WM-Aus für Portugal und Ronaldo:Spaniens Trümpfe von der Bank stechen
von Maik Rosner
Ihr spätes 1:0 gegen Portugal haben die Spanier vor allem ihrer Geduld und den Einwechselspielern zu verdanken. Auch ihre Geschlossenheit stützt die Hoffnung auf den WM-Titel.
Bei der Fußball-Weltmeisterschaft gewinnt Spanien gegen Portugal mit 1:0. In der Nachspielzeit trifft Mikel Merino und befördert den Europameister ins Viertelfinale.
07.07.2026 | 2:14 minDie Lippen presste Cristiano Ronaldo zusammen, sein leerer Blick verharrte in der Tiefe des Raumes. Überwiegend versuchte der 41 Jahre alte Angreifer der Portugiesen die 0:1-Niederlage gegen Spanien bei der Fußball-WM 2026 mit sich selbst auszumachen. Mit einem kurzen Gruß verabschiedete er sich rasch vom Publikum in der Arena von Arlington westlich von Dallas, während der Gegner um Jungstar Lamine Yamal ausgiebig feierte.
Das Achtelfinale der WM 2026 zwischen Portugal und Spanien war ein echtes Top-Duell. Außerdem standen sich Cristiano Ronaldo und Lamine Yamal gegenüber.
06.07.2026 | 8:59 min
Ronaldos große Enttäuschung über das WM-Aus im Achtelfinale war auch dadurch zu erklären, dass seine letzte Chance auf den WM-Titel verstrichen sein dürfte. Bei der WM 2030, die auch in seiner Heimat stattfinden soll, wird er 45 Jahre alt sein.
Portugals Trainer Martínez tritt zurück
Auch deshalb sagte er nun, dass das aktuelle Turnier "höchstwahrscheinlich" seine letzte WM gewesen sei. Definitiv festlegen aber wollte er sich nicht, auch nicht in Bezug auf die nähere Zukunft. Trainer Roberto Martínez dagegen erklärte umgehend seinen Rücktritt.
Das Achtelfinal-Aus Portugals ist gleichbedeutend mit dem Karriereende Cristiano Ronaldos bei Fußball-Weltmeisterschaften. ZDF-Experte Christoph Kramer würdigt den Weltstar.
07.07.2026 | 1:34 minBei den Spaniern war von einem Ende dagegen keine Rede. Ihr Einzug ins Viertelfinale am Freitag gegen den USA-Bezwinger Belgien in Los Angeles hatte sie ja nur einen Schritt näher gebracht an ihr Fernziel, ihren zweiten WM-Titel nach 2010. Erfolgreich hinter sich gebracht hatten sie die nächste Etappe vor allem deshalb, weil sie im Gegensatz zu Portugal ihre Qualität von der Bank gewinnbringend eingesetzt hatten.
Spaniens breite Qualität im Kader
Mittelfeldspieler Mikel Merino vom FC Arsenal hatte den Ball in der ersten Minute der Nachspielzeit freistehend eingeschoben, nachdem sich die Spanier zentral vor dem Strafraum durch die Defensive der Portugiesen kombiniert hatten. Fabián hatte auf Rodri gepasst und dieser weiter zu Ferran Torres, der schließlich Merino bediente.
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Alle Highlights der WM-Spiele aus der Nacht, Updates zum DFB-Team und die wichtigsten Nachrichten zur Fußball-WM 2026 – kompakt und aktuell. Jetzt abonnieren!Fabián, Torres und Merino waren erst in der Schlussphase eingewechselt worden, nur der wieder einmal herausragende Kapitän Rodri hatte schon zu Beginn auf dem Platz gestanden. Dass drei Einwechselspieler maßgeblich zur entscheidenden Kombination beitrugen, erzählte viel über die nahezu unerschöpflichen Möglichkeiten in Spaniens Kader.
Merino betont Vertrauen zueinander
Merino führte später als Grund für den späten Siegtreffer auch die vielen gemeinsamen Erfahrungen und Erfolge an. Diese hätten ihnen geholfen, ruhig zu bleiben, sagte Merino, "das ist es, was uns stark hält: die Gruppe, das Vertrauen, das wir zueinander haben. In schwierigen Momenten glänzt diese Verbindung und diese Einheit."
Cristiano Ronaldos Traum vom WM-Pokal wird für immer unerfüllt bleiben. Mit Portugals Aus gegen Spanien endet die außergewöhnliche WM-Karriere einer Fußball-Legende.
07.07.2026 | 0:14 min
Es fügte sich ins Bild, dass Merino auch im Viertelfinale der EM 2024 gegen Deutschland ein sehr spätes Siegtor gelungen war, damals in der 119. Minute. Es sollte ein Treffer sein, auf den im Finale der Titelgewinn folgte.
Spanien noch ohne Gegentor
Diesmal stärkte das Tor zumindest den Glauben, erneut Großes vollbringen zu können. "Das Team wächst kontinuierlich", frohlockte Trainer Luis de la Fuente. Vor allem wächst es noch mehr zusammen.
Dabei haben sich die Spanier ohnehin schon als harmonisches Kollektiv erwiesen, als gereiftes Gefüge. Besonders sticht ihre Stabilität hervor. In ihren bisherigen fünf Spielen bei dieser WM kassierten sie kein Gegentor. Torhüter Unai Simón steht bereits bei 609 Minuten ohne Ball im eigenen Netz, ein WM-Rekord.
Beeindruckende Bilanz der Spanier
Noch beeindruckender liest sich die übergeordnete Bilanz Spaniens. Seit 35 (!) Spielen haben sie nach 120 Minuten nicht mehr verloren. Einzig Portugal konnte sie vor rund einem Jahr im Finale der Nations League in München bezwingen, allerdings erst im Elfmeterschießen.
Diesmal aber setzte sich Spanien durch und untermauerte nach einem engen, aber geduldig geführten Spiel seine Ansprüche auf den Titel. De la Fuente beschwor danach mehrfach den "Geist des Zusammenhalts". Er hofft, dass der erkennbare Gemeinsinn seine Mannschaft zwei Jahre nach der gewonnenen EM auch auf der Weltbühne zum Titel tragen kann.
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