So angreifbar ist Putins Kriegswirtschaft

Krieg in der Ukraine:So angreifbar ist Putins Kriegswirtschaft

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Militärökonom Marcus M. Keupp ist vor einer Karte der Ukraine abgebildet.

Russland hat Kiew erneut angegriffen. Die Ukraine attackiert Russlands Energie-Sektor und setzt auf den neuen Marschflugkörper "Flamingo". Militärökonom Keupp bei ZDFheute live.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat in der Nacht die ukrainische Hauptstadt Kiew massiv angreifen lassen: mindestens 18 Menschen wurden laut Behörden getötet. Die Angriffe trafen nicht nur Wohngebiete – auch das Gebäude der EU-Vertretung in Kiew wurde schwer beschädigt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte die Angriffe scharf.   

Gleichzeitig verstärkt die Ukraine ihre Angriffe – mit einem klaren Fokus auf die russische Energie-Infrastruktur. In den letzten Wochen sind zehn russische Ölraffinerien durch Drohnenangriffe getroffen worden. Medienberichten zufolge wurden dadurch bis zu 17 % der russischen Raffineriekapazität lahmgelegt. Besonders betroffen sind unter anderem Anlagen in Samara und Wolgograd.  

Neuer Marschflugkörper "Flamingo"

Eine besondere Rolle könnte der neue ukrainische Marschflugkörper "Flamingo" spielen. Mit einer Reichweite von – laut Hersteller – bis zu 3000 Kilometern und einem Sprengstoff-Anteil von bis zu 500 Kilogramm wäre er eine der leistungsstärksten Waffen im ukrainischen Arsenal. Die Serienproduktion läuft bereits – ein Flamingo pro Tag, mit dem Ziel, bis Ende 2025 rund 2500 Stück jährlich herzustellen. Die Waffe soll strategische Ziele tief im russischen Hinterland erreichen können und Kiews Truppen unabhängiger von Lieferungen aus dem Ausland machen.  

Was bedeuten die Angriffe auf die Ukraine für die Friedensbemühungen? Wie verändert der Flamingo die militärische Balance? Und wie ist die Lage an den verschiedenen Frontabschnitten?  Darüber spricht Christian Hoch bei ZDFheute live mit Militärökonom Dr. Marcus M. Keupp. Aus der Ukraine berichtet ZDF-Reporter Luc Walpot.

Lage der russischen Wirtschaft und Geschäfte mit Indien und Co. 

Die Ukraine hat in den vergangenen Wochen ihre Angriffe auf russische Treibstoffanlagen drastisch erhöht. In vielen Regionen herrscht Treibstoffmangel. 

Ungeachtet dessen sichert Russland Indien fortgesetzte Öllieferungen zu. Die Rohölimporte aus Russland würden auf dem gleichen Niveau bleiben können. Geschäfte mit Ländern wie Indien, China und Iran erlauben es Russland, die Wirkung der westlichen Sanktionen abzumildern. Am Sonntag und Montag findet ein Treffen der sogenannten Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit statt.  

Trotzdem dürfte, nach Aussagen von Russlands Finanzminister Anton Siluanow, das russische Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr nur um 1,5 Prozent zulegen. Bislang war ein Plus von 2,5 Prozent vorhergesagt worden. Trotz westlicher Sanktionen wegen des Kriegs in der Ukraine war die russische Wirtschaft 2023 und 2024 mit 4,1 beziehungsweise 4,3 Prozent noch stark gewachsen. Überdies heizen die Militärausgaben die Inflation stark an. 

Mit Material von dpa, Reuters, AFP

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