Große Siege, tragische Niederlagen:Die spektakulärsten Momente der WM-Geschichte
von Ralf Lorenzen
Der Schock von Maracanã, das Wunder von Bern, die Schande von Gijón - die WM-Historie steckt voller Glanzleistungen, Traumtore, aber auch Entgleisungen. Eine subjektive Auswahl.
WM 1986 in Mexiko: Diego Maradona dribbelt die halbe englische Elf aus und erzielt das 2:0 beim 2:1-Sieg.
Quelle: dpa - bildfunkEine der spektakulärsten Niederlagen in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften erlitt eine Nation, die im Jahr 2026 froh wäre, überhaupt teilnehmen zu dürfen: Italien unterlag bei der WM 1966 in England sensationell mit 0:1 gegen Nordkorea. Den Namen des Torschützen Pak Do Ik werden die italienischen Anhänger nie vergessen.
Legendäre Comebacks
Das Ergebnis krönte den überraschenden Auftritt der Nordkoreaner. Beinahe hätten sie sogar das Halbfinale erreicht: Im Viertelfinale gegen Portugal führten sie mit 3:0, ehe Eusébio mit vier Treffern die Partie drehte (Endstand 5:3) und für eines der legendärsten Comebacks der WM-Historie sorgte.
Ein 0:3-Rückstand wurde auch im torreichsten Spiel der WM-Geschichte aufgeholt. 1954 besiegte Österreich im Viertelfinale die Schweiz mit 7:5.
Jahrhundertspiele und Schmach von Córdoba
24 Jahre später genügten den Österreichern drei Treffer, um Deutschland bei der "Schmach von Córdoba" mit 3:2 zu besiegen. Noch unrühmlicher war allerdings ein deutscher Sieg gegen Österreich. Im Gruppenspiel der WM 1982 stellten beide Teams nach einem frühen deutschen Tor ihre Angriffsbemühungen ein und sicherten sich so gemeinsam das Weiterkommen - auf Kosten Algeriens, das als leidtragender Dritter ausschied.
"Das Geschrei ist groß gewesen, das Spiel war ja auch nicht zum Hinsehen", sagt der damalige Torhüter Harald "Toni" Schumacher Jahre später. Eben jener Schumacher, der im Halbfinale gegen Frankreich durch seinen Zusammenprall mit Patrick Battiston zum Buhmann im Nachbarland wurde - und im Elfmeterschießen mit zwei gehaltenen Schüssen auf deutscher Seite zum Helden avancierte.
8. Juli 1982. Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft: Deutschland gegen Frankreich. Ein Jahrhundertspiel, sagt Toni Schumacher. Aber es war zugleich auch ein Tiefpunkt.
20.11.2022 | 47:15 minUm den Titel "Jahrhundertspiel" streitet sich dieses Halbfinale mit dem aus dem Jahr 1970 in Mexiko gegen Italien. Verteidiger Karl-Heinz Schnellinger erzwang erst in der Nachspielzeit die Verlängerung, in der Deutschland durch Gerd Müller zweimal in Führung ging und dennoch 3:4 verlor.
Brasilien: Rekorde und Demütigungen
Nicht Dramatik, sondern unfassbare Überlegenheit kennzeichnete das 7:1 des späteren Titelgewinners Deutschland gegen Gastgeber Brasilien im Halbfinale 2014. Brasilien ist zwar Rekordweltmeister, doch eines hat sich tief in die Erinnerungen eingebrannt: Die 1:2-Pleite gegen Uruguay im Jahr 1950 im Maracanã-Stadion, die als "Maracanazo" (Schock von Maracanã) in den portugiesischen Sprachschatz eingegangen ist und die Brasilien den Titel kostete.
Am 8. Juli 2014 besiegt die DFB-Elf auf dem Weg zum WM-Titel die Seleção 7:1. Für Brasilien wird die historische Niederlage zum Trauma. Joachim Löw und Chris Kramer erinnern sich.
04.07.2024 | 27:50 minZidanes Entgleisung im Finale
Neben all den Glanzmomenten bleiben auch unschöne Szenen im Gedächtnis. Mit vier Platzverweisen und 16 gelben Karten platzte der "Battle of Nürnberg" zwischen Portugal und den Niederlanden in das Sommermärchen 2006 hinein.
Auch die spektakulärste Entgleisung eines einzelnen Spielers gab es in diesem Turnier: In der Verlängerung des Finales rammte der Franzose Zinedine Zidane dem Italiener Marco Materazzi mit voller Wucht den Kopf gegen die Brust und flog vom Platz.
Große Karriere mit unrühmlichem Ende: Im Finale der Fußball-WM 2006 verpasst Zinedine Zidane dem Italiener Marco Materazzi einen Kopfstoß - die Geburtsstunde des Internet-Memes.
28.06.2024 | 10:00 minMaradona: Jahrhunderttor und die "Hand Gottes"
Ein Eigentor führte zu einem der tragischsten Momente: Der Kolumbianer Andrés Escobar erzielte es 1994 beim Ausscheiden seines Teams gegen Gastgeber USA (1:2), wenige Tage später wurde Escobar in Medellín erschossen. Ob der Täter aus Frust über das Eigentor oder im Auftrag der Drogenmafia handelte, wurde nie zweifelsfrei geklärt.
Als schönstes WM-Tor aller Zeiten wird oft der zweite Treffer von Diego Maradona beim 2:1 von Argentinien im Viertelfinale 1986 gegen England genannt. Aus der eigenen Hälfte kommend, umkurvte er dabei fast die gesamte englische Mannschaft.
Es ist das einzige Mal in meiner Karriere, dass ich ganz nah dran war, für einen Gegner zu applaudieren.
Englands Nationalspieler Gary Lineker
Weniger ästhetisch, aber mindestens genauso legendär war Maradonas erstes Tor in diesem Spiel: "Ein bisschen Maradonas Kopf und ein bisschen die Hand Gottes", wie er selbst sagte. Ein Treffer, der heute wohl in der Rubrik "Die kuriosesten Tore, die der VAR annullierte" auftauchen würde. Und was der Videoschiedsrichter wohl aus dem "Wembley-Tor" 1966 gemacht hätte...
1986 trifft Maradona gegen England mit der "Hand Gottes" - ein nicht geahndeter Regelbruch, der ihn zum Symbol macht: zwischen Straßenjunge, Genie und Größenwahn.
30.10.2025 | 8:20 minSie wollen über Sport stets auf dem Laufenden bleiben? Dann ist unser sportstudio-WhatsApp-Channel genau das Richtige für Sie. Egal ob morgens zum Kaffee, mittags zum Lunch oder zum Feierabend - erhalten Sie die wichtigsten News direkt auf Ihr Smartphone. Melden Sie sich hier ganz einfach für unseren WhatsApp-Channel an: sportstudio-WhatsApp-Channel.
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