Debatte um Gesundheitsabgaben:Juso-Chef Türmer: Stärkste Schultern müssen mehr beitragen
Die SPD ringt um eine Reform der Krankenkassenfinanzierung. Juso-Chef Türmer erklärt, warum Kapitalerträge herhalten sollen und bringt Ausnahmen für Kleinsparer ins Spiel.
Es gehe darum, die Abgabenlast für Beschäftigte zu senken und Milliarden aus Kapitalerträgen ins Gesundheitssystem fließen zu lassen – sonst bleibe es unfair, so Juso-Chef Türmer.
09.02.2026 | 4:51 minWie soll die Finanzierung der Kranken- und Pflegeversicherung künftig aussehen? Die SPD-Spitze fordert eine Reform der Kassenfinanzierung: Künftig sollen nicht mehr nur Löhne und Gehälter, sondern alle Einkommensarten zur Finanzierung herangezogen werden - also auch Mieteinnahmen und Kapitalerträge.
Der Vorstoß sorgt für eine Debatte in der schwarz-roten Koalition. Die Union lehnt die Pläne strikt ab und warnt vor neuen Belastungen für Wirtschaft und Sparer.
Im heute journal update erklärt Juso-Chef Philipp Türmer, warum er den Vorstoß für überfällig hält - und wer aus seiner Sicht bislang zu wenig zum Gesundheitssystem beiträgt.
Sehen Sie oben das gesamte Interview im Video oder lesen Sie es hier in Auszügen.
Die SPD fordert, alle Einkommensarten bei der Finanzierung des Gesundheitssystems einzubinden. Somit sollen Abgaben auf Mieteinnahmen oder Kapitaleinkünfte in das Gesundheitssystem fließen.
09.02.2026 | 0:54 minSPD will Beschäftigte durch neue Finanzierungsbasis entlasten
Türmer verteidigt den Vorschlag der SPD als Frage der Gerechtigkeit. Ziel sei es, "endlich" auch diejenigen stärker zu beteiligen, die hohe Einkünfte aus Kapital- oder Mieteinnahmen erzielen "und davon keinen Cent für unser Gesundheitssystem zahlen", erklärt er.
Der Vorstoß richte sich ausdrücklich nicht gegen Arbeitnehmer, sondern solle sie entlasten. Die derzeitige Finanzierung über Löhne und Gehälter hält er für einseitig.
Die SPD möchte mit Zusatzabgaben auf Miet- und Kapitaleinkünfte das Gesundheitssystem stabilisieren. In der Union stößt das auf Widerstand.
09.02.2026 | 1:45 min"Extrem unfair": Kritik an der bisherigen Finanzierung
Dem Einwand, mit dem Vorschlag werde einfach mehr Geld in ein marodes System gepumpt, widerspricht Türmer. Es gehe darum, die Abgabenlast für Beschäftigte zu senken, indem auch andere Einkommensarten einbezogen würden. Dass Milliarden an Kapitalerträgen bislang ohne Beitrag zur Gesundheitsversorgung blieben, bezeichnet er als "extrem unfair".
Zugleich räumt er ein, dass Effizienzgewinne notwendig seien, etwa durch weniger Bürokratie bei den Krankenkassen. Einsparungen dürften jedoch nicht zulasten der Versorgungsqualität gehen.
Überall dort, wo Sparvorschläge darauf hinauslaufen, dass Menschen entweder kürzer oder schlechter leben, da muss man ganz klar sagen: nein, nicht mit uns.
Philipp Türmer, Juso-Vorsitzender
Die SPD ist für eine Gesundheitsabgabe auf alle Einkommensarten. Aus der Union gibt es Kritik. ZDF-Korrespondent Wulf Schmiese ordnet ein.
09.02.2026 | 1:28 minJuso-Chef: Ausnahmen zum Beispiel für Kleinsparer
Bedenken, auch mittlere Einkommen oder private Altersvorsorge könnten betroffen sein, begegnet der Juso-Chef mit dem Verweis auf Freibeträge. Kleinsparer und Menschen, die für das Alter vorsorgten, müssten ausgenommen werden. Ziel sei es, große Vermögen stärker in die Verantwortung zu nehmen.
Vorschläge der Union, die Krankenkassenbeiträge für Bürgergeldbezieher vollständig aus Steuermitteln zu finanzieren, ordnet Türmer so ein: "Das kann man machen", man solle aber "nicht so tun, dass man mit diesen zehn Milliarden irgendwie die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer signifikant entlasten könnte". Das sei "im Grunde ein Tropfen auf den heißen Stein".
In der Union stößt die SPD-Forderung nach einer Gesundheitsabgabe auf Widerstand. CDU und CSU befürchten eine zu hohe Belastung für weite Teile der Bevölkerung.
09.02.2026 | 1:42 minTürmer: SPD muss liefern, wenn aus Gesundheitsministerium zu wenig kommt
Als Juso-Vorsitzender wirbt Türmer dafür, den Reformvorschlag in die politische Debatte einzubringen. Die SPD müsse aus seiner Sicht liefern, wenn aus dem Gesundheitsministerium zu wenig komme.
Mir geht es darum, dass wir endlich Schluss damit machen, dass die stärksten Schultern sich in diesem Land überall aus der Verantwortung nehmen.
Philipp Türmer, Juso-Chef
Türmer zeigt sich überzeugt, dass der Vorstoß ein erster Schritt zu einer größeren Sozialreform sein könne. Gerade für Beschäftigte mit kleinen und mittleren Einkommen verspricht er spürbare Entlastung - am Ende stehe "mehr Netto vom Brutto".
Das Interview führte ZDF-Moderator und Redaktionsleiter des heute journal Stefan Leifert. Zusammengefasst hat es ZDFheute-Redakteurin Fränzi Meyer.
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