Skispringen:Aus dem Formtief zurück: DSV-Adler nun Medaillenkandidaten
von Stephan Klemm
Die deutschen Skispringer überzeugten in Willingen. Vor allem Andreas Wellinger und Karl Geiger haben ihre Form wiedergefunden. Für Geiger kommt dieser Aufschwung aber zu spät.
Teil eines starken Teams: Philipp Raimund
Quelle: dpaDer Weltcup-Standort Willingen begeht in diesem Jahr ein doppeltes Jubiläum. 100 Jahre alt ist die Mühlenkopfschanze inzwischen und nach etlichen Umbauten sogar die größte Großanlage der Welt. Außerdem richtet der SC Willingen seit mittlerweile 30 Jahren Weltcup-Springen aus.
Und noch etwas wurde am Wochenende im hessischen Upland gefeiert. Etwas, mit dem in dieser Form nicht zu rechnen war: ein großer Fortschritt des deutschen Männer-Teams vor 22.000 euphorischen Zuschauern. Dieser Sprung nach vorn sorgte pünktlich vor den Olympischen Winterspielen in Cortina für einen Boost des bis dahin vor allem bei Karl Geiger und Andreas Wellinger eingefrorenen Selbstvertrauens.
Der deutsche Skispringer Andreas Wellinger spricht am Rande der Olympia-Einkleidung über seine dritten Winterspiele - und worauf er sich in Predazzo ganz besonders freut.
30.01.2026 | 1:43 minKarl Geiger kann nicht mehr nachnominiert werden
Schon am Samstag war die Ergebnisliste aus deutscher Sicht ein Top-Zeugnis. Rang drei für Sorgenspringer Geiger. Er war bisher so schwach in dieser Saison, dass er es nicht schaffte, sich für Olympia zu qualifizieren. Sein Podiumsplatz in Willingen kam zu spät, der Stichtag für die Normerfüllung war schon verstrichen, eine Nachnominierung ist nicht mehr möglich. Geiger ist nun Ersatzmann. Vierter wurde am ersten Flugtag in Willingen Felix Hoffmann und Sechster mit Andreas Wellinger der zweite Problemflieger des Deutschen Skiverbandes (DSV).
Am Sonntag setzte sich der Aufschwung der DSV-Athleten fort. Philipp Raimund, am Samstag noch 18., sprang auf Rang drei. Wellinger auf Platz acht, Hoffman wurde Zehnter, Geiger beendete den Wettkampf nach einem Fehler im zweiten Sprung auf Position 21.
Bundestrainer Stefan Horngacher, ein sachlicher Österreicher, staunte sehr über diese unverhofften Steigerungen seiner Springer. Nach den beiden Tagen im Willinger Strycktal, der Generalprobe für die Olympischen Spiele, wirkte er gelöst: "Das tut uns richtig gut."
Bundestrainer Horngacher bilanziert das erfolgreiche Skisprung-Wochenende in Willingen. Andreas Wellinger, Felix Hoffmann und Philipp Raimund über ihre Leistung und den Ausblick auf Olympia.
01.02.2026 | 3:28 minMonatelange Tüftelei und Training
Nicht heran kamen die deutschen Springer allerdings an Domen Prevc, der beide Wettkämpfe in Willingen gewann. Der Slowene springt weiterhin in einer eigenen Dimension. Monatelang tüftelten Geiger und Wellinger am richtigen Setup für ihre Sprünge. Sie schafften es in den Weltcup-Wettkämpfen selten in den zweiten Durchgang, sogar die Qualifikation für die besten 50 Athleten eines Weltcup-Events fiel ihnen schwer.
Die beiden kamen vor allem mit den neuen, enger geschnittenen Anzügen nicht zurecht. Sie trainierten viel und akribisch, bis ihnen nun in Willingen der Durchbruch und die Rückkehr als konkurrenzfähige Athleten gelang.
Am Montag wird es ernst
Dass Geiger nun beim Ringe-Event zuschauen muss, "ist extrem bitter", sagt Horngacher. Der Ausblick auf die olympischen Wettkämpfe in Predazzo ist nun allerdings nach den starken Leistungen von Raimund, Hoffmann und Wellinger viel positiver als vor den Tagen von Willingen.
Olympia-Generalprobe fürs Mixed-Team gelungen: Das DSV-Quartett Agnes Reisch, Karl Geiger, Selina Freitag und Philipp Raimund springt in Willingen aufs Podest.
21.03.2025 | 0:19 minFür die Männer geht es am kommenden Montag mit dem Springen von der Normalschanze los. Horngacher sagt dazu: "Da ist Deutschland traditionell stark. Wir rechnen uns auch etwas aus. Felix Hoffmann und Philipp Raimund sind prädestiniert für diese Anlage. Auch Andreas Wellinger darf man dort nicht unterschätzen.
Der Leistungsaufschwung ist genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen.
Bundestrainer Stefan Horngacher
Auch die deutschen Frauen überzeugen bei der Generalprobe
Eine Leistungskonstanz der skispringenden Frauen des DSV war hingegen schon in der gesamten Saison zu beobachten. In Willingen bestätigten vor allem Selina Freitag als Sechste und Vierte sowie Agnes Reisch als Vierte und Fünfte ihren Status als Medaillenkandidatinnen für die Olympischen Spiele. Beide hatten mit schwierigen Verhältnissen in Willingen zu kämpfen, die eine bessere Platzierung verhinderten.
Katharina Schmid ist in ihrer letzten Saison, gemessen an den Weltcup-Resultaten, die Nummer drei im DSV-Team. In Willingen wurde sie Achte und Elfte. Dennoch setzt Bundestrainer Heinz Kuttin in Predazzo vor allem auf dieses Trio. Eine Medaille sei durchaus drin, sagt er.
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