HSV- und Trainerlegende:Horst Hrubesch wird 75: Der Mann für alle Fälle
von Ralf Lorenzen
Ob als Mittelstürmer oder Trainer: Horst Hrubesch war immer da, wenn ein besonderer Typ gebraucht wurde. Mit Kopf, Herz und fast immer erfolgreich. Mit 75 muss nicht Schluss sein.
Horst Hrubesch, Kopfballungeheuer, Menschenfänger. Er war einer der zentralen Spieler in der erfolgreichsten Ära des HSV, Erfolge feierte er später auch als Trainer.
17.04.2026 | 16:31 minAls Spieler auf die Position des Mittelstürmers festgelegt, war Horst Hrubesch nach seiner aktiven Laufbahn alles außer Platzwart: Vereinstrainer, Trainer der DFB-Juniorenmannschaften von der U18 bis U21, Sportdirektor beim DFB, Bundestrainer der Frauen und schließlich Nachwuchschef beim Hamburger SV.
Das Kopfballungeheuer
Sechsmal steht hinter einer Station des gelernten Dachdeckers allerdings: Interim. Hrubesch war der Mann für alle Fälle, der einsprang, wenn beim DFB oder beim HSV ein Plan mal wieder nicht funktionierte und eine unkonventionelle Lösung hermusste.
"Als Spieler war ich ein Spätzünder, als Trainer bin ich es auch", sagte der gebürtige Essener, der erst mit 24 Jahren Profi wurde und mit 29 in der Nationalmannschaft debütierte. In einer Jugendauswahl hat er nie gespielt. Selbst in seiner Kerndisziplin, in der eigens für ihn die Bezeichnung "Kopfballungeheuer" erfunden wurde, war Hrubesch anfangs nur zweite Wahl.
Erfolge aus der zweiten Reihe
Als er 1978 vom Zweitligisten Rot-Weiß-Essen zum HSV wechselt, war er als Backup für Mittelstürmer Willi Reimann vorgesehen. Bei der Europameisterschaft 1980 sprang er für den verletzten Klaus Fischer ein. Im Finale schoss Hrubesch Deutschland mit seinen beiden ersten Länderspieltoren zum Titelgewinn.
30 Jahre später war er nach verschiedenen Trainerstationen in unteren Ligen wieder beim DFB gelandet, als U21-Trainer, nachdem Dieter Eilts trotz erfolgreicher Qualifikation für die Europameisterschaft entlassen worden war. Hrubesch übernahm und führte das Team zum EM-Titel 2009.
Rückenwind für Neuer, Özil und Co.
Auf dem Weg dahin scherte er sich nicht darum, dass sich DFB-Sportdirektor Matthias Sammer und Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff im Mannschaftsquartier einen Machtkampf lieferten. Und auch nicht darum, dass sein designierter Nachfolger Rainer Adrion schon beim Training zuguckte. Er blieb stoisch wie seine geliebten Haflinger-Pferde und kümmerte sich um seine Spieler.
Hrubesch gab der Spieler-Generation um Manuel Neuer, Jerome Boateng, Benedikt Höwedes, Mats Hummels, Sami Khedira und Mesut Özil den Rückenwind, der sie bis zum WM-Titel 2014 in Brasilien trug. "Er zeigt, dass er an mich glaubt und redet viel mit mir, das ist wichtig für junge Spieler", sagte Boateng.
Auch als Frauentrainer erfolgreich
Nach vier verkorksten Jahren unter seinem Nachfolger Adrion übernahm Hrubesch die Juniorenauswahl 2013 wieder und brachte sie bis ins Finale der Olympischen Spiele 2016, wo sie im Elfmeterschießen gegen Gastgeber Brasilien verlor. Kurz darauf übernahm er übergangsweise die Position des DFB-Sportdirektors von Hansi Flick.
Ins Olympische Finale wäre Hrubesch 2024 in neuer Funktion fast wieder eingezogen. Mit der Frauen-Nationalmannschaft, die er 2021 zum zweiten Mal interimsmäßig übernommen hatte, gewann er in Paris die Bronzemedaille. "Horst hat uns Sicherheit, Souveränität und Selbstvertrauen gegeben", sagte Mittelfeldspielerin Melanie Leupolz.
Als Spieler:
- Europapokalsieger der Landesmeister: 1983
- Deutscher Meister: 1979, 1982, 1983
- Europameister: 1980
- Torschützenkönig der Bundesliga: 1982
- Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Fußballs: 2024
Als Trainer:
- 2008: U19-Europameister
- 2009: U21-Europameister
- 2016: Olympische Silbermedaille mit der U21
- 2024: Olympische Bronzemedaille mit den DFB-Frauen
Auszeichnungen:
- 2009: Trainerpreis des Deutschen Fußball-Bundes
- 2018: Walther-Bensemann-Preis der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur
- 2019: Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen
- 2023: Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Fußballs
- 2025: Bundesverdienstkreuz am Bande
Freund der Spieler und Spielerinnen
Hrubeschs Erfolgsrezept war denkbar einfach. "Es ist wichtig, dass die Spieler wissen: 'Du hast einen Freund'", sagte er. Darauf angesprochen, dass er mit dieser Haltung als Auslaufmodell galt, erwiderte er:
Wenn du diese Auslaufmodelle nicht mehr hast, wirst du erst merken, was da los ist.
Horst Hrubesch über Trainertyp Hrubesch
Hrubesch weiter: "Ich habe nichts gegen Konzepttrainer. Aber er darf eins nicht vergessen: Es sind alles Lebewesen. Du musst sie auch leben lassen."
Hrubesch: "Dann würde ich darüber sicher nachdenken"
Nur einmal scheiterte Hrubesch bei einer Hilfs-Mission: als er 2021 für ein paar Spiele auf den Cheftrainer-Posten des HSV rückte, um den Wiederaufstieg zu schaffen. Aber auch diese Scharte ist inzwischen ausgewetzt. Im Juni 2025 beendete Hrubesch seine Tätigkeit als Direktor Nachwuchs beim HSV. Rentner zu werden gelingt ihm trotzdem nicht. "Ich versuche es immer wieder, aber wie das wirklich geht, weiß ich noch nicht", sagte er kurz vor seinem 75.Geburtstag auf der HSV-Webseite:
Wenn ich noch einmal etwas Gutes finde, dann würde ich darüber sicherlich nachdenken.
Horst Hrubesch
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