Ministerin bei "maybrit illner":Nina Warken plant andere Regel für Krankschreibungen
von Torben Schröder
Kommt die viel kritisierte Attestpflicht ab Tag eins doch nicht? Gesundheitsministerin Warken (CDU) kündigt an, gemeinsam mit Arbeitsministerin Bas (SPD) Alternativen auszuloten.
Sehen Sie hier die Sendung "maybrit illner" vom 16. Juli 2026 in voller Länge.
16.07.2026 | 60:37 minDie viel diskutierte Gesundheitsreform, die die schwarz-rote Koalition vorgelegt hat, kann nur ein erster Schritt sein. Darin besteht Einigkeit in der ZDF-Sendung "maybrit illner". Starken Gegenwind erzeugte bei der Reform die Idee einer Krankschreibung ab Tag eins. Aber kommt es auch dazu?
"Diese Maßnahme trieft vor Misstrauen gegen die Arbeitnehmer, aber auch die Ärzte", sagt die ehemalige Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang. Es gebe selbst innerhalb der Koalitionsparteien kaum vernehmbare Unterstützung. "Eigentlich wissen alle, dass das eine Bullshit-Idee war." Deshalb werde jetzt auch zurückgerudert.
Warken will Ausgaben und Einnahmen ausgleichen
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will nun gemeinsam mit Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) ausloten, wie das im Koalitionsausschuss Vereinbarte so zusammengeführt werden könnte, dass Arbeitgebern und Arbeitnehmern Genüge getan wird und die Praxen nicht überlaufen werden. Die Idee, mit Karenztagen zu arbeiten, nennt Warken "die ehrlichere Variante". Die Regelung müsse auch dem Ziel der Koalition dienen, Bürokratie abzubauen.
Der Bundestag hat die Gesundheitsreform der Bundesregierung beschlossen. Sie soll die Krankenkassen finanziell entlasten. Die Opposition übt massive Kritik an dem Vorhaben.
10.07.2026 | 1:44 minDie jüngst verabschiedete Reform der gesetzlichen Krankenversicherung soll laut Warken Ausgaben und Einnahmen ausgleichen:
Es soll künftig nur das bezahlt werden, was einen tatsächlichen Nutzen bringt. Und alle Beteiligten im System müssen einen Beitrag leisten, und zwar anteilig an dem, was sie an Kosten verursachen.
Nina Warken, Gesundheitsministerin
Die entstandene Finanzierungslücke von 500 Millionen Euro erfordere weitere Sparanstrengungen, aber ohne Versicherte und Arbeitnehmer zu belasten. "Das wird keine schöne Maßnahme", sagt Warken.
Gewerkschaften, Praxen und Krankenhäuser protestieren gegen die Sparpläne von Gesundheitsministerin Warken. Die Forderungen richten sich auch an die Gesundheitsminister der Länder.
10.06.2026 | 1:34 minBaas: "Brauchen eine Therapie für das Gesundheitssystem"
"Es ist etwas, das die Notbremse zieht vor dem Rasen in den Abgrund", sagt die Journalistin Melanie Amann (Funke) zur "reinen Spar-Reform":
Es ist eine erhebliche Belastung und schafft nur eine kurzzeitige Entlastung.
Melanie Amann, Journalistin
Durch die Reform würden die Kassenbeiträge keinesfalls sinken, sagt Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse. Zumindest könnten die Preise einstweilen stabil bleiben. Es handele sich um das erste Sparpaket seit Jahren - und gleichsam um Erste Hilfe. "Wir brauchen trotzdem eine Therapie für das Gesundheitssystem", betont Baas. Die solle über eine Strukturreform kommen.
Die Hausärztin Sibylle Katzenstein sagt, sie sehe an der Reform wenig, "wo die Patienten schwer getroffen werden". Die Anhebung der Zuzahlung für Medikamente sei vertretbar. "Was ich richtig gut finde, ist die Teilzeit-Krankschreibung." Dies werde vielen Menschen die Rückkehr in den Beruf erleichtern. Für die nächsten Reformschritte hat die Hausärztin eine Anregung:
30 Prozent der ärztlichen Arbeitszeit sind Bürokratie. Das ist wirklich eine Ressourcenverschwendung ohnegleichen.
Sibylle Katzenstein, Hausärztin
Gesundheitsministerin Warken plant mit ihrem Gesetzentwurf eine Reform zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge. Nun ist das Vorhaben ins parlamentarische Verfahren gestartet.
13.06.2026 | 2:07 minKürzungen bei Psychotherapie in der Kritik
Einen Punkt der verabschiedeten Reform sieht Katzenstein kritisch: "Psychotherapie zu kürzen, ist langfristig eher teurer für das Gesundheitssystem." Lang pflichtet bei:
Für mich ist das keine Reform, das ist ein Kürzungs-Kahlschlag.
Ricarda Lang, Grünen-Politikerin
Viele Psychotherapeuten würden künftig wohl nur noch Privatpatienten und -zahler aufnehmen, was zu einer Zwei-Klassen-Medizin führe.
"Natürlich tun einzelne Maßnahmen weh", sagt Warken. Die Ausgaben für Psychotherapeuten hätten sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt, ohne dass es pro Psychotherapeut mehr behandelte Fälle gebe. Es fehle an zielgenauer Versorgung. Diese solle durch Extra-Budgets für Kinder, dringende und schwere Fälle verbessert werden.
Mit der Gesundheitsreform will die Regierung sparen – auch im Bereich der Psychotherapie. Welche Folgen das haben könnte, analysiert ZDFheute live.
12.07.2026 | 18:31 minLange: EU will sich nicht erpressen lassen
Bernd Lange (SPD), Vorsitzender des Handelsausschusses im Europäischen Parlament, spricht sich dafür aus, dass die EU ihre Preissouveränität gegenüber den USA bewahrt. Die von US-Präsident Donald Trump geforderten Erhöhungen der Medizinpreise lehnt Lange ab: "Das ist eine Einflussnahme mit einem politischen Druck, der nicht akzeptabel ist." Die EU wolle sich nicht erpressen lassen.
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