Booking: Was die Marktdominanz für Hotels und Kunden bedeutet

Zu viel Macht für eine Plattform?:Urlaub aus einer Hand: Was alles zu Booking gehört

von Frederick Dustmann

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Vergleichsportale wie Booking machen Reisen so einfach wie nie. Doch deren Marktdominanz wächst. Heute wird ein Urteil erwartet, das Bookings Stellung noch weiter stärken könnte.

Auf einem Smartphone ist die App des Reiseportals Booking.com zu sehen.

Heute entscheidet sich, ob die Online-Reiseplattform Booking.com ein weiteres Reiseportal übernehmen darf. Kritiker fürchten Wettbewerbsverzerrungen, so ZDF-Wirtschaftsexperte Frank Bethmann.

09.09.2026 | 1:04 min

Wer heute einen Urlaub bucht, kommt an Booking.com kaum vorbei. Für Hotelzimmer oder Ferienwohnungen ist Booking in Europa schon lange der Marktführer. Zuletzt wurden auf Booking.com rund 28 Millionen Unterkünfte weltweit angeboten.

Mittlerweile kann auch der Flug zum Zielort über die Plattform gebucht werden. Vor Ort wird ein Mietwagen benötigt? Läuft über Booking. Ein Taxi von der Wohnung zum Flughafen? Auch das kann auf der Seite gebucht werden, genauso wie eine Sightseeingtour vor Ort oder ein Museumsbesuch.

Marktmacht der Plattformen wächst

Klingt im ersten Moment praktisch, wirft aber bei genauerer Betrachtung Fragen auf. Denn Urlaubsreisen sind ein Milliardengeschäft. 2025 wurden laut Statistischem Bundesamt in Deutschland fast 70 Millionen Übernachtungen über Airbnb, Expedia oder Booking.com gebucht - über 80 Prozent mehr als noch 2019.

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Der Markt der Urlaubs-Plattformen boomt. Aus einem einfachen Grund, sagt Eric Horster vom Deutschen Institut für Tourismusforschung.

Gäste wünschen sich in der Regel den One-Stop-Shop.

Prof. Dr. Eric Horster, Vorstandsmitglied des Deutschen Instituts für Tourismusforschung

Anstatt sich durch eine Vielzahl an Internetseiten und Portalen zu wühlen, verblieben die Kunden lieber bei einer Plattform und akzeptierten dafür auch etwas höhere Kosten, die zum Beispiel durch die Vermittlungsprovision entstehen, erklärt Horster.

Eine Seite auf booking.com

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Warum Booking seine Marktmacht ausbauen könnte

Doch wenn immer weniger Alternativen bestehen, kann eine dominante Plattform unter Umständen auch deutlich höhere Preise diktieren. Diese Konzentration von Marktmacht wollte die EU schon 2023 unterbinden und hat die Übernahme der Reiseplattform eTraveli durch die Dachgesellschaft Booking Holdings blockiert. Diesen Beschluss hat Booking vor dem Gericht der Europäischen Union angefochten. Die Entscheidung wird mit Spannung erwartet.

In wettbewerbsrechtlicher Hinsicht ist der Fall sehr bedeutsam. Denn Booking wollte keinen direkten Hotelbuchungskonkurrenten kaufen, sondern einen Flugbuchungsanbieter. Trotzdem sagte die EU-Kommission: Die Übernahme könnte Bookings Position im Hotelgeschäft stärken, weil Booking die Flugkunden anschließend in sein Hotel-Ökosystem lenken könnte.

Booking hingegen argumentiert, dass die Plattform auch ohne die Übernahme von eTraveli auf dem Flugmarkt aktiv tätig war. Nach Ansicht von Booking Holdings hätte die Kommission die Übernahme nur verbieten dürfen, wenn Booking dadurch ein vollständig neues Marktsegment übernähme.

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Diese Portale gehören zu Booking Holdings

Wenn Kunden nach einer alternativen Plattform zu Booking.com suchen, landen sie nicht selten auf Kayak.de, Agoda oder Momondo. Das Problem: Auch sie gehören zur Booking Holdings, genauso wie Rentalcars.com oder Opentable, eine Buchungsplattform für Tischreservierungen in der Gastronomie. Selbst zwei Metasuchmaschinen, die verschiedene Buchungsplattformen vergleichen, werden von Booking Holdings betrieben: Hotelscombined und Cheapflights.

Booking.com vereint so eine große Marktmacht auf sich. Die Plattform mache das strategisch sehr gut, sodass Kunden nur Vorteile darin sähen, bei Booking.com direkt zu buchen, sagt Horster. Aber: "Auf der anderen Seite stehen die Hotels, für die das oftmals überhaupt nicht gut ist."

Sichtbarkeit auf Plattform hat für Hotels ihren Preis

Hotels werden von Plattformen wie Booking beispielsweise dazu gebracht, sehr kurzfristige Stornierungsbedingungen anzubieten. Nur so würden ihre Angebote im Ranking nach oben wandern und für Gäste sichtbarer werden, erläutert Horster.

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Doch es gebe auch Vorteile für die Hotels, sagt der Tourismusexperte. Ein einzelnes Hotel könne die Reichweite wie die einer Plattform niemals erreichen. Allerdings sei das kein Freifahrtschein für Booking, erklärt Horster.

Booking muss verstehen, dass es ein zweiseitiges Geschäftsmodell ist und sollte seine Marktmacht nicht überreizen.

Prof. Dr. Eric Horster, Vorstandsmitglied des Deutschen Instituts für Tourismusforschung

Teilweise gehe Booking mit Hotels nicht angemessen um, sagt Horster. So hat Booking über viele Jahre den Hotels verboten, auf ihren eigenen Internetseiten die Zimmer günstiger anzubieten als auf der Vergleichsplattform. Im vergangenen Jahr haben deshalb 15.000 Hotels aus Europa auf Schadensersatz gegen Booking geklagt. Ein Urteil steht noch aus.

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Horster empfiehlt daher generell einen differenzierten Umgang mit Buchungsplattformen. So könnten Hotels die Plattformen nutzen, um Reichweite zu generieren. Eine zu hohe Abhängigkeit von solchen Online-Buchungsportalen könne für Hotels aber dazu führen, dass sie den direkten Zugang zum Gast verlieren. Auf der anderen Seite empfiehlt der Experte Kunden, die Plattformen zwar zu nutzen, um Hotels zu finden, die Buchung aber anschließend direkt über das Hotel abzuwickeln.

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Über dieses Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag "Wie groß darf ein Reiseportal werden?" am 09.09.2026 um 03:55 Uhr.
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