Polizeiliche Kriminalstatistik 2025: Zahl der Straftaten gesunken

Analyse

Zahl der Straftaten gesunken:Wie aussagekräftig ist die polizeiliche Kriminalstatistik?

Jan Henrich

von Jan Henrich

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Die Zahl der Straftaten ist laut aktueller Kriminalstatistik der Polizei im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Als positive Entwicklung lässt sich das aber nur bedingt werten.

Bundespolizisten führen den festgenommenen libyschen Tatverdächtigen Omar A. (M.) aus einem Hubschrauber zu seiner Anklageverlesung vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe

Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland weniger Straftaten als noch 2024. Deren Zahl ging laut polizeilicher Kriminalstatistik um 5,6 Prozent auf 5,5 Millionen zurück.

20.04.2026 | 1:44 min

Als "leichte Reduzierung" beschrieb Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) die Entwicklung der Straftaten in Deutschland bei der Vorstellung der neuen Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS). Verhalten optimistisch schob er hinterher, dass man die Chance hätte, langfristig einen Rückgang der Kriminalität zu verzeichnen.

Nachdem insbesondere die Zahl der Gewalttaten in den vergangenen Jahren immer wieder gestiegen war, hat die Polizei 2025 weniger Fälle erfasst. Doch es gibt Unterschiede zwischen den Deliktsbereichen und die reinen Fallzahlen sind nur bedingt aussagekräftig.

Rund 300.000 Straftaten weniger als 2024

Einen Rückgang von 5,6 Prozent bei den registrierten Straftaten verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr. Rund 300.000 Kriminalfälle weniger als im Vorjahr sind damit 2025 bei den Sicherheitsbehörden bekannt geworden. Einen großen Anteil daran trägt die Teillegalisierung von Cannabis, wie Innenminister Dobrindt betont.

Straftaten insgesamt

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Allerdings sind die Fallzahlen ebenfalls in anderen Bereichen zurück gegangen, wie etwa der Straßenkriminalität. Erstmals seit 2021 gibt es auch im Bereich der Gewaltkriminalität sinkende Zahlen.

Anstieg bei Fällen von Vergewaltigung

Eigentlich könnte das als positive Entwicklung gewertet werden, doch Innenminister Dobrindt sah bei der Vorstellung der Zahlen keinen Grund zur Entwarnung. Andy Grote (SPD), Vorsitzender der Innenministerkonferenz, betonte, dass gerade Frauen nicht so sicher seien, wie sie es sein sollten.

Steigende Zahlen im Bereich der Sexualstraftaten und das erschreckende Ausmaß sexualisierter digitaler Gewalt machen deutlich, dass wir Betroffene noch besser schützen müssen.

Andy Grote (SPD), Vorsitzender der Innenministerkonferenz

Fälle von Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellem Übergriff im besonders schweren Fall sind um 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Vergleicht man die Zahlen mit dem Wert von 2018, liegt der Anstieg bei Vergewaltigungen sogar bei 72 Prozent.

Ein Polizist hältt einen Mann in Handschellen fest (Archivfoto)

In Deutschland gab es im vergangenen Jahr weniger Straftaten als noch 2024. Laut polizeilicher Kriminalstatistik sank deren Zahl um 5,6 Prozent auf 5,5 Millionen.

20.04.2026 | 1:41 min

Viele Faktoren spielen bei den Zahlen eine Rolle

Doch gerade im Bereich der sexuellen Übergriffe scheinen weitere Faktoren eine Rolle zu spielen. So wurden das Sexualstrafrecht 2016 verschärft. Stichwort: Nein heißt Nein. Seitdem fallen mehr Handlungen unter den Straftatbestand des sexuellen Übergriffs. Außerdem könne mediale Aufmerksamkeit Einfluss auf das Anzeigeverhalten haben.

Wir sehen auch, dass das Thema insgesamt eine erhöhte mediale Aufmerksamkeit hat, was zur Sensibilisierung beiträgt.

Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamts

Welchen Einfluss beide Faktoren haben, lässt sich aus den reinen Fallzahlen der PKS nicht herauslesen. Die von den Landeskriminalämtern und dem Bundeskriminalamt (BKA) zusammengestellte Statistik erfasst lediglich das sogenannte Hellfeld. Also alle bekannt gewordenen Straftaten, die die Polizei in einem Jahr bearbeitet.

Bundesinnenministerin Faeser und BKA-Präsident Münch präsentieren die Fallzahlen 2023.

Im Jahr 2023 hat es erneut mehr Fälle politisch motivierter Kriminalität gegeben. Einen Anstieg gab es laut Bundesinnenministerin Faeser vor allem bei rechtsextremen Delikten, aber auch linksextreme Taten haben zugenommen.

21.05.2024 | 1:35 min

Zusätzliche Opferbefragung veröffentlicht

Aus Sicht von Kriminologe Tobias Singelnstein von der Goethe-Universität Frankfurt brauche es daher weitere Daten aus dem Dunkelfeld, um belastbare Aussagen über die tatsächliche Kriminalitätsentwicklung zu treffen.

Die Zahlen zeigen nur die Registrierungstätigkeit der Polizei. Mit Schlüssen auf die tatsächliche Kriminalitätsentwicklung sollte man sehr vorsichtig sein.

Prof. Tobias Singelnstein, Goethe-Universität Frankfurt a. M.

Aus diesem Grund hatte das BKA zusätzlich in diesem Jahr noch die Ergebnisse einer großangelegten Bevölkerungsumfrage "Sicherheit und Kriminalität in Deutschland 2024" veröffentlicht. Über 60.000 Männer und Frauen hatten sich daran beteiligt. Es war die zweite Studie dieser Art.

Sie zeigt unter anderem, dass nur ein Bruchteil der Sexualdelikte zur Anzeige gebracht wird. Allerdings finden sich in der aktuell veröffentlichten Studie noch keine Vergleichswerte zu früheren Erhebungen.

Über dieses Thea berichteten verschiedene Sendungen, unter anderem die heute-Nachrichten am 20.04.2026 ab 19 Uhr.

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