FIFA gibt Investorenpläne auf - Umdenken nach weltweitem Protest

Nach heftiger Kritik:FIFA gibt Investorenpläne auf

|

Die heftigen Proteste von Fußballfunktionären weltweit haben zum Umdenken geführt: Die FIFA hat ihre Pläne zum Verkauf von WM-Anteilen an Investoren zurückgezogen.

 Gianni Infantino, der FIFA Präsident.

Einen Sturm der Entrüstung hatte Gianni Infantino für seinen Investoren-Plan ausgelöst. Nun zieht der FIFA-Präsident die Notbremse und gibt sein Vorhaben auf.

01.08.2026 | 1:08 min

Der Fußball-Weltverband FIFA gibt seine umstrittenen Investorenpläne auf. Der Vorschlag werde nicht weiterverfolgt, erklärte Verbandspräsident Gianni Infantino in einer in der Nacht veröffentlichten Stellungnahme. Infantino begründete seine abrupte Kehrtwende folgendermaßen:

Nachdem wir uns alle Standpunkte aufmerksam angehört haben, ist deutlich geworden, dass das Projekt zu Spaltungen geführt hat, die - unabhängig vom Ausmaß der Unterstützung - nicht mehr im Interesse des ursprünglich angestrebten Ziels liegen.

Gianni Infantino, FIFA-Präsident

Die Pläne der FIFA um Präsident Infantino hatten vorgesehen, mit dem potenziellen Verkauf eines Teils ihrer kommerziellen Rechte etwa an der Weltmeisterschaft eine Milliardensumme einzuspielen. Für die Umsetzung wollte die FIFA das Tochterunternehmen FIFA Forward Enterprise (FFE) gründen. Laut Berichten setzte der Weltverband eine Frist für die Zustimmung zum geplanten Investorendeal bis zum 19. September und versprach im Gegenzug eine Sonderzahlung. All das ist nun vom Tisch.

X-Post von FIFA

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von X nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von X übertragen. Über den Datenschutz dieses Social Media-Anbieters können Sie sich auf der Seite von X informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.

Sportökonom Christian Deutscher

Ohne die europäischen Teams sei die WM bloß ein internationales Turnier, sagt Sportökonom Deutscher. Eine konkurrierende Weltmeisterschaft eines anderen Veranstalters sei unwahrscheinlich.

30.07.2026 | 11:17 min

UEFA lobt weltweite Einigkeit gegen Vorschläge

UEFA-Vizepräsidentin Laura McAllister sagte bei "Sky News", die weltweite Einigkeit gegen die Vorschläge sende der FIFA ein klares Signal, was Spielern, Fans, Vereinen und Funktionären in Zukunft wichtig sei. "Ich hoffe, dass dies für den Präsidenten und die FIFA ein Weckruf ist, damit sie diese Aufgaben weitaus ernster nehmen, als sie es offenbar bisher getan haben."

Der neue britische Premierminister Andy Burnham findet, Infantino sei "der falsche Mann" an der Spitze des Weltverbandes.

UEFA drohte zuvor mit einem WM-Boykott

Die FIFA beugte sich mit der Entscheidung dem Druck, der in den vergangenen Tagen immer größer geworden war. So hatte die europäische UEFA nicht nur die Pläne heftig kritisiert, sondern sogar mit einem WM-Boykott gedroht. "Keine Nationalmannschaften aus der UEFA werden an irgendeinem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, solange diese Vorschläge weiterbestehen", teilte die UEFA nach einem Dringlichkeitstreffen mit.

Europas Position ist eindeutig. Wir werden diesem Modell niemals unsere Legitimität verleihen. Niemand hat das moralische Recht, etwas zu verkaufen, das er lediglich treuhänderisch für die nächste Generation verwaltet.

Europäische Fußball-Union

Auch die für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständige Concacaf und der asiatische Fußballdachverband AFC gingen deutlich auf Distanz zu Infantino und seinen Plänen. Der südamerikanische Fußballverband Conmebol bezog dagegen zunächst keine inhaltliche Position. Stattdessen kündigte der Kontinentalverband an, die Pläne weiter zu prüfen.

Gianni Infantino spricht in ein Mikrofon vor einem grünen Hintergrund

Die UEFA-Mitgliedsländer haben einstimmig für einen möglichen WM-Boykott gestimmt. Hintergrund ist ein geplanter Investorendeal, den die FIFA vor wenigen Tagen verkündet hatte.

30.07.2026 | 2:10 min

Enger Infantino-Vertrauter zurückgetreten

Auch innerhalb der FIFA bröckelte die Unterstützung für Boss Infantino. FIFA-Betriebsdirektor Kevin Lamour warf Infantino vor, die Mitarbeiter hintergangen zu haben.

Carlos Cordeiro, ein hochrangiger Berater Infantinos, trat aus Protest gegen die Pläne zurück. Dabei wählte er drastische Worte und schrieb auf der Plattform LinkedIn:

Als leitender Berater des FIFA-Präsidenten, früherer Banker und lebenslanger Fußball-Fan kann ich nicht tatenlos zusehen, wie die FIFA den Verkauf einer Beteiligung an der Weltmeisterschaft in Erwägung zieht.

Carlos Cordeiro

Druck auf Infantino wächst

Mit seiner Kehrtwende könnte es für Infantino nun schwierig werden, an der Spitze der FIFA zu bleiben. Die nächste Wahl steht im März 2027 an. Zuletzt wurde schon über mögliche Gegenkandidaten spekuliert. Dabei fiel auch der Name Nasser Al-Khelaifi, Vereinsboss von Paris St.-Germain und Chef des Dachverbands der europäischen Fußball-Klubs. Das ZDF hat jedoch erfahren, dass der Katari schon abgelehnt hat. Aus seinem Umfeld sei zu hören gewesen, er habe "kein Interesse, den FIFA-Thron zu besteigen", sagt ZDF-Reporter Nils Kaben.

Nasser Al-Khelaifi

Nasser Al-Khelaifi gilt bei der FIFA-Wahl 2027 als möglicher Gegenkandidat für Infantino. ZDF-Reporter Kaben hat aber erfahren, dass dieser kein Interesse habe, "auf den FIFA-Thron zu steigen".

31.07.2026 | 3:18 min

Infantino steht auch wegen einer anderen Angelegenheit unter Druck: Er war während der WM wegen einer auf Anruf von US-Präsident Donald Trump zurückgezogenen Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun schwer in die Kritik geraten. Damit wurde ein Einsatz des Spielers im Achtelfinale ermöglicht - ein äußerst ungewöhnliches Vorgehen.

Quelle: dpa, AFP, ZDF
Über dieses Thema berichten mehrere Sendungen, unter anderem das ZDF-Mittagsmagazin am 31.07.2024 ab 12 Uhr und das heute journal am 30.07.2026 ab 21:45 Uhr.

Mehr zum Thema

  1. FIFA Präsident Gianni Infantino blickt beim FIFA-Kongress in Vancouver nachdenklich

    Pressestimmen zu Infantinos Rückzieher:"Demütigend", "peinlich", "Vernunft hat gesiegt"

    mit Video1:08

  2. Gianni Infantino

    Fußball-WM mit 64 Teilnehmern?:Berichte: FIFA arbeitet schon an WM-Aufstockung

    mit Video1:29

  3. Logo der asiatischen Fußball-Konföderation AFC

    FIFA-Chef holt sich nächsten Korb:Auch Asien stellt sich gegen Infantino-Plan

    mit Video1:29

  4. UEFA-Flaggen in Nyon
    Interview

Alle Bolzplatz-Folgen