Eiskunstlauf-WM in Prag:Nach Olympia-Schock: Wie überwindet Malinin den Rückschlag?
von Johannes Fischer
Ilia Malinin blieb bei Olympia hinter seiner sonstigen Perfektion zurück. Aljona Savchenko glaubt jedoch, dass er mental gelernt hat - und sogar einen Fünffachsprung stehen könnte.
Vom 25. bis 29. März misst sich Eiskunsttlaufelite bei der WM in Prag. Die Wettkämpfe gibt es live im ZDF‑Streamingportal und auf sportstudio.de.
24.03.2026 | 0:29 minAm Ende seiner Kür bei den Olympischen Winterspiele 2026 stand Ilia Malinin still auf dem Eis, die Hände vor dem Gesicht. Sekunden zuvor war das Programm des vermeintlichen Überfliegers zerfallen, Sprung für Sprung, Drehung für Drehung.
Statt einer Machtdemonstration des "Quad God" blieb ein Auftritt, der weit weg war von der erhofften Perfektion - und ein bitterer Moment, der um die Welt ging. Seitdem stellt sich die Frage: Wie reagiert einer wie Malinin auf ein solches Nervenversagen?
Bei Malinin lässt der Anspruch keine Kompromisse zu
Für Aljona Savchenko ist vor der WM in Prag (24. bis 29. März) die Antwort eindeutig. "Der Druck bei Olympia ist enorm", sagt die deutsche Eiskunstlauf-Ikone. "Da steht man allein vor 20.000 Zuschauern, alle erwarten das Unmögliche - damit muss ein 21-Jähriger erst einmal klarkommen."
US-Eiskunstlaufstar Ilia Malinin verpasst nach mehreren Stürzen eine Olympia-Medaille. Der 21-Jährige landet mehrfach auf dem Eis und wird nur Achter mit 264,49 Punkten.
13.02.2026 | 6:51 minGerade für einen jungen Athleten sei diese Situation kaum zu simulieren. Savchenko weiß, wovon sie spricht: Fünf Olympiateilnahmen, der Sieg 2018 und unzählige Erfahrungen auf der größten Bühne hat sie hinter sich: "Olympia hat seine eigenen Gesetze."
Savchenko: Malinin fehlte die Erfahrung
Aus ihrer Sicht war es vor allem fehlende Erfahrung, die dem US-Amerikaner zum Verhängnis wurde: "Er hat sich vielleicht ein bisschen überschätzt." Als Favorit müsse man lernen, mit dieser besonderen Konstellation aus Erwartung und Aufmerksamkeit umzugehen.
Aljona Savchenko jubelt über ihren Olympiasieg (Archivbild, 2018).
Quelle: dpa"Man denkt, man ist bereit und dann steht man plötzlich allein da", beschreibt sie. Fehler seien dann fast zwangsläufig, vor allem wenn der eigene Anspruch keine Kompromisse zulässt. Gerade bei einem Läufer wie Malinin, der technisch an die Grenzen geht, potenziert sich dieses Risiko noch einmal.
Nutzt Malinin die WM zur Revanche?
Trotzdem sieht Savchenko keinen nachhaltigen Knacks. "Ich denke schon, dass er daraus gelernt hat", sagt sie. Die erste Enttäuschung sei verarbeitet, die extreme Anspannung abgefallen. Genau das könne entscheidend sein: Wer einmal durch diese Situation gegangen sei, habe beim nächsten Mal einen Vorteil.
Und anders als bei Olympia kennt Malinin die Abläufe bei einer Weltmeisterschaft schon. Routinen greifen wieder, das Umfeld ist vertraut - Faktoren, die in einem Sport, der so stark von Präzision und Timing lebt, nicht zu unterschätzen sind.
Bis zu vier Mal drehen sich Eiskunstläufer beim Sprung um die eigene Achse. Warum ihnen nicht schwindelig wird? Dafür gibt's einen Trick.
19.02.2026 | 1:10 minEntscheidung über WM-Titel fällt am Samstag
Die nächste Bewährungsprobe folgt sofort: Die Männer-Konkurrenz in Prag beginnt am Donnerstag mit dem Kurzprogramm, die Entscheidung fällt am Samstag in der Kür. Für Malinin ist es die Chance auf eine unmittelbare Antwort, sportlich wie mental. Und vielleicht auch die Gelegenheit, die Bilder von Mailand ein Stück weit zu korrigieren.
An seiner Herangehensweise wird sich dabei wenig ändern, glaubt Savchenko. "Er wird Risiko gehen." Malinin definiert sich über das Ausloten von Grenzen, über Schwierigkeit und Innovation. Auch in Mailand wollte er sein gesamtes Können unter Beweis stellen - vielleicht zu viel auf einmal." Genau das sei aber auch seine Stärke. Wer den Sport verändern wolle, müsse bereit sein, Fehler in Kauf zu nehmen.
Ilia Malinin verzaubert die Eiskunstlaufwelt. Bei den olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina geht er als Favorit auf Gold an den Start.
13.02.2026 | 2:59 minRasante Entwicklung des Eiskunstlaufs
Mittelfristig geht Savchenko noch weiter. Für sie ist Malinin nicht nur ein Ausnahmeläufer der Gegenwart, sondern einer, der den Sport revolutionieren kann.
Ich halte bei Malinin Fünffachsprünge für realistisch.
Aljona Savchenko, Olympiasiegerin 2018
Drehgeschwindigkeit, Höhe, Mut - die Voraussetzungen seien da. "Ich glaube, dass er das schon trainiert." Die Entwicklung im Eiskunstlauf habe in den vergangenen Jahren gezeigt, wie schnell Grenzen verschoben werden können, wenn Athleten wie der US-Star sie konsequent angreifen.
So bleibt Ilia Malinin trotz seines Einbruchs bei Olympia eine der zentralen Figuren im Eiskunstlauf. Die WM in Prag wird zeigen, wie stabil er nach Mailand auftritt - und wie schnell er die Erfahrungen aus diesem Wettkampf umsetzen kann.
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