Was die Szene besonders belastet:Berliner Clubs: Volle Tanzflächen, leere Kassen
Die Clubs und Veranstalter in Berlin stehen unter wirtschaftlichem Druck. Die Personal- und Betriebskosten steigen immer weiter - und am Tresen läuft's nicht mehr wie früher.
Immer mehr Veranstalter haben mit großen Belastungen zu kämpfen und geraten deswegen unter Druck. Von "Clubsterben" will die Clubkommission aber noch nicht reden.
07.08.2026 | 0:37 minBerlins Clubkultur ist weltbekannt und auch weiterhin gefragt - wirtschaftlich stehen aber immer mehr Clubs unter Druck. Das Publikum plane den Abend bewusster, bleibe kürzer und trinke weniger Alkohol, teilte die Berliner Clubkommission unter Berufung auf ihre Studie "Clubkultur Berlin 2026" im Auftrag der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe mit.
Haupteinnahmen der Clubs über Eintritt
Die Einnahmequellen hätten sich in den vergangenen Jahren deutlich verschoben. Den Großteil der Einnahmen machen mittlerweile nicht mehr Getränkeverkäufe aus, sondern der Eintritt, so die Clubkommission.
Was der Tresen nicht mehr einspielt, muss der Eintritt tragen.
Berliner Clubkommission
2017 stammten demnach noch rund 60 Prozent der Einnahmen aus Gastronomie und Getränkeverkäufen, der Eintritt machte lediglich 21 Prozent aus. Mittlerweile ist das Verhältnis umgekehrt: Mit 59 Prozent sei der Eintritt mittlerweile die wichtigste Einnahmequelle. Durchschnittliche Eintrittspreise erhebt die Clubkommission nicht - 15 bis 20 Euro für den Eintritt sind in Berlin jedoch keine Seltenheit mehr.
Von der Loveparade bis zum Berghain stand Berlins Clubszene 30 Jahre lang für internationalen Erfolg. Jetzt geraten viele Clubs unter Druck – wirtschaftlich und politisch. Eine Kultur, die um ihren Raum kämpft.
23.01.2026 | 2:27 minBerliner Clubszene: Personalkosten gestiegen
Gleichzeit seien die Kosten, vor allem für Personal, gestiegen, heißt es: 64 Prozent nennen Personalkosten als größten Belastungsfaktor, 62 Prozent die Betriebskosten, 60 Prozent die sinkende Kaufkraft des Publikums. 85 Prozent der befragten Einrichtungen geben demnach an, dass wirtschaftlicher Druck das Veranstaltungsprogramm verändere.
Neben den steigenden Kosten bleibe die Raumfrage eines der hartnäckigsten Probleme. Während etablierte Orte wie das Watergate, SchwuZ oder Mensch Meier geschlossen haben, sind neue Orte, Kollektive und Nutzungskonzepte entstanden, so die Clubkommission. Ihr zufolge haben seit 2020 24 Clubs- und Kulturstandorte geschlossen - und rund 25 neue sind entstanden.
Für die Studie wurden im März und April dieses Jahres Clubs, freie Kollektive, Veranstalter und weitere kuratierte Formate befragt. Auch Musikbars, Off-Spaces und soziokulturelle Zentren wurden einbezogen. Reine Eventlocations, Gastronomiebetriebe und kommerzielle Discotheken wurden nicht berücksichtigt. 102 Befragte füllten den Fragebogen vollständig aus. Außerdem wurden qualitative Interviews mit zwölf Clubgängerinnnen und Clubgängern zwischen 22 und 28 Jahren geführt.
In der französischen Stadt Pontivy treffen sich Bewohner von vier Seniorenheimen regelmäßig zum Tanzen im Club. Die Idee: Erinnerungen wecken und das Gemeinschaftsgefühl stärken.
18.12.2025 | 0:48 minVolle Tanzflächen, leere Kassen
Die Tanzflächen seien voll, die Kassen aber leer, so die Clubkommission: 50 Prozent oder mehr Auslastung meldeten 83 Prozent der befragten Clubs. Allerdings arbeiten mittlerweile nur noch 61 Prozent der Clubs mindestens kostendeckend. Das waren 2017 noch 79 Prozent. 95 Prozent der Befragten sehen die langfristige Existenz vieler Clubs ohne strukturelle Verbesserungen gefährdet.
Die Berliner Clubkultur stirbt damit nicht, sie steht unter Transformationsdruck.
Berliner Clubkommission
SPD-Politiker: Kostendruck reduzieren
Die Szene habe Sorge, dass sich die Clubs zunehmend nach außen verlagere, erklärte Kai Sachse von der Clubkommission. Der RBB-"Abendschau" sagte er:
Die Clubkultur in Berlin ist der Herzschlag der Stadt, der muss im Zentrum der Stadt stattfinden. Deswegen wünschen wir uns mehr Unterstützung, Stärkung und Schutz.
Kai Sachse, Berliner Clubkommission
Wirtschaftsstaatssekretär Michael Biel (SPD) hält eine finanzielle Förderung der Spielstätten für nötig, die den "Kostendruck bei den Unternehmen reduziert".
Feiern muss nicht mehr nur Freitag- oder Samstagabend sein. Ob Tanzen vor der Arbeit, frühe Treffen für Eltern oder 120-Minuten-Partys – neue Konzepte passen sich an moderne Lebensrhythmen an.
26.09.2025 | 6:05 minVier wichtige Forderungen zur Stärkung der Clubs
Nach Angaben der Clubkommission sind vier Punkte entscheidend, um die Berliner Clubkultur nachhaltig zu stärken: Landeseigene Immobilien sollten systematisch für Clubkultur geöffnet werden. Anstelle von projektbezogenen Einzelmaßnahmen solle es eine langfristige Förderstruktur geben. Clubs sollten außerdem als Kulturstätten auf Landes- und Bundesebene anerkannt und die Arbeitsbedingungen verbessert werden.
Die Clubkommission ist das Netzwerk der Berliner Clubkultur. Sie wurde 2001 gegründet und hat nach eigenen Angaben mehr als 250 Mitglieder. Die Clubkommision unterstützt die Arbeit der Kulturunternehmer.
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