ihre Miete künftig nicht mehr zahlen zu können.
06.11.2025 | 2:31 minSchwierige Suche nach altersgerechter Wohnung
In Düsseldorf werden, wie im Bundesdurchschnitt, die Haushalte immer kleiner. Das belegt auch die DIW-Studie.
Häufig sei es gar kein Luxus, viel Platz zu haben, sagt Hans-Jochem Witzke vom Mieterverein Düsseldorf. "Wenn die Kinder aus dem Haus gehen, vergrößert sich die durchschnittliche Wohnfläche der verbliebenen Personen."
Nicht selten verdoppelt sich die Wohnfläche plötzlich und unerwartet bei älteren Leuten.
Hans-Jochem Witzke, Mieterverein Düsseldorf
Erst am Vortag habe er mit einer verwitweten Frau gesprochen, die ihr Eigenheim gerne aufgeben würde - wenn sie denn eine altersgerechte Wohnung finden würde.
Wohnungen wurden lange Zeit immer größer
Die großen Wohnungen, von denen Witzke spricht, stammen aus einer Zeit, in der sich kinderreiche Familien in den Städten niedergelassen haben. Erstmals seit Beginn der Erhebungen stagniert die durchschnittliche Wohnungsgröße in Deutschland. Bis 2050 wird sie schrumpfen, zeigt die DIW-Studie.
Zu wenige Wohnungen und hohe Mieten belasten viele Menschen. Die Bundesregierung will deshalb Bauen erleichtern und günstiger machen, um den Engpass zu verringern.
20.11.2025 | 1:39 minDas ist ein Novum. Denn seit 1965 ist die durchschnittliche Fläche pro Wohnung von 69 auf 94 Quadratmeter gewachsen. Gleichzeitig hat sich die Wohnfläche pro Person von knapp 20 auf gut 49 Quadratmeter mehr als verdoppelt.
Aber seit 2005 werden Neubauwohnungen wieder kleiner. In ferner Zukunft können wir davon ausgehen, dass Wohnraum im Schnitt etwa sechs Quadratmeter kleiner sein wird als heute. "Wenn neue Wohnungen kleiner werden, ist dies kein Rückschritt, sondern eine notwendige Anpassung an gesellschaftliche Realitäten", sagt Sebastian Kohl vom DIW in Berlin.
Japan als Vorbild für effizientes Wohnen
Die Entwicklung der Immobilien in Deutschland ähnelt langsam, aber sicher der in anderen Industrieländern. In Belgien oder Norwegen beispielsweise wurden Neubauwohnungen bereits um das Jahr 2000 kleiner gebaut.
Immer mehr Iren können sich trotz annähernder Vollbeschäftigung keine Wohnung leisten. Sie leben auf der Straße, bei den Eltern, in Notunterkünften. Oder wandern aus.
02.01.2025 | 3:03 minWas die Effizienz und Größe angeht, so schaut man auch auf Japan. Hier machen die Bauträger vor, wie es gehen könnte: wenig Wohnraum mit vielen Zimmern bei maximaler Effizienz.
Die Studie des DIW dürfte den Bauträgern und Investoren in die Hände spielen. Denn Rohstoffe werden seit Jahren knapper und teurer. Und so könnten kleinere Wohnungen der Schlüssel sein, um den großen Energiebedarf der Gesellschaft zu senken.
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