Verkehrsversuch in Hessen: Straßenmodell für mehr Sicherheit

Verkehrsversuch in Heusenstamm:Wie eine Kleinstadt die Straßenverkehrsordnung herausfordert

von Nico Brunnhuber

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Ein Verkehrsversuch in Hessen soll Straßen sicherer für Radfahrer machen. Die Forschung lobt das Modell, manche Verkehrsteilnehmer bleiben skeptisch - und die Bürokratie sperrig.

Straße mit neuem Verkehrskonzept

Trotz positiver Ergebnisse wird der bundesweite Durchbruch der Heusenstamms "Verkehrswende" blockiert. Laut einer StVO-Regel aus dem Jahr 2000 ist die Kernfahrbahn zu schmal.

27.07.2026 | 1:53 min

In der Straßenmitte fahren die Autos auf einer drei Meter breiten Fahrbahn, links und rechts davon leuchten breite, rote Schutzstreifen für Fahrräder - und die Gehwege gehören nur den Fußgängern: Was in Ländern wie den Niederlanden seit Jahrzehnten Alltag ist, geht in Heusenstamm bei Frankfurt nur als Experiment.

Im März 2023 starteten die Vorbereitungen, im November 2023 dann der eigentliche Verkehrsversuch. Seitdem testet die Stadt gemeinsam mit der Hochschule Darmstadt in der stark befahrenen Industriestraße die neue Straßenführung.

Ich dachte, dass es Blödsinn ist […] aber es ist gemacht worden und ich glaube es kommt gut an.

Ulrike Claßen, Radfahrerin

Heusenstamm: Autos müssen sich hinter Radfahrern einordnen

Das Besondere am Modell: Wenn sich zwei Autos entgegenkommen, weichen sie von der Fahrbahn auf die Radstreifen aus - vorausgesetzt, dort radelt niemand.

Ansonsten müssen sich die Autos hinter den Radfahrern einordnen und warten. Das bremst den Durchgangsverkehr bewusst ab und schafft einen klar erkennbaren Schutzbereich für den Radverkehr.

Niederländer auf dem Fahrrad

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Hochschule Darmstadt: Weniger Unfälle, mehr Miteinander

Die Hochschule Darmstadt hat das Modell von Beginn an ausgewertet. Das Ergebnis: Vor dem Versuch waren fast 90 Prozent der Radfahrer auf dem Bürgersteig, inzwischen sind es unter 20 Prozent. Zudem überholen die Autofahrer deutlich vorsichtiger und halten größeren Abstand.

Im Versuchszeitraum gab es nur einen einzigen Unfall, zuvor hatte es auf der Strecke wiederholt gekracht. "Wir haben, glaube ich auch, ein deutlich besseres Miteinander erzeugt, denn die Verkehrsteilnehmer respektieren sich deutlich mehr, auch durch die Markierungen", betont Verkehrsexperte Professor Jürgen Follmann.

Klimastraße in Berlin

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Verkehrsexperte: Radfahrer auf Straße deutlich sichtbarer

Doch nicht alle in Heusenstamm sehen das Projekt so positiv. Einige Autofahrer finden, es sei zu unübersichtlich. Manche Radfahrer fühlen sich auf der Straße unsicher.

Nathalie Hitzel fährt mit ihrem Kind im Fahrradanhänger auf dem Schutzstreifen. Sie ist im Zwiespalt: "Als Radfahrer ist es super, aber als Autofahrer habe ich immer ein bisschen Angst jemanden zu erwischen. Man braucht eben auch genug Platz für die Autos." Radfahrerin Petra Luthardt meidet die Strecke, wenn möglich: "Ich fahre hier nicht gerne, weil ich den Weg hier gefährlich finde."

Verkehrsexperte Follmann kennt diese Sorgen. Er entgegnet, es sei wichtig zwischen Gefühl und Realität zu unterscheiden: Die Menschen seien es gewohnt auf dem Gehweg zu fahren. Dort drohen jedoch Gefahren durch Ausfahrten und Lieferverkehr. Auf der Straße seien Radfahrer dagegen deutlich besser sichtbar.

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Straßenverkehrsordnung: Mindestbreite für Fahrbahn 4,50 Meter

Obwohl das Modell aus Sicht der Stadt günstig ist und positive Ergebnisse liefert, lässt es sich bislang nicht ohne Weiteres auf ganz Deutschland übertragen.

Der Grund ist die Straßenverkehrsordnung (StVO): Aus dieser geht hervor, dass Kernfahrbahnen zwischen zwei Schutzstreifen mindestens 4,50 Meter breit sein müssen, damit sich zwei Autos ungehindert begegnen können.

Ich verstehe diese Bürokratie manchmal nicht.

Steffen Ball (CDU), Bürgermeister Heusenstamm

Die Stadt hat die Fahrbahn bewusst auf drei Meter verengt, um riskante Überholmanöver zu verhindern.

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Bundesverkehrsministerium und Bundesrat: Neue Beratungen ab 2027

Jürgen Follmann setzt sich dafür ein, dass die Straßenverkehrsordnung geändert wird. Er hatte seine Daten im Bundesverkehrsministerium präsentiert - und konnte nach eigener Aussage das Kabinett überzeugen. Beim Bundesrat sei dann allerdings Schluss gewesen.

In Hessen brauchen Städte für solche Projekte deshalb weiterhin eine Ausnahmegenehmigung. Heusenstamm testet nun bis Ende 2026 weiter. Danach wird erneut über eine Gesetzesänderung beraten. Länder wie Baden-Württemberg und NRW erlauben ähnliche Modelle bereits über eigene Erlasse - auch auf Basis der Heusenstammer Ergebnisse.

Nico Brunnhuber berichtet aus dem ZDF-Studio in Wiesbaden.

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Über dieses Thema berichtete "heute in Deutschland" am 27.07.2026 ab 14:00 Uhr.

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