Ungenutztes Geld bei Banken:Wohin mit den vergessenen Milliarden auf deutschen Konten?
von Stefan Schlösser
Auf deutschen Bankkonten schlummern Milliarden Euro, die keinem Besitzer zuzuordnen sind. Ein Schatz, der geborgen werden soll. Das Geld könnte sinnvoll genutzt werden.
Geld auf Konten, die niemand mehr besitzt. Häufig, weil Inhaber gestorben sind, ohne Besitzverhältnisse geklärt zu haben. In Deutschland gibt es zum Umgang mit diesem Geld noch keine Regelungen.
09.05.2026 | 1:34 minWenn ein Mensch stirbt und seine Vermögenswerte nicht klar geregelt sind, dann können ein altes Sparbuch oder ein Konto bei einer Bank schnell von den Erben übersehen werden. Oder es gibt keine Erben. Das Konto bleibt bestehen. Gibt es über 30 Jahre lang keinen Kontakt zum Besitzer und keine Bewegung auf dem Konto, so schließen es die meisten Banken und verbuchen das Geld zu ihren Gunsten. Wenn sich später doch jemand melden sollte, muss die Bank das Geld aber auszahlen - der Anspruch bleibt bestehen.
Riesige Summe liegt ungenutzt auf herrenlosen Konten
Bis zu 4,2 Milliarden Euro sollen laut einem Gutachten des Bundesforschungsministeriums auf solchen so genannten nachrichtenlosen Konten liegen. Andere Schätzungen des Verbandes Deutscher Erbenermittler sprachen in der Vergangenheit sogar von bis zu neun Milliarden Euro.
Das neue Erbschaftssteuerkonzept der SPD soll vor allem die großen Vermögen im Blick haben. Der Entwurf sorgt für Kritik von der Union und aus der Wirtschaft.
13.01.2026 | 2:33 minSo oder so ist es eine ordentliche Summe, mit der sich einiges anfangen ließe. Das weiß auch die Bundesregierung. Im Koalitionsvertrag hat sie vorgesehen, einen Fonds für soziale Innovationen einzurichten und ihn mit diesem Geld zu speisen. Bisher ist aber nichts passiert. Deutschland hat hier Nachholbedarf, meint Professor Andreas Walter von der Frankfurt School of Finance & Management.
In anderen internationalen großen Staaten gibt es dazu Regelungen, in Deutschland bislang nicht und insoweit steht Deutschland schlechter da.
Prof. Andreas Walter, Frankfurt School of Finance & Management
In Großbritannien gebe es bereits seit 2008 einen Social Impact Fund, in den Geld von inaktiven Konten fließe - bei lebenslanger Rückzahlungsgarantie für die Inhaber. Das, so Rechtswissenschaftler Walter, wäre auch eine gute Lösung für Deutschland. "Im Moment liegt das Geld völlig ungenutzt rum und wird überhaupt nicht eingesetzt. Das heißt, es ist kein echter Gewinn."
Die Stiftung "Ein Erbe für jeden" setzt sich für Chancengleichheit ein und verlost ein 20.000 Euro-Grunderbe. Hier in Köln-Lindenthal.
02.12.2024 | 1:44 minVermögen für den guten Zweck einsetzen
Die SOS-Kinderdörfer weltweit haben gerade eine repräsentative Umfrage durchführen lassen. Die Organisation profitiert immer wieder von Nachlässen und ist deshalb natürlich selbst daran interessiert, dass Konten nicht verwaisen und eventuell vorhandene Gelder sozialen Zwecken zugutekommen.
Demnach spricht sich eine große Mehrheit von 86 Prozent der Befragten dafür aus, dass solche Vermögen nach einer angemessenen Frist in einen unabhängigen Sozialfonds fließen sollen. Nur zwei Prozent meinen, es solle bei den Banken verbleiben. Acht Prozent sind für eine Übertragung an den Staat.
Eine zunehmende Zahl von Menschen in Ostdeutschland schlägt Immobilien-Erbschaften aus. Viele Erben sind inzwischen weggezogen, zudem sind Häuser mit Schulden belastet, die die Kinder nicht übernehmen wollen oder können.
19.02.2025 | 1:35 minDie Vorständin der SOS-Kinderdörfer weltweit, Petra Sorge-Booms, fordert die Einrichtung eines zentralen Melderegisters, "sodass potenzielle Erben einfach nachvollziehen können, wo möglicherweise noch Konten sind und wo Vermögen schlummert". Wer das nicht weiß, kann nicht darauf zugreifen.
Banken sehen keinen Handlungsbedarf
Die Deutsche Kreditwirtschaft als Vertreterin der Banken sieht bei dem Thema keinen dringenden Handlungsbedarf und würde offenbar alles gerne beim Alten belassen. "Auch wenn sich solche Überlegungen auf den ersten Blick nachvollziehbar anhören, sind damit komplexe tatsächliche und rechtliche Fragen verbunden", heißt es schriftlich auf Anfrage.
Für die Kreditinstitute sind die Eigentumsrechte ihrer Kundinnen und Kunden oberste Priorität. Hieran darf nicht gerüttelt werden.
Die Deutsche Kreditwirtschaft
Laut Rechtswissenschaftler Walter fürchten die Banken zusätzlichen Verwaltungsaufwand. Dem würde aber ein gesellschaftlicher Nutzen gegenüberstehen. Mehr Rechtssicherheit käme auch den Instituten zugute. "Hier würde dem entstehenden Aufwand ein höheres Maß an Klarheit gegenüberstehen, ein echter Vorteil, wenn man das handwerklich gut macht."
Das private Geldvermögen in Deutschland überschreitet laut DZ-Bank die Zehn-Billionen-Marke. Wie sich die Vermögen zusammmensetzen, berichtet ZDF-Wirtschaftsexperte Frank Bethmann.
02.01.2026 | 1:42 minJetzt muss die schwarz-rote Koalition nur noch diesen Punkt aus ihrem Koalitionsvertrag umsetzen - am besten handwerklich gut.
Wie die Umfrage im Auftrag der SOS-Kinderdörfer auch ergeben hat, haben nur 30 Prozent der Befragten ihre Konten, Depots und Schließfächer vollständig dokumentiert und mit ihren Angehörigen darüber gesprochen. Es wird also wohl auch in Zukunft viele weitere nachrichtenlose Konten geben.
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