Olympia 1976: DDR gewinnt Gold im Fußball

Der vergessene Sieg für die Ewigkeit:Vor 50 Jahren holte die DDR olympisches Fußball-Gold

von Thomas Bärsch und Selina Schöffel

|

An das 1:0 der DDR gegen die BR Deutschland bei der WM 1974 erinnern sich fast alle. Der bislang einzige deutsche Fußball-Olympiasieg der Geschichte aber geriet in Vergessenheit.

Nach dem Halbfinalsieg bei den Olympischen Spielen 1976 tragen die Spieler der DDR ihren Trainer Georg Buschner auf Händen.

Bei Olympia 1976 hat der DDR-Fußball seine Sternstunde. Dabei geht es auch gegen Brasilien, Frankreich mit Michel Platini und Polen mit Torjäger Grzegorz Lato. Gerd Kische erinnert sich.

31.07.2026 | 2:05 min

Der Turnierauftakt in Kanada wäre für die Mannschaft der DDR beinahe misslungen. Gegen Brasilien blieb es im ersten Spiel bei einem 0:0. Der mitgereiste Präsident des DDR-NOK, Manfred Ewald, zitierte die komplette Mannschaft abends zu sich.

"Es war für den eine Schande, dass wir gegen eine Nachwuchsmannschaft 0:0 spielen", erklärt Hartmut Schade, später Finaltorschütze. "Er hätte uns am liebsten nach Hause geschickt." Auch Lothar Kurbjuweit, Abwehrchef, heute 76, erinnert sich noch gut: "Wir sind bei der Drohung richtig zusammengezuckt. Er hätte das ja auch durchdrücken können."

Gianni Infantino spricht in ein Mikrofon vor einem grünen Hintergrund

Die UEFA-Mitgliedsländer haben einstimmig für einen möglichen WM-Boykott gestimmt. Hintergrund ist ein geplanter Investorendeal, den die FIFA vor wenigen Tagen verkündet hatte.

30.07.2026 | 2:10 min

Olympia 1976: Für DDR zählte nur die Medaille

Weil für die DDR-Fußballer damals noch der Amateurstatus galt, konnten sie bei den Olympischen Spielen mit der A-Nationalelf auflaufen. Bei den Brasilianern hingegen war niemand älter als 24. Die Freude über das erkämpfte Unentschieden wollen sich die Spieler von damals heute aber nicht zerreden lassen. Brasilien war damals schon bekannt für seinen Zauberfußball und konnte auf ein nahezu unerschöpfliches Reservoir zurückgreifen. "Die hatten ja nicht nur zwölf oder 15 gute Fußballer im Männerbereich", erklärt Lothar Kurbjuweit. "Und diese jungen Talente, die sich dort angeboten haben, die wollten natürlich alle um ihre Verträge spielen."

Widersprochen hat dem mächtigsten Sportfunktionär der DDR damals keiner aus der Mannschaft. "Wir wussten, für den Ewald ist die Gesamtzahl der Medaillen das Wichtigste", erklärt Hartmut Schade.

Wir waren 17 Mann und konnten nur eine einzige Medaille gewinnen. Das war dem Ewald von Anfang schon ein Dorn im Auge.

Hartmut Schade, früherer DDR-Fußballspieler

Die Spieler aber zeigten sich als Turniermannschaft. Auf dem Weg ins Finale siegten sie dann 1:0 gegen Spanien und 4:0 gegen Frankreich mit seinem späteren Weltstar Michel Platini.

Sportökonom Christian Deutscher

Ohne die europäischen Teams sei die WM bloß ein internationales Turnier, sagt Sportökonom Deutscher. Eine konkurrierende Weltmeisterschaft eines anderen Veranstalters sei unwahrscheinlich.

