Unfallforschung der Versicherer:Langzeitstudie: Aggression im Straßenverkehr nimmt zu
Drängeln, ausbremsen, schimpfen: Im Straßenverkehr geht es laut einer Studie der Versicherungswirtschaft immer aggressiver zu. Das betreffe nicht nur Auto-, sondern auch Radfahrer.
Aggressionen im Straßenverkehr nehmen zu: 47 Prozent der Autofahrer drängeln, wenn ihnen der Verkehr zu langsam ist. Laut Langzeitstudie sind Hektik und permanente Erreichbarkeit die Hauptgründe.
17.08.2026 | 0:20 minDie Aggression im deutschen Straßenverkehr hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Das geht aus einer in Berlin vorgestellten Langzeitstudie der Unfallforschung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor.
Demnach verschlechterten sich fast alle 23 erhobenen Werte zur Messung von aggressivem Verhalten im Vergleich zur letzten Studie von 2023 - einige sogar deutlich. Dieser Trend halte bereits seit etwa zehn Jahren an, sagte Kirstin Zeidler, die Leiterin der Unfallforschung der Versicherer (UDV) im Gesamtverband.
Jeder zweite Autofahrende muss sich sofort abreagieren, wenn er sich über andere ärgert.
Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung der Versicherer (UDV)
Jeder zweite Autofahrer drängelt
Immer mehr Autofahrer räumten in der Umfrage eigenes Fehlverhalten ein. Der Anteil derjenigen, die mitunter drängeln, stieg den Angaben zufolge von 36 Prozent bei der vorigen Erhebung 2023 auf 47 Prozent in diesem Jahr.
Ein knappes Drittel schere nach dem Überholen schon mal so dicht ein, dass der andere bremsen müsse. 2023 war es noch ein knappes Viertel gewesen.
E-Bikes erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Allerdings steigen auch die Unfallzahlen mit Pedelecs, deren Unterstützung bis 25 km/h reicht. Ältere Menschen verunglücken besonders häufig.
03.08.2026 | 1:39 minGDV: Bedenkliche Smartphone-Nutzung am Steuer
Die Selbstwahrnehmung lässt laut den Studienergebnissen zu wünschen übrig. So gaben 92 Prozent aller Teilnehmer an, Radfahrer besonders vorsichtig zu überholen. Gleichzeitig gaben 86 Prozent an, zu enge Überholmanöver bei anderen Fahrern zu beobachten.
Die permanente Erreichbarkeit und Hektik im Leben sorge für zunehmenden Druck und eine kürzere Zündschnur bei den Verkehrsteilnehmern, erklärte Zeidler.
ZDFheute Infografik
Für die Darstellung von ZDFheute Infografiken nutzen wir die Software von Datawrapper. Erst wenn Sie hier klicken, werden die Grafiken nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Datawrapper übertragen. Über den Datenschutz von Datawrapper können Sie sich auf der Seite des Anbieters informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.
So beobachtete der GDV auch eine bedenkliche Zunahme der Smartphonenutzung. Jeder vierte Fahrer schrieb ab und an Nachrichten, jeder fünfte nutzte soziale Medien während der Fahrt. "Der Zeitgeist läuft der Sicherheit entgegen", beurteilte Zeidler die Entwicklung.
Auch Radfahrer verhalten sich aggressiv
Auch bei den Radfahrern deutet die Umfrage auf ein zunehmend aggressives Verkehrsverhalten hin. 43 Prozent von ihnen erzwingen demnach hin und wieder die Vorfahrt - nach 28 Prozent bei der Umfrage aus dem Jahr 2023. Fast jeder zweite überholte Autos auch verkehrswidrig oder schlängelte sich durch den Verkehr.
ZDFheute Infografik
Für die Darstellung von ZDFheute Infografiken nutzen wir die Software von Datawrapper. Erst wenn Sie hier klicken, werden die Grafiken nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Datawrapper übertragen. Über den Datenschutz von Datawrapper können Sie sich auf der Seite des Anbieters informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.
Die UDV spricht sich unter anderem für schärfere Kontrollen und Sanktionen für Fehlverhalten im Straßenverkehr aus. Polizeikontrollen erlebten viele Verkehrsteilnehmer de facto selten, auch das Strafmaß werde als mild empfunden.
Aus UDV-Sicht sind Verkehrsplanende, Verkehrspsychologen und -psychologinnen gefordert, Konzepte gegen aggressives Verhalten im immer dichter werdenden Verkehr zu entwickeln.
Unfallforschung der Versicherer (UDV)
Mehrheit für Tempolimit auf Autobahnen
Für die Umfrage wurden zwischen März und April 2026 mehr als 2.000 Personen ab 18 Jahren online befragt. Erhoben wurde dabei auch die Meinung zu gesetzlichen Maßnahmen.
Das Grafikvideo zeigt die Zahlen und Studien zur Diskussion um ein Tempolimit auf Deutschlands Autobahnen. Spritverbrauch und Unfälle könnten abnehmen.
24.04.2026 | 1:48 minDemnach befürworten 74 Prozent eine Null-Promille-Grenze, 72 Prozent unterstützen eine 1,1-Promille-Grenze für Radfahrer. 60 Prozent sprachen sich für ein Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen aus, 53 Prozent befürworten Tempo 80 auf Landstraßen, 43 Prozent Tempo 30 in der Stadt.
Weniger Unfälle, kaum längere Fahrzeit: Das ist das Fazit einer Studie zu den Folgen eines Tempo-30-Limits. Das Tempolimit sei ein "wirkungsvoller Hebel für die Stadtentwicklung".
03.01.2026 | 0:31 minMehr zum Verkehr in Deutschland
Alle 18 Minuten verunglückte ein Kind:2025 mehr Kinder im Straßenverkehr gestorben
mit Video0:23- Grafiken
- Interview
Neuer Verkehrsminister :Bilger: "Ich kann keine Wunder versprechen"
mit Video6:38 Verkehrsversuch in Heusenstamm:Wie eine Kleinstadt die Straßenverkehrsordnung herausfordert
von Nico Brunnhubermit Video1:53