Zufriedenheit mit Lehrstellen sinkt:DGB-Ausbildungsreport: Jeder zweite Azubi psychisch belastet
Jeder zweite Auszubildende leidet einer DGB-Studie zufolge unter psychischer Belastung. Nur 65,7 Prozent der Befragten sind mit ihrer Lehrstelle zufrieden - so wenig wie noch nie.
"Mehr als 50 Prozent der Auszubildenden geben an, dass sie psychisch belastet sind", sagt DGB-Bundesjugendsekretärin Nina Krüger. Zugleich finden viele Bewerber trotz offener Lehrstellen keinen Platz.
20.08.2026 | 2:33 minJeder zweite junge Mensch in Ausbildung fühlt sich psychisch belastet. Das geht aus einer Umfrage unter mehr als 13.000 jungen Leuten für den Ausbildungsreport des Jugendverbandes des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB-Jugend) hervor.
Gründe für die psychische Belastung sind demnach Leistungs-, Zeit- und Verantwortungsdruck sowie Personalmangel im Ausbildungsbetrieb. Jeweils rund ein Fünftel der Befragten nennt einen dieser Faktoren.
Vergütung reicht oft nicht zum Leben
Hinzu kommen private Aspekte: Knapp die Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gibt an, ihre finanzielle Situation belaste sie. 35 Prozent nennen ihre Wohnsituation. 65,3 Prozent sagen, sie könnten von ihrer Vergütung weniger gut oder gar nicht selbstständig leben. Fast ein Drittel bekommt Geld von den Eltern, etwa jeder Achte hat neben der Ausbildung noch einen Nebenjob.
Der Ausbildungsreport ist eine jährliche Erhebung der DGB-Jugend. Die 13.227 Auszubildenden aus 25 besonders häufigen Ausbildungsberufen wurden innerhalb von zwölf Monaten bis Mai 2026 befragt. Der Schwerpunkt der Befragung liegt in diesem Jahr auf der mentalen Gesundheit.
"Betrieb und Bewerber kommen nicht immer zueinander", sagt Gitta Connemann (CDU) zum Ausbildungsreport. Sie sieht Defizite bei der Vorbereitung: in Schulen, Familien und bei den Auszubildenden selbst.
20.08.2026 | 6:45 minZufriedenheit der Auszubildenden sinkt
Daneben fragt der Report regelmäßig nach der Zufriedenheit der jungen Leute mit ihrer Lehrstelle. Das Ergebnis 2026: Die Werte seien eingebrochen, meldet der Gewerkschaftsbund. "Gegenüber dem Vorjahr ist der Anteil der Auszubildenden, die mit ihrer Ausbildung "zufrieden" oder sogar "sehr zufrieden" sind, um 5,9 Prozentpunkte zurückgegangen und erreicht mit 65,7 Prozent den niedrigsten jemals im Rahmen des Ausbildungsreports ermittelten Wert", heißt es in der Studie.
Am zufriedensten äußern sich Azubis bei Versicherungen, Industriemechanikern, Verwaltungsfachangestellten, Mechatronikern und Elektronikern für Betriebstechnik. Die geringste Zufriedenheit äußern Azubis bei Friseuren, Malern, Tischlern, Automobilkaufleuten und Hotelfachleuten.
Unternehmen klagen über immer größer werdende Wissenslücken der neuen Azubis. 62 Prozent beherrschen die Rechtschreibung nicht, auch Studierende weisen Defizite auf.
21.10.2025 | 1:51 minDGB-Jugend: Mängel bei Ausbildungsqualität
Die DGB-Jugend sieht dahinter Mängel in der Ausbildungsqualität. 35,4 Prozent der Auszubildenden müssten regelmäßig Überstunden machen, 3,1 Prozentpunkte mehr als im Jahr vorher.
Auch sei der Anteil der Auszubildenden gestiegen, die nach eigenen Angaben immer oder häufig ausbildungsfremde Tätigkeiten leisten müssen. Mit 16,3 Prozent sei ein neuer Höchststand erreicht - ein Plus von 1,6 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. 8,9 Prozent hätten keinen für sie zuständigen Ausbilder, weitere 11,6 Prozent gäben an, ihr Ausbilder sei selten oder nie für sie da.
Bei den Saarländischen Stahlwerken beginnt für 125 junge Menschen die Ausbildung. Angesichts der Wirtschaftskrise in Deutschland treibt auch sie die Frage um, welche Berufe eine Zukunft haben.
03.08.2026 | 1:25 minLehrberuf oft "Notlösung" statt Wunschberuf
Etwa ein Fünftel der jungen Leute lernt einen Beruf, der eigentlich nicht geplant war. 8,4 Prozent nennen ihren Lehrberuf eine "Notlösung", bei den Frauen sind es sogar 9,2 Prozent.
Junge Leute im Wunschberuf sind zu 78,6 Prozent mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden - bei denen in einer "Notlösung" sind es hingegen nur 29 Prozent. Hier sei die Gefahr eines Abbruchs besonders groß, warnt die DGB-Jugend.
Im Handwerk fehlen rund 200.000 Fachkräfte. Auf der Handwerksmesse in München geht es auch darum, mehr Frauen für den Beruf zu gewinnen. 2024 lag ihr Anteil unter den Azubis bei etwa 17 Prozent.
05.03.2026 | 2:29 minZahl der Ausbildungsverträge 2025 gesunken
Hintergrund der Zahlen ist ein zunehmend angespannter Lehrstellenmarkt. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge lag 2025 laut Report bei rund 476.000 und damit 2,1 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor, während die Nachfrage junger Menschen um 0,7 Prozent stieg.
19,9 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber suchten erfolglos. Insgesamt hätten 2,76 Millionen junge Leute zwischen 20 und 34 Jahren keinen Berufsabschluss, berichtet die DGB-Jugend weiter.
Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zu Ausbildungsberufen
KI, Klimaschutz und Konkurrenz:Industrie im Wandel: Was das für Azubis bedeutet
von Chantal Riedmit Video1:24Ausbeutungsrisiko für Fachkräfte:Wie Pflege-Azubis aus Vietnam ausgebeutet werden
von Stephanie Schmidtmit Video29:03Anstieg von fast fünf Prozent:Handwerk verzeichnet mehr Auszubildende
mit Video0:25Deutschland unter dem EU-Schnitt:Junge Erwachsene: Zehn Prozent ohne Job oder Ausbildung
mit Video0:41