30.07.2026 | 11:17 min

Nach dem Sieg gegen die Sowjetunion ins Finale

Im Halbfinale wartete dann der "große Bruder" - die Sowjetunion, trainiert von Walerij Lobanowskyi. Gegen die DDR bestückte er das Nationalteam fast komplett mit der damals legendären Elf von Dynamo Kiew, die erst im Jahr zuvor den UEFA-Supercup gewonnen und dabei Bayern München gleich zweimal geschlagen hatte. Die überraschend offensiv eingestellte DDR aber blieb unbeeindruckt und stürmte mit 2:1 ins Finale - gegen Polen, den aktuellen WM-Dritten.

Es wartete ein denkwürdiges, nassgeregnetes Spielfeld. Und nicht nur das. "In den Tagen zuvor hatten außerdem auf dem Rasen Reiterwettkämpfe stattgefunden", erzählt Hartmut Schade, "und da war doch schon einiges umgewühlt."

Es wurde dann Farbe draufgesprüht. Von oben sah es aus, als wäre der Rasen grün.

Hartmut Schade, früherer DDR-Fußballspieler

Mit zwei Toren in der ersten Viertelstunde stellten Hartmut Schade und Martin Hoffmann die Weichen auf Sieg. Grzegorz Lato verkürzte nach einer Stunde zum 2:1, bevor Reinhard Häfner kurz vor Schluss mit dem 3:1 den Sieg klarmachte. Es sollte ein historischer werden: Das einzige olympische Fußball-Gold der DDR und bis heute das einzige olympische Fußballgold der deutschen Geschichte.

Mosaic mit verschiedenen Elementen

Neue Betrachtung von DDR-Kunst: Was nach der Wende oft als ideologisch belastet oder wertlos galt, erscheint heute zum Teil in neuem Licht.

21.05.2026 | 2:00 min

Pfeifkonzert wegen fehlender Russen

Bei der Siegerehrung übrigens fehlten die im Halbfinale geschlagenen Russen. Das riesige Podest, das für die kompletten Mannschaften ausgelegt war, blieb leer. "Das Stadion hat gepfiffen bis zum Geht-nicht-mehr", erinnert sich Abwehrspieler Kurbjuweit. Nach Medienberichten hatte Trainer Lobanowskyi aus Ärger um Platz 3 seinen Spielern den Gang zum Podest verwehrt und nur zwei Funktionäre ins Pfeifkonzert zum Medaillenholen geschickt.

Für die DDR-Spieler sollte sich der Sieg lohnen. Sie bekamen als Sofort-Prämie 100 kanadische Dollar und eine Flasche Rotkäppchensekt. Wieder zu Hause einen Empfang bei Staatschef Honecker, einen gravierten Siegelring und im Jahr darauf eine Kuba-Reise mit dem DDR-eigenen Kreuzfahrtschiff "Völkerfreundschaft". Von Sportfunktionär Manfred Ewald übrigens ist kein Kommentar zum historischen Sieg überliefert.

Wichtiger Hinweis in eigener Sache

Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.

Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.

→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen


Über dieses Thema berichtete das gemeinsame Mittagsmagazin von ARD und ZDF am 31.07.2026 ab 12:00 Uhr.
Thema

Mehr Nachrichten zum Thema Fußball

  1. FIFA-Präsident Gianni Infantino blickt nach oben
    FAQ

    Streit um Infantinos Investoren-Deal:Europa droht mit Boykott: Was heißt das nun für die FIFA?

    mit Video2:25

  2. Archiv: Borussia Dortmund - SC Freiburg

  3. Patrice Motsepe und Gianni Infantino

    Infantinos Pläne zur Privatisierung:Anders als die UEFA: So sieht Afrikas Verband die FIFA-Pläne

    mit Video2:25

  4. WM 2026: Spanien verteidigt mit drei Mann gegen Kylian Mbappé. Bild aus der Vogelperspektive.

    Neue Defensivordnung im Fußball:Warum der Trend zum "Verteidigen im tiefen Block" geht

    von Frank Hellmann
    mit Video12:47