Wirtschaftliche Lage in Deutschland:Osten hinkt noch hinterher - aber Brandenburg schlägt Kiel
von Christiane Hübscher
Der Wettbewerbsreport der Ostbeauftragten zeigt: Der Osten hinkt dem Westen noch hinterher, etwa bei Wohneigentum oder Firmengründungen. Ein Bundesland aber holt auf.
Die Wirtschaft im Osten hat aufgeholt, doch der Vorsprung bleibt fragil. Beim Wirtschaftsforum in Bad Saarow und im neuen Wettbewerbsreport stehen die zentralen Herausforderungen für die wirtschaftliche Entwicklung im Mittelpunkt.
28.05.2026 | 2:36 minDer Aufholprozess der ostdeutschen Bundesländer ist kein Selbstläufer mehr. So lautet die Diagnose der Ostbeauftragten der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), gut 35 Jahre nach der Deutschen Einheit.
Auch wenn sich Ost und West insgesamt weiter annähern, verlangsamt sich das wirtschaftliche Zusammenwachsen insgesamt. In manchen Bereichen geht die Entwicklung sogar wieder auseinander, wie der aktuelle "Wettbewerbsreport Ostdeutschland" zeigt.
Der wirtschaftliche Abstand ist messbar. Und er wird wieder größer, wenn jetzt nicht entschieden gegengesteuert wird.
Wettbewerbsreport Ostdeutschland 2026
Nach der Wiedervereinigung wurde viel Geld in die Städtebauförderung investiert – allein in Brandenburg profitieren davon seitdem rund 400 Städte und Gemeinden.
27.05.2026 | 1:52 minWo die ostdeutsche Wirtschaft wächst
Die Wirtschaftskraft - gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) - lag in den ostdeutschen Flächenländern zuletzt bei rund 85 Prozent des westdeutschen Durchschnittswertes - vor zehn Jahren waren es erst 78 Prozent.
Zu den Gewinnern gehört Brandenburg, das inzwischen sogar die drei schwächsten westdeutschen Länder Saarland, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz überholt hat. Einige ostdeutsche Landkreise liegen wirtschaftlich mittlerweile sogar über dem gesamtdeutschen Durchschnitt - wie Jena, der Saalekreis sowie die Landkreise Spree-Neiße, Dahme-Spreewald und Uckermark.
Potsdam von oben: Brandenburg hat drei westdeutsche Bundesländer überholt.
Quelle: Elke Wetzig & Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0Von einer pauschalen Benachteiligung Ostdeutschlands könne also keine Rede mehr sein, heißt es im Report, den die Staatsministerin unter anderem vom Ostdeutschen Bankenverband, Wirtschaftsverbänden und dem ifo Institut Dresden erstellen ließ.
Was die Aufholjagd bremst
Doch es fehle heute an Investitionen: Der Osten profitiert zwar seit der Wende von moderneren Anlagen, doch ostdeutsche Unternehmen investieren aktuell rund 25 Prozent weniger als die westdeutsche Konkurrenz, weshalb eine "technologische Überalterung" drohe. Grund sei oft eine alte Belegschaft und fehlende Übernahmeperspektiven.
Unternehmen zwischen Sassnitz und Sonneberg investieren zudem weniger in Forschung und Entwicklung. Lässt man Berlin außen vor, werden in Ostdeutschland auch weniger Firmen gegründet.
Ohne eine klare Investitions-, Innovations- und Fachkräfteoffensive drohe der Aufholprozess zu stagnieren oder sogar zu kippen, schreiben die Forscher. Der Zeitpunkt für entschlossenes politisches Handeln sei jetzt.
Wegen des Kohleausstiegs fließen Fördergelder in die Lausitz, welche die Wirtschaft und die Infrastruktur verbessern sollen.
15.05.2026 | 1:45 minWieder wachsende Vermögenslücke
Bei den Privatvermögen hat sich der Abstand sogar wieder etwas vergrößert: Ostdeutsche Haushalte (inklusive Berlin) verfügen im Schnitt über ein Nettovermögen von 35.900 Euro, während es in Westdeutschland mit 143.200 Euro fast viermal soviel ist. Ein Grund sind die noch immer niedrigeren Löhne im Osten, weshalb auch die Sparquote hier niedriger ist.
Auch vererbt wird im Osten deutlich weniger. Ostdeutsche haben deutlich seltener Wohneigentum (35 Prozent) als Westdeutsche (46 Prozent) und nur zehn Prozent der Haushalte besitzen Aktien, im Westen sind es 20 Prozent.
Was ist “der Osten“, was ist dessen Identität? Die AfD versucht dieses Thema mit eigenen Inhalten zu besetzen. Gezielt werden dafür DDR-Produkte vereinnahmt.
30.04.2026 | 22:02 minExperten empfehlen mehr Finanzbildung
Die Studienautoren konstatieren in ostdeutschen Privathaushalten "noch immer erhebliche Wissenslücken bei grundlegenden ökonomischen Zusammenhängen" und sehen politische Hebel vor allem in der kapitalgedeckten Vorsorge wie der neuen Frühstartrente. Die betriebliche Altersversorgung müsse gestärkt und gerade im Osten für private Altersvorsorge geworben werden.
Die Experten empfehlen auch ein nationales neues Unterrichtsfach: "Wirtschaft/Ökonomische Bildung", um junge Menschen früh an Finanzthemen heranzuführen und so Chancengleichheit zu ermöglichen.
